Das Heerwesen

[63] Das wichtigste Organ des Reichs ist die Armee. Ihren Kern bildet das Aufgebot des persischen Volks zu Fuß und zu Roß und in diesem wieder die Garde (o. S. 31). Außerdem sind persische Truppen als stehende Besatzungen durch das ganze Reich verteilt; so z.B. in den Burgen von Sardes97, Kelänä, Egbatana,[63] Babylon, Memphis, in den ägyptischen Grenzfestungen Elephantine98, Marea, Daphne, in den Forts an den Straßen und Pässen99. In der kilikischen Ebene ist ein Reiterkorps stationiert (Herod. III 90). Im Falle eines Kriegs oder Aufstands sammeln sich wie daheim so in den Provinzen alle ansässigen Perser zu den Waffen. Aber zu allen Zeiten haben die Perserkönige daneben die Streitkräfte der Untertanen verwendet. Bei der Einnahme Babylons durch Kyros spielten die Truppen der Gutäer aus dem Zagros (Bd. I3 S. 439, 508) eine Hauptrolle. Nach Ägypten folgten dem Kambyses die Kontingente der Griechenstädte Kleinasiens. Das Heer, mit dem Darius die Aufstände niederwarf, bestand aus Persern und Medern (Bis. II 25). Zu den Reichskriegen gegen die Skythen und die Griechen, zu den Schlachten von Kunaxa, Issos, Arbela sind Truppen von allen Völkerschaften des Reichs aufgeboten – die Schlachtordnung von Arbela, welche die einzelnen Kontingente aufzählte, wurde nachher unter der Beute aufgefunden (Aristobul bei Arrian III, 11, 3). Wie die Wehrpflicht der Untertanen geordnet war, wissen wir nicht. Nach einer Erzählung Herodots, welche Tracht und Lebensweise der Lyder erklären soll, hätte Kyros die Lyder entwaffnet100; nach Xenophon ließ Kyros überall den Besiegten die Waffen abnehmen und verbrennen; nur als Schleuderer sollen sie verwertet werden. Diese Angaben sind unzuverlässig und übertrieben. Aber offenbar wurde in der Regel die untertänige Bevölkerung zur Ablieferung der Waffen gezwungen und zum Kriegsdienst nur so weit herangezogen, wie sie dem Reiche nicht gefährlich werden konnte. Am stärksten sind die Iranier, vor allem die Meder herangezogen worden, daneben die sakischen [64] Nomaden (Herod. VIII 113 u.a.); ihre Kontingente haben in der Präsenzarmee des Königs niemals gefehlt. Auch in Babylonien lagen Meder und Hyrkaner, die mit Landbesitz ausgestattet waren101. Die übrigen Völkerstämme werden je nach ihrer Zuverlässigkeit und militärischen Brauchbarkeit in sehr verschiedenem Umfang ausgehoben sein. In jedem der großen Militärbezirke des Reichs war ein Sammelplatz bestimmt, wo sich die persische Mannschaft des Gebiets und die Kontingente der Untertanen zu stellen hatten; so für Kleinasien bis zum Halys das Kastolosfeld102. Auch in Friedenszeiten wurden hier Paraden abgehalten, zu denen, wie es scheint, außer den mobilen Truppen auch die kriegspflichtigen Untertanen zusammengezogen wurden, obwohl schwerlich in voller Kriegsstärke. Wieweit in ruhigen Zeiten in den einzelnen Provinzen neben den persischen Besatzungen einheimische Truppen unter Waffen gehalten wurden, wird von den lokalen Bedürfnissen abgehangen haben. In späterer Zeit, als die militärische Überlegenheit der Griechen offenkundig geworden war, sind wenigstens in den westlichen Provinzen neben den persischen Truppen überall griechische Söldner gehalten worden.

Die Lebensmittel und Gelder für die Verpflegung erhalten die Truppen in den Provinzen von den Statthaltern; aber sie sind Soldaten des Königs, nicht des Statthalters. Der König bestimmt [65] die Stärke der Garnisonen, er ernennt ihre Kommandanten, er hält alljährlich, sei es in Person, sei es durch entsandte Inspektoren, Heerschau über sie ab. Auch die Kontingente der Untertanen werden durchweg von Persern, zum Teil sehr vornehmer Abstammung, befehligt; diese ernennen die niederen Offiziere. Nur die Stadtkönige und Tyrannen und die karischen Dynasten führen, ihrer eximierten Stellung entsprechend, ihre Truppen und Schiffe selbst; so abhängig sie sind, sind sie doch immer Vasallenfürsten und haben Militärhoheit. Gleichartig mögen die Dynasten größerer Landbezirke, wie die Otaniden in Kappadokien, gestellt gewesen sein. Ebenso kommandiert Syennesis von Kilikien beim Feldzug des Xerxes die kilikische Flotte. Sonst scheinen in Xerxes› Heer die Heerführer der Untertanen durchweg von den Statthaltern verschieden gewesen zu sein; nur die ägyptische Flotte wird von Achämenes, dem Satrapen Ägyptens, angeführt. So war eine gegenseitige Kontrolle der Statthalter und der in der Landschaft stationierten persischen Offiziere möglich; sie haben das Recht, über einander beim König Beschwerde zu führen. Aber auch sonst war diese Trennung unentbehrlich. Der Offizier soll seine Truppen in den Krieg führen, der Statthalter bleibt zurück, um für die Sicherheit der Provinz, für die Verpflegung der Truppen und die Aufrechterhaltung der Verbindungen zu sorgen103.

So hatte es in der Tat den Anschein, als sei im Perserreich, wie Xenophon es schildert, eine vollständige Trennung der Zivil- und der Militärgewalten durchgeführt. »Jene herrschen über die Einwohner und die vom Ertrag ihrer Arbeit lebende Bevölkerung (ἐργάται) und erheben von ihnen den Tribut, diese kommandieren die Besatzungstruppen.« Aber Xenophon selbst muß hinzusetzen: »wo ein Satrap eingesetzt ist, hat er für beides zu sorgen« (Oecon. 4, 9ff.). Er verschweigt, daß ein Satrap für jede der großen Provinzen bestellt ist. »Besatzungskommandanten, Oberste und Satrapen [66] haben die Truppen vollzählig und Pferde und Waffen in gutem Stand zu halten; die Satrapen haben aus den Persern ihrer Provinz und den Untertanen Reiter und Wagenkämpfer zu stellen«, sagt er selbst (Oecon. 4, 7. Cyrop. VIII 6, 10). In der Tat haben die Satrapen zu allen Zeiten das Oberkommando über die Truppen ihrer Provinz gehabt. So werden unter Kyros die gutäischen Truppen, die Babylon besetzen, von ihrem Statthalter Gobryas geführt. Bei der Niederwerfung der Aufstände schickt Darius den Satrapen von Baktrien, einen Perser Dâdarši, gegen die Marger (Bis. III 38); Vivâna, Satrap von Arachosien, wird mit seinem Darius ergebenen Heer von den Truppen des zweiten falschen Smerdis angegriffen (Bis. III 44); Darius' Vater Hystaspes, wie es scheint Satrap von Hyrkanien, wird von einem Teil seines Heeres verlassen, mit dem Rest bekriegt er die Parther und Hyrkanier (Bis. II 35). Orötes, der sich nach Kambyses' Tod in Kleinasien unabhängig zu machen sucht, hat eine Leibwache von 1000 Persern, die offenbar den Kern der Besatzung seiner Provinzen, vor allem die Garnison von Sardes bildeten (Herod. III 127f.). Ebenso hat im Jahr 334 Kelänä eine Garnison von 1000 Karern und 100 griechischen Söldnern vom Satrapen von Phrygien (Arr. I 29, 1). Unter Darius hat der Satrap Aryandes von Ägypten den Oberbefehl über die gesamte Truppenmacht des Landes einschließlich der Flotte; er entsendet sie auf eine Expedition gegen Barka und ernennt ihre Heerführer (Herod. IV 167). Um dieselbe Zeit gebietet Artaphrenes von Sardes »über die Truppenmacht der kleinasiatischen Küsten und hat ein großes Heer und viele Schiffe«, die er nach Zustimmung des Darius unter einem von ihm ernannten Feldherrn gegen Naxos entsendet (Herod. V 30. 