Ketzertaufe

[808] Ketzertaufe, die, ein Gegenstand von Streitigkeiten, die von Tertullian angeregt sich um die Fragen drehten: ist die von Ketzern ertheilte Taufe giltig? Müssen Ketzer, ehe und bevor sie wiederum in die Kirche aufgenommen werden sich wiederum taufen lassen, od. genügt das in der römischen Kirche übliche Auflegen der Hände? Tertullian, Clemens von Alexandrien u.a. verwarfen die K. u. in einem bedeutenden Theile Afrikas u. Kleinasiens kam die Sitte auf, Häretiker erst durch die Ertheilung der Taufe in die kirchliche Gemeinschaft aufzunehmen. Heftig entbrannte aber der Ketzertaufstreit, nachdem Cyprian 248 n. Chr. Bischof von Carthago geworden. Die Novatianer tauften nämlich alle zu ihnen übertretenden Katholiken von Neuem, dadurch veranlaßt fragten 18 Bischöfe in Karthago an, wