Die Dynastie von Ur

[550] 412. Der Begründer der neuen Dynastie, der wieder ein dauerhaftes und wohlgeordnetes Reich geschaffen hat, ist Urengur von Ur. Mit ihm gewinnen wir auch in der Chronologie festen Boden: nach den § 329 berechneten Daten ist seine 18jährige Regierung auf 2469-2452 v. Chr. anzusetzen. Wie er zu Macht gelangt ist, wissen wir nicht; vermutlich hat er sich gegen die Könige von Uruk empört und sie vom Throne gestoßen. Eine Andeutung dafür ist vielleicht darin zu sehen, daß er einmal, auf Bauziegeln von Ur, seinem Titel »König von Ur« den weiteren »der starke Held, Herr von Uruk« voransetzt. Ein Jahr seiner Regierung ist benannt als »das Jahr, in dem der Sohn des Königs Urengur zum Priester der Nanai in Uruk durch Vorzeichen bestellt ward«. Sonst nennt er sich zu Anfang nur »König von Ur«; dann nimmt er den vollen Titel »der starke Held, der König von Sumer und Akkad« an. Damit ist das Wesen des neuen Reichs deutlich bezeichnet: die Sumerer sind die Herren, in ihrem Gebiet liegt der Schwerpunkt; aber daneben wird, anders als unter den Dynastien von Uruk, auch das Land Akkad, der Königssitz Sargons und Naramsins, berücksichtigt, wenn es auch an die zweite Stelle gerückt ist. Die beiden Volksstämme sind zu einem Reiche verschmolzen, in dem die Sumerer, das alte Kulturvolk, den Vorrang haben. Die Reichssprache ist daher sumerisch; nur vereinzelt wird in Gebieten mit vorwiegend oder ausschließlich semitischer Bevölkerung von den Königen daneben das Akkadische verwendet, so von Dungi in Kutha. Genauere Daten aus Urengurs Regierung besitzen wir nicht, so daß sich die fortschreitende Entwicklung seiner Macht nicht verfolgen läßt. Daß er ganz Sinear beherrscht hat, wird durch die Überreste seiner Bauten in Ur, Uruk, Larsa, Lagaš, Nippur bestätigt; ein Datum nennt »das Jahr, in dem König Urengur vom Unterlande nach dem Oberlande seinen Weg richtete«. Ihm ist sein Sohn Dungi mit der langen Regierung von 58 Jahren (2451-2394) gefolgt.


Die früher völlig konfus erscheinenden Zeiten des Reichs von Sumer und Akkad sind durch WINCKLER, LEHMANN, HILPRECHT und vor allem THUREAU-DANGIN geordnet (zuerst Rev. d'Assyriol. V, 71; vgl. auch in Z. Assyr. XV seine Rezension von RADAUS Early Bab. hist., bei dem trotz wichtigen neuen Materials die Verwirrung und die Verdoppelung und Verdreifachung der Könige am weitesten getrieben war). Die Daten der Urkunden haben hier eine feste Grundlage gegeben; das Material s. bei THUREAU-DANGIN, Sumer. und Akkad. Königsinschriften S. 186ff. und 228ff. [die Zusammenstellung in der Keilinschr. Bibl. III 1 ist dadurch überholt]. Jetzt sind seine Ergebnisse durchweg bestätigt, [552] aber wesentlich erweitert worden durch die keilschriftliche Liste der Dynastien von Ur und Isin aus Nippur, welche HILPRECHT, Babyl. Exped. XX 1, 1906, p. 39ff. publiziert und kommentiert hat (vgl. § 329). – Der jetzt Urengur gelesene Name wurde früher Urcham, Urbau, Urea, Urgur u.a. gelesen. Aus seiner 18jährigen Regierung besitzen wir nur wenig Daten, dagegen aus der Dungis ein Verzeichnis von 41 auf einander folgenden Jahrnamen (HILPRECHT, Babyl. Exped. I 125, von ihm damals fälschlich auf Ibisin bezogen), das durch weitere Urkunden ergänzt wird, so daß wir jetzt vom 13. Jahre Dungis (= Jahr 1 bei TH.-D.) bis zum 2. Jahre Ibisins die vollständige Liste der Jahrnamen besitzen, s. TH.-D. S. 289ff. [THUREAU-DANGINS Ansicht Rev. d'Ass. VII 184, die Angabe der HILPRECHTschen Liste über die Dauer von Dungis Regierung sei falsch, und derselbe habe nur etwa 50 Jahre regiert, scheint mir nicht notwendig.] Die einzige Variante ist, daß Gimilsin nach dieser Liste nur 7, nicht 9 Jahre regiert hat; vgl. § 415 A. Weitere Bearbeitungen der Datenlisten: MYHRMANN, Doc. of the second dyn. of Ur, Bab. Exp. III, 1. 