32), und zwar obwohl damals Otanes der für das Küstengebiet ernannte Feldherr war (V 25). Nachher leitet er zusammen mit dem vom König ernannten Feldherrn die Operationen gegen die aufständischen Ionier (Herod. V 116. 122f.); ebenso geht der Satrap von Daskylion gegen Kyzikos vor (VI 33). Später ist es nicht anders. Im Peloponnesischen Krieg und nachher im Kampf mit den Spartanern und im Krieg gegen Alexander befehligen die Satrapen die Aufgebote ihrer Provinzen und leiten [67] innerhalb derselben die Operationen selbständig; nur sind sie dem vom König ernannten Oberfeldherrn, meist einem der Satrapen, untergeordnet. Die Niederwerfung rebellischer Räuberstämme, wie der Myser, Pisider, Lykaonen ist Angelegenheit der Provinz und ihres Satrapen, nicht des Oberfeldherrn (Xen. Anab. I 6, 7. 9, 14; Hellen. III 1, 13). Um das Jahr 400 haben so gut wie die Oberfeldherrn Kyros und Abrokomas auch Tissaphernes von Karien (Xen. Anab. I 1, 7. 2, 4. III 4, 13 u.a.), Syennesis von Kilikien (ib. I 2, 12. 21. 4, 4), die armenischen Satrapen Orontes (ib. IV 3, 4) und Teribazos (ib. IV 4, 5. 17ff.), Pharnabazos, der Satrap des hellespontischen Phrygiens (ib. VI 4, 24. 5, 7), eine beträchtliche Truppenmacht; Orontes hat dieselbe zum Heere des Königs geführt (Anab. II 4, 8; III 4, 13). Auch Xerxes' Bruder Masistes, Satrap von Baktrien, kommandiert über die dortstehenden Truppen (Herod. IX 113). Das persische Land wird gegen Alexander von seinem Satrapen Ariobarzanes verteidigt (Arrian III 18, 2). Daß die seit Artaxerxes I. beginnenden Aufstände der Satrapen zur Voraussetzung haben, daß ihnen das Kommando über die Truppen der Provinz zusteht, ist allgemein anerkannt; die angeführten Belege zeigen, daß das keine Neuerung, kein Zeichen des beginnenden Verfalls, sondern die zu allen Zeiten bestehende Ordnung war. Und in der Tat ist nicht einzusehen, wie die Satrapen ihre Stellung den Untertanen gegenüber, ihrer Aufgabe, Ordnung und Sicherheit in der Provinz aufrechtzuerhalten, die Steuern regelmäßig einzutreiben und Rebellionen zu unterdrücken, hätten durchführen sollen, wenn ihnen nicht das Kommando über die bewaffnete Macht zustand. Bei der Größe des Reichs und der Schwierigkeit der Verbindungen war eine vollständige Teilung der Kompetenzen unmöglich: die gesamte zivile und militärische Macht jeder Provinz mußte in einer Hand liegen. Außer den regulären Truppen der Provinz haben die Satrapen, wie es scheint, auf eigene Hand Söldner anwerben und ausrüsten können, soviel es ihnen zweckmäßig schien und ihre finanziellen Mittel gestatteten; der Zentralgewalt konnte es nur erwünscht sein, wenn überall im Reich zahlreiche und gut geschulte Truppen vorhanden waren. Auch die Unterstatthalter [68] hielten, wenigstens in späterer Zeit, zum Teil eigene Truppen und operierten damit in ihrem Gebiet selbständig; so unter Pharnabazos der Statthalter von Troas Zenis von Dardanos und dann dessen Witwe Mania, die griechische Söldner hielt und dem Pharnabazos im Krieg gegen die Myser und Pisider zuführte und mit ihnen mehrere griechische Städte eroberte (Xen. Hell. III 1, 10ff.); ebenso greift Tissaphernes' Hyparch Arsakes Adramytion und Antandros an (Thuk. VIII 108). Auch die Bestellung eigener Heerführer für die Kontingente der Untertanen scheint man in späterer Zeit, als nur noch Defensivkriege geführt wurden, aufgegeben zu haben; in den Schlachten gegen Alexander werden sie durchweg von den Statthaltern selbst kommandiert (Arrian I 12. II 11. III 8), während die persischen Truppen ihre selbständigen Obersten behalten (z.B. Arrian I 12, 8).

