Blittersdorf

[568] Blittersdorf, Friedr. Landolin Karl, Freiherr von, geb. 1792 zu Mahlberg im Breisgau, trat 1813 in die diplomatische Laufbahn, wurde 1821 Bundestagsgesandter in Frankfurt und heirathete daselbst die reiche Tochter des Schöffen Brentano. 1835 wurde er Minister des großherzogl. Hauses und der auswärtigen Angelegenheiten; er bekämpfte den bad. Liberalismus, wählte aber ein sehr unglückliches Mittel, indem er den einen Staatsbeamten, die in die Deputirtenkammer gewählt wurden, Urlaub ertheilte, den anderen aber nicht; die ihn erhielten u. in der Kammer für die Regierungsanträge stimmten. galten nun bei dem Volke als willenlose Werkzeuge der Regierung, die von der Kammer ausgeschlossenen Beamten aber wurden der Volksmeinung zu Männern, deren Urtheil und Gewissenhaftigkeit die Regierung scheue und ihnen deßwegen mit der Kammer den Mund zu schließen für nothwendig finde. Dieser Streit erschütterte das Vertrauen des Volkes auf die Gewissenhaftigkeit der Regierung, erniedrigte die Deputirtenkammer, schadete der Achtung vor den Beamten, und alles dieses um so mehr, als B. sich auf seinem Posten nicht hielt und 1843 wieder als Gesandter nach Frankfurt ging. Das Jahr 1848 versetzte ihn unter die pensionirten Staatsdiener; er gab heraus: »Einiges aus der Mappe des Freiherrn von B.«, 1849 Frankfurt.

Quelle:
Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1854, Band 1, S. 568.
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