1910. KUGLER, Sternkunde und Sterndienst in Babel II, 1, 1909 S. 150ff., dessen Ansicht, die Daten »Jahr wo N. N. König wurde« bezeichneten nicht das Antrittsjahr, sondern das neue volle Jahr des neuen Königs, schwerlich haltbar ist. – Der Zeit des Dungi, Pursin, Gimilsin gehören die von REISNER publizierten Tempelurkunden aus Tello (§ 406 A.) an; ferner die von RADAU, Early Bab. Hist. publizierten Tafeln der E. A. HOFFMANN-Collection und der Fund von Tontafeln über Viehlieferungen aus Drehem bei Nippur, vgl. THUREAU-DANGIN, Rev. d'Ass. VII 186, aus dem große Sammlungen, vor allem von GENOUILLAC, und jetzt, mit Verarbeitung der Ergebnisse für die Organisation und die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse des Reichs, von L. LEGRAIN, Le temps des rois d'Ur, 1912, veröffentlicht sind; ferner zahlreiche Tafeln aus Djocha (Umma): THUREAU-DANGIN, Rev. d'Ass. VIII 153ff-[Die Schrift von JANNEAU, Une dynastie Chaldéenne: Les rois d'Ur, 1911 ist wertlos und nicht ohne Fehler.]


413. Urengur und Dungi ergänzen sich in ähnlicher Weise wie Sargon und Naramsin. Beide haben in allen Städten Sinears eine umfassende Bautätigkeit entwickelt; ist doch die Wiederherstellung der immer wieder rasch verfallenden Heiligtümer (und ebenso der Kanäle) wie die wichtigste sakrale Aufgabe so auch die energischste Manifestation eines kraftvollen Herrschers und vor allem einer neuen Dynastie. In Nippur haben beide den verfallenen Tempelturm der Könige von Akkad durch einen höher gelegenen Neubau ersetzt, in [553] Uruk der Nanai, in Larsa dem Sonnengott, Urengur in Opis der Nincharsag, Dungi in Lagaš dem Ningirsu und der Ninâ, in Kutha dem Nergal, in Adab (Bismaja), in Kaṣallu, in Dêr den dortigen Lokalgöttern Tempel gebaut, sowie z.B. dem Nin-ib (in Nippur?). Der Löwenanteil aber fällt der Königsstadt Ur zu, deren Gott, der Mondgott Sin, jetzt der eigentliche Reichsgott ist; er wird daher zwar mit semitischem Bart und Haar, aber gewöhnlich mit Turbankappe und sumerischem Mantel (§ 406) dargestellt wie die Könige, und verschmilzt z.B. in Lagaš mit dessen Lokalgott Ningirsu. Wie Ellil von Nippur erhält auch Sin in Ur einen Tempelberg (ziqqurrat) von Ziegeln, den Urengur begonnen und Dungi vollendet hat; dieser Bau wird überhaupt fortan allmählich in alle Kulte eingeführt (vgl. § 408). Vielfach sind die offiziellen Jahrnamen den Tempelbauten und der Einführung der Götter in diese, auch der Übertragung von Priesterämtern auf die Königskinder entnommen: das Dominieren der religiösen Ideen und Forderungen in der sumerischen Kultur tritt auch hier wieder stark hervor. Bezeichnend ist, daß die Epitome der babylonischen Chronik von Dungi erzählt, er habe sehr für Eridu an der Meeresküste (die Stadt des Ea) gesorgt-das tritt auch in Jahresdaten unter ihm und seinem Nachfolger Pursin hervor –, dagegen die Schätze von Babel geplündert; dafür habe der Bel von Babel ihn strafend heimgesucht. So einseitig gefärbt dieser Bericht ist (vgl. § 397 A.), so ist es gewiß richtig, daß unter diesen sumerischen Herrschern die Städte von Akkad manches zu leiden hatten. – Von Urengur kennen wir ferner einen dem Mondgott von Ur geweihten Kanal, der an Lagaš vorbeiführte; auch die Stadtmauer von Ur hat er neu gebaut. Die alten Stadtherrscher, die Patesis, werden wieder zu Beamten herabgedrückt, die von den Königen ein- und abgesetzt werden. Ein Dokument zeigt, daß eine Anzahl von ihnen (die von Girsu-Lagaš, Umma, Babel, Marad, Adab, Ur, Sukurru, Kasallu, daneben Patesis, die für den Königskult bestellt sind) monatlich wechselnd bestimmte, vermutlich sakrale, Funktionen zu übernehmen [554] hatten. Andere Orte stehen unter Kommandanten (šakkanakku), wohl vor allem in den eroberten Gebieten.