So sind die Satrapen gewissermaßen die Generale der Armeekorps ihrer Provinz. Aber an den Provinzialgrenzen findet ihre Tätigkeit ihre Schranken, über dieselben können sie nicht oder doch nur in Ausnahmefällen hinausgreifen. Da indessen größere, mehrere Armeekorps umfassende Kommandos unentbehrlich waren, ist das Reich in eine Anzahl großer Armeebezirke geteilt, die unter einem vom König ernannten Oberfeldherrn stehen. Unter Kyros nehmen in Kleinasien die Meder Mazares und nach seinem Tode Harpagos diese Stelle ein (Herod. I 157. 162), die den Paktyes besiegen und das Küstenland unterwerfen. Unter Darius finden wir als »Feldherrn der Küstenarmee« (στρατηγὸς τῶν παραϑαλασσίων ἀνδρῶν) nacheinander Otanes, einen der Sieben (Herod. III 141), Megabazos, Otanes, den Sohn des Sisamnes, Mardonios (Herod. V 25f., vgl. 116. VI 43). Vorher mag der Satrap Orötes dieselbe Stellung gehabt haben. Nicht selten wird einer der Satrapen zum Oberfeldherrn eines Armeebezirks ernannt; so im Peloponnesischen Krieg zuerst Tissaphernes, Satrap von Lydien und Karien (στρατηγὸς τῶν κάτω Thuk. VIII 5), dann Kyros, Satrap von Lydien und Großphrygien (Xen. Hell. I 4, 3), darauf wieder Tissaphernes (στρατηγὸς τῶν πάντων ib. III 2, 13), dann Pharnabazos von Phrygien und, wie es scheint, nach ihm Teribazos von Lydien (ib. IV 8, 12 βασιλέως ὄντα στρατηγόν; vgl. V 1, 28), [69] dessen Nachfolger Struthas (ἐπιμελησόμενος τῶν κατὰ ϑάλατταν ib. IV 8, 17) ebenfalls Satrap gewesen ist (s. Bd. V, 253). In den letzten Zeiten des Reichs, als Mentor und dann sein Bruder Memnon Strategen waren, ist die Trennung der beiden Ämter wieder eingetreten. Der Oberfeldherr ist den Satrapen seines Armeebezirks übergeordnet – so z.B. Kyros und dann Tissaphernes während ihrer Strategie dem Pharnabazos (Xen. Hell. I 4, 5, vgl. 5, 8; III 2, 13, vgl. IV 1, 37) – und leitet in der Regel die größeren Unternehmungen, während die Satrapen innerhalb ihrer Provinzen die militärischen Operationen selbständig ausführen. Nicht selten mag dem Oberfeldherrn vom König außer den Truppen der Provinzen noch ein besonderes Heer zur Verfügung gestellt sein. Wie schwer es freilich für ihn war, seinen Willen den übermächtigen Untergebenen gegenüber durchzusetzen, hat sich in allen Kriegen gezeigt, mochte er nun zugleich Satrap sein oder nicht. Wie in Kleinasien die Genannten, stand in Syrien im Jahr 400 Abrokomas als Feldherr des königlichen Heeres (Xen. Anab. I 4, 3-5) neben dem Satrapen Belesys (ib. I 4, 10. VII 8, 25). Damals bestand das Heer des Artaxerxes II. im Kampf gegen Kyros aus vier Armeen unter Führung des Abrokomas, Tissaphernes, Gobryas, Arbakes (ib. I 7, 12). Demnach zerfiel das Reich damals wahrscheinlich in vier Militärbezirke, von denen Kleinasien den ersten, Syrien und das Euphratgebiet den zweiten gebildet haben wird; die beiden anderen haben dann Armenien und die iranischen Lande bis nach Indien hin (vgl. Diod. XIV 22) umfaßt. Hinzu kommt für die frühere Zeit der ägyptische Bezirk unter seinem Satrapen. Außerdem scheint der Herrscher von Kilikien auch militärisch selbständig gewesen zu sein104. Im Heer des Xerxes wird das gesamte Fußvolk mit Ausschluß der Garde unter Hydarnes von sechs Generalen kommandiert (Herod. VII 82f.); ob dabei eine ähnliche Einteilung zugrunde lag, wissen wir nicht.