Die Bauten lernen wir meist aus den Inschriften der Ziegelsteine, sowie den Jahrnamen kennen. Dungi in Bismaja: Amer. J. of Semitic Lang. XX 261. Ur: Naboned I R 68, 1 (Keilinschr. Bibl. III 2, 94; LANGDON, Neubabyl. Königsinschr. 250). Die frühere Annahme, aus Naboneds Inschrift I R 69, 2, 4-9 (Keilinschr. Bibl. III 2, 82, vgl. 88ff.; LANGDON 1. c.p. 244, vgl. 238) sei ein Datum für Urengurs Zeit zu entnehmen, beruhte auf Mißverständnis: WINCKLER, Untersuchungen zur Geschichte des alten Orients 19, 2. LEHMANN, Hauptprobleme 50. – Darstellungen des Sin aus dieser Zeit (zum Teil in sumerischem Mantel, zum Teil mit semitischem Plaid, aber fast immer mit sumerischer Kappe): Sumerier und Semiten S. 64ff. – Angabe der Chronik: KING II p. 11; Dungi ist der einzige König der Dynastie, den sie erwähnt. – Liste von Patesis in Verbindung mit Monatsnamen: RADAU, Early Bab. Hist. p. 291f. 299ff.; zu den von ihm daran geknüpften Kombinationen über die Monate und die Länge des Jahres vgl. THUREAU-DANGIN, Z. Ass. XV 409ff. Der 1. und 6. Monat haben keinen Patesi. Von den durch ihre Inschriften bekannten Patesis gehören in die Zeit des Reichs von Sumer und Akkad: Patesis von Lagaš: TH.-D. S. 148 und 228ff.; unter Gimilsin ist dann der Patesi Aradnannar von Lagaš zugleich Kommandant oder Patesi zahlreicher anderer Orte und Völkerschaften: TH.-D. S. 148; – Chašchamer von Iškunsin (unbek. Ort): Siegel bei TH.-D. S. 188 n, unter Urengur; – die Patesis von Nippur unter Dungi TH.-D. 196 a', und von dem Ort Dingir-babbar (-šamaš?) no. d';-von Ur unter Gimilsin TH.-D. S. 200 c;-Ituršamaš, Sohn des Idin-ilu von Kisurra (Ziegel aus Abuhatab, vgl. § 385 A., semitische Inschrift) TH.-D. S. 152, Mitteil. D. Orientges. 15, 13, wohl aus derselben Zeit wie die Ziegel Pursins aus Abuhatab ib. 17, 15; – die Ziegelinschriften und Siegel von 4 Patesis von Tupliaš (früher Umliaš gelesen, geschr. Ašnunnak, vgl. § 416; nach SCHEIL, Rec. 19, 55 in der Nähe von Nippur, aber wahrscheinlich östlich vom Tigris, nahe der elamitischen Grenze, vgl. JENSEN, Z. Ass. XV 219ff.): TH.-D. S. 174 [no. 1 = Berlin V A 3113 heißt nach einer Mitteilung UNGNADS Urningišzida ebenso wie no. 2]. RADAU, Early Bab. Hist. p. 433f. Délég. en Perse VI, Textes élam.-sém. III p. 12f. (dazu die von den Elamiten fortgeschleppte Statue pl. 3). – Patesis von Babel, Sippara, Kiš, Kutha, Marad, Adab, Nippur, Šuruppak, Ašnunnak = Tupliaš, Kaṣalla u.a. in den Texten aus Drehem: THUREAU-DANGIN, Rev. d'Ass. VII 186, IX 121. GENOUILLAC, Tablettes de Drehem 1911. LEGRAIN, Temps des rois d'Ur p. 8ff. Die angeblichen Patesis von Eridu (SMITH, TrSBA. I 32) sind Herrscher von Susa (TH.-D. S. 176 no. 1 a; 182 no. 4 a). – Die Wendung Urengurs in einer Inschrift von Tello (TH.-D. S. 188 i): »wer mit Sin wandelt (?), sei es ein [555] König, sei es ein Patesi, sei es ein Mensch, der [einen Namen trägt; so bei Chammurapi, der in seinem Gesetz 26, 40ff. diese Wendung wiederholt], stelle den Tempel Sins wieder her!«, charakterisiert die jetzige Stellung der Patesis.


414. Von Urengurs Kriegen haben wir keine Kunde; von Dungis Feldzügen dagegen ist in den Jahrnamen aus der zweiten Hälfte seiner Regierung, vom 34. Jahr an (2418 v. Chr.), vielfach die Rede, ebenso bei seinen Nachfolgern. Die vorhergehenden Jahre dagegen sind sämtlich nach friedlichen, religiösen Ereignissen benannt; so kann man vermuten, daß er zunächst sein Reich im Innern ausgebaut und dann erst erobernd um sich gegriffen hat. Zur Gewinnung eines auch nur einigermaßen gesicherten Gesamtbildes reichen freilich diese Jahrnamen und die sonstigen zufällig erhaltenen Daten in keiner Weise aus, und ebensowenig vermögen wir zu sagen, wieviel sich noch von der alten Machtstellung des Reichs von Akkad in die Folgezeit hinein erhalten hat. Vor allem war es geboten, den Gebirgsstämmen im Osten wieder Respekt vor der Macht des Kulturlandes beizubringen: neunmal ist Dungi gegen Simuru und Lulubu ausgezogen (die Gutaeer dagegen werden in dieser Zeit niemals erwähnt). Auch Elam gehört wieder zum Reich (vgl. § 416) wie unter den Königen von Akkad: der Patesi von Anšan steht neben denen der Städte von Sinear. Ein Jahr ist danach benannt, daß derselbe die Tochter Dungis heiratet; aber vier Jahre darauf hat Dungi Anšan verwüstet, und auch sonst mag es, wie zur Zeit Gudeas (§ 410), hier zu manchen Kämpfen gekommen sein. In Susa haben Dungi und seine Nachfolger Tempel gebaut. Auch die Herrschaft über Mesopotamien (Subartu) und über die Landschaften am Tigris, die unter Patesis stehenden Fürstentümer Charši oder Churšitu am 'Aḍêm, das benachbarte Madqa mit seinen Naphthaquellen, Kimaš u.a. ist von den Königen von Sumer und Akkad behauptet oder wiedergewonnen worden. Aber wahrscheinlich hat sich die Macht des Reichs noch viel weiter erstreckt: nicht nur das spätere Assyrien und das Quellgebiet des Tigris sind ihm untertan gewesen, sondern, wenn [556] wir ein allerdings noch ganz isoliertes Zeugnis verwerten dürfen, auch das östliche Kleinasien (§ 435). Ebenso ist es kaum zweifelhaft, daß die Herrschaft über die Amoriter wiederhergestellt worden ist, wenngleich in unserem über die Maßen dürftigen Material kein Zeugnis dafür vorliegt: nur so erklärt sich ebensowohl der tiefgreifende Einfluß Sinears auf die Kultur dieser Gebiete, wie das ununterbrochene Einströmen semitischer und speziell amoritischer Bevölkerung mit ihren Göttern in die sumerischen Städte. Es ist sehr wohl möglich, daß das Heer der Könige bereits großenteils aus diesen Stämmen geworben wurde, wie bei den Aegyptern seit alters aus Nubiern, später daneben aus Libyern und Asiaten. Die Dynastie von Ur ist, wenn unsere chronologischen Ansätze richtig sind, mit der achten Dynastie in Aegypten und der vollen Zersetzung des Alten Reichs gleichzeitig; so wird es hier zu einem Zusammenstoß kaum gekommen sein. – So ist, soweit wir sehen können, das Reich von Sumer und Akkad wenigstens unter seinen ersten Königen ein Reich gewesen, welches weite Gebiete Vorderasiens vom