[70] Bei den Persern waren Fußvolk und Reiterei mit großen Bogen und Rohrpfeilen, Lanzen von etwa sechs Fuß Länge und kleinen, im Gürtel getragenen Dolchmessern bewaffnet. Wenn auch Darius rühmt, die persische Lanze sei weithin gedrungen, ist doch der Bogen die eigentliche nationale Waffe. Ihn trägt der König auf den Denkmälern und Münzen, wo er als Krieger dargestellt ist; die Wahrheit reden, Reiten und Bogenschießen lernt die persische Jugend. Dem Pfeilhagel, mit dem sie die Gegner überschütten, dem Ansturm und der energischen Verfolgung der Reiterei verdanken die Perser ihre Siege über die Lanzenreiter und das Fußvolk der Lyder wie über die babylonischen Heere, die zum Teil nur mit Lanzen und Nahwaffen bewaffnet waren und daher auch eherne Helme trugen. Der Kampf zwischen Persern und Griechen ist ein Kampf zwischen Bogen und Lanze. Die unkultivierten iranischen Stämme wie Paktyer, Utier, Myken, Parikanier führen nur Bogen und Dolch. Die Lanze der Perser und der seßhaften Iranier ist eine Neuerung; wenn wider Erwarten die Feinde durch den Pfeilregen nicht geworfen sind, dient sie zum letzten entscheidenden Stoß. Die persische Bewaffnung war medischen Ursprungs (Herod. VII 62); hier wird man also die Lanze zuerst von den Assyrern und den Völkern des Westens übernommen haben105. – Als Bogenschützen tragen die Perser [71] weder Helme noch Panzer und Beinschienen, sondern Hosen und lange faltige Leibröcke mit weiten Ärmeln und auf dem Kopf eine weiche Mütze (tiara). Ein Teil der persischen Truppen, namentlich die vornehmen Reiter, hat von den Ägyptern das wattierte, mit Metallschuppen besetzte Panzerhemd übernommen, das gegen Pfeile und Schleudersteine, aber nicht gegen den Stoß der Lanze schützte. Eine schwere Rüstung nach Art der griechischen Hopliten würde die für das Schützenkorps unentbehrliche Beweglichkeit und die Schnelligkeit des Angriffs gehemmt haben. Für den Nahkampf und die Verteidigung waren die Perser daher nur ungenügend gerüstet. Die einzige Schutzwaffe der Massen ist ein leichter viereckiger, mit Fell überzogener Schild (γέρρον), den das Fußvolk beim Schießen in Form eines Schildwalls vor sich aufpflanzt. Die meisten Völkerschaften des Ostens waren ähnlich bewaffnet wie die Perser; die Saken, nächst den Persern und Medern die zuverlässigsten Truppen (u. S. 104), charakterisiert durch ihre spitzen Mützen, führen neben dem Bogen Streitäxte (σάγαρις). Im Westen dagegen, in Babylonien, Syrien, Ägypten, Kleinasien, herrschen Lanze und Schwert vor; hier finden sich daher auch schwere Schutzwaffen, eherne Helme, große Metallschilde, zum Teil auch Metallpanzer106. Aber diesen Truppen haben die Perser offenbar nie recht getraut und ihre Kampfweise gering geschätzt, da sie ihren Bognern mit Leichtigkeit erlegen waren; so spielen sie im persischen Heer immer nur eine geringe Rolle107.

Die Perser haben für den Krieg große Völkermassen zusammengehäuft; [72] aber sie im Kampf zu verwerten haben sie wenig verstanden. Die Trennung der Reiter, Bogenschützen und Lanzenkämpfer in besondere Abteilungen wird bereits auf Kyaxares zurückgeführt (Herod. I 103); zu einer weiteren organischen Gliederung aber ist man nicht gelangt. Die Kontingente der einzelnen Völkerschaften und die persischen Korps wurden in der Schlacht in großen Vierecken aufgestellt; im Zentrum nimmt der König oder der Feldherr seinen Platz. Die Mehrzahl der Truppen kann daher nie zum Kampfe gelangen und nur durch ihre Masse wirken. In großen Ebenen sucht man die Feinde zu überflügeln und in Flanke und Rücken zu packen, in engerem Terrain wird die gewaltige Zahl eher hinderlich und hemmt die freie Entfaltung und Bewegung der Kerntruppen. Die Entscheidung wird durch die persische und sakische Reiterei und die Bogenschützen des Fußvolks gebracht. Zur Verstärkung des Angriffs stellt man Sichelwagen vor die Schlachtreihe, um die feindlichen Scharen in Verwirrung zu bringen und niederzumähen. – Eine besondere Truppengattung sind die namentlich aus Arabern gebildeten Kamelreiter, die Kyros im Kampf gegen Krösos mit Erfolg gegen die lydische Reiterei verwendet hat. – Endlich haben die Perser aus den Küstenvölkern, Ägyptern, Phönikern, Kilikern, Griechen, eine große Flotte gebildet, deren tüchtigstes Element die phönikischen Matrosen waren. Als Kämpfer auf den Schiffen wurden namentlich Perser und Saken verwendet.


Quelle:
Eduard Meyer: Geschichte des Altertums. Darmstadt 61965, Bd. 4/1, S. 63-73.
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