persischen Golf bis zum Mittelmeer und dem östlichen Kleinasien umfaßte und dem Reich von Akkad keineswegs nachstand. An dies knüpft denn auch Dungi wieder an; schon früh hat er wie Naramsin seinem Namen das Gotteszeichen vorgesetzt, das bei Urengur niemals vorkommt; und etwa seit der Mitte seiner Regierung hat er den Titel eines Königs von Sumer und Akkad aufgegeben und sich statt dessen »der starke Krieger, König von Ur, König der vier Weltteile« genannt. Er nimmt also, wie die Könige von Akkad, sowohl die Weltherrschaft wie die göttliche Verehrung in Anspruch: er hat sich einen Priester mit dem Titel eines Patesi bestellt, einen Tempel gebaut, und den 7. Monat nach dem Fest benannt, das ihm als Gott gefeiert wurde.


Die in den Datenlisten Dungis und seiner Nachfolger genannten bekriegten Gebiete sind nach der Liste THUREAU-DANGINS S. 229ff. (nebst den Anmerkungen-seine von mir beibehaltenen Jahrzahlen sind bei Dungi durchweg um 12 zu erhöhen): Anšan: Dungi J. 28 u. 32. Patesis seiner Zeit aus Elam [vgl. § 416]: von Susa, von Anšan, von Adamdum, [557] auf Tontafeln von Tello; THUREAU-DANGIN, Rev. d'Ass. V 76; ferner SCHEIL, Délég. en Perse V (él.-anz. II) p. IX 1 (= TH.-D. S. 177 Anm. 3, 3), sowie in den Tafeln von Drehem § 412 A. – Ganchar (Karchar?) Dungi J. 22 u. 29, vgl. 43 Anm. (unter Gimilsin ist der Patesi von Lagaš zugleich Patesi von Ganchar u.a. TH.-D. S. 150); ein Siegel seines Königs Kišâri (semitisch?); TH.-D. S. 174, vgl. § 433. – Simuru und Lulubu: Dungi J. 23. 24. 30. 42. 43. Pursin 2. Ibisin S. 236 n. – Charši: Dungi J. 25, in J. 46 mit Kimaš und Chumurti (beide auch J. 44) verbunden. Siegel des Chunini, Patesi von Kimaš und Kommandant von Madqa TH.-D. S. 176. Beide auch bei Gudea als gebirgige Landschaften: Kimaš mit Kupfer, Madqa, an einem Fluß, mit Asphalt (Statue B 6, 21ff. 51ff. Cyl. A 16, 9, 15); also wohl die Naphthaquellen von Ṭûz Churmatly an den östlichen Zuflüssen des 'Aḍêm, oder auch die weiter westlich bei Kerkûk gelegenen (s. Strabo XVI 1, 4. Curt. V 1, 16. HERZFELD, Unters. über die Topographie der Landschaft am Tigris, in Memnon I 1907, S. 129). Charši wird mit Churšitu am 'Aḍêm identisch sein; s. § 433. – Šašru: Dungi J. 40. – Urbillu: Dungi J. 43. Pursin J. 2; vgl. § 464 A. – Chuchunuri: Pursin J. 7. – Simanu: Gimilsin J. 3. – Zabšali: Gimilsin J. 7, vgl. S. 235 m, wo der Patesi eine Tochter des Königs heiratet. – Der Stein mit der semitischen Inschrift Dungis über den Nergaltempel in Kutha ist in Ninive gefunden, aber offenbar hierher (von den Assyrern?) verschleppt: SCHRADER, ZDMG. 29, 37. AMIAUD, Z. Assyr. III 94. TH.-D. S. 190 g. – Der Tempel Dungis wird in einer Urkunde über Lieferungen bei RADAU, Early Bab. Hist. p. 363 erwähnt, die Einsetzung seines Priesters in dem Jahrdatum ib. p. 420 = TH.-D. S. 235 h, sein Patesi in der Monatsliste § 413 A. Über die göttliche Verehrung der Könige: THUREAU-DANGIN, Rec. 19, 185f.; seitdem ist das Material bedeutend vermehrt.


415. Auf Dungi sind noch drei weitere Könige in regelmäßiger Erbfolge gefolgt, Pursin (9 J. 2393-2385), Gimilsin (7 J. 2384-2378) und Ibisin (25 J. 2377-2353). Sie haben alle drei semitische, mit dem Namen des Gottes von Ur gebildete Namen, ein drastischer Beweis, wie stark der semitische Einfluß geworden ist. Wie Dungi in seiner späteren Zeit führen sie durchweg nur den Titel »der starke Held, König von Ur, König der vier Weltteile«, und schreiben sich mit dem Gotteszeichen. Pursin rühmt, wie die alten Könige des Landes, daß »von Ellil in Nippur sein Name ausgesprochen« sei, d.h. daß dieser ihn durch sein Orakel zum König erhoben habe, und betet zu Nin-ib, dem kriegerischen Sohne Ellils, dessen Kult jetzt in Nippur immer mehr in den [558] Vordergrund tritt (§ 396), er möge ihm eine ebensolange Regierung gewähren wie Dungi; zugleich aber nennt er sich in Ur den geliebten Sohn des Sin und den Sonnengott seines Landes, ebenso Gimilsin den Geliebten der Anunit; der Patesi von Ur und der von Lagaš erbauen dem Gimilsin einen Tempel, und seine Kultstatuen stehen in den Tempeln des Ningirsu und der Bau von Lagaš. Pursin hat in Ur, Eridu, Nippur, Kisurra (Abu Hatab), Gimilsin in Ur und Susa Tempel gebaut. Seine Jahrdaten erwähnen außerdem die Erbauung »der Amoritermauer«, also eines Bollwerks, das den Beduinenstämmen des Westens das Eindringen in Sinear sperren sollte, und eine Steininschrift verbindet damit die Abwehr der Scharen der Amoriter. Das läßt auf eine Erschütterung der Macht des Reichs schließen, der freilich erfolgreiche Kriege gegenübergestanden haben mögen; doch läßt sich von der Geschichte dieser Herrscher, trotz der zahlreichen aus ihrer Zeit erhaltenen Urkunden über Lieferungen an den Hof und die Tempel, vor allem einen großen zum Tempel von Nippur gehörigen Viehhof mit Schlachthaus (jetzt Drehem, vgl. § 412 A.), und über Geschäfte aller Art, in keiner Weise ein anschauliches Bild gewinnen. Ihr Ende hat die Dynastie durch eine Erhebung von Elam gefunden.


Für Gimilsin gibt die Königsliste aus Nippur (§ 412 A.) 7 Jahre, während in den Urkunden 9 Jahrnamen enthalten sind (TH.-D. S. 234). Vielleicht sind einige von diesen zu identifizieren; möglich ist aber natürlich auch, daß in der Königsliste ein Fehler vorliegt. Alsdann wären alle vorhergehenden Daten um 2 Jahre zu erhöhen [vgl. MYHRMANN, Bab. Exp. III 1, p. 30ff.]. – Gebete Pursins und Gimilsins an Ninib: RADAU, Bab. Exp. XXIX 1, p. 44ff. – Inschrift Gimilsins: Cun. Texts 32, 6. In Varianten des Datums wird die Amoritermauer als »Mauer des Gotts Amuru« bezeichnet und mit Tidnum (d.i. dem Amoritergebirge Tidanum § 402 aA.) verbunden: JANNEAU, Dyn. Chaldéenne p. 50. Z. Ass. 25, 207.


Quelle:
Eduard Meyer: Geschichte des Altertums. Darmstadt 81965, Bd. 1/2, S. 550-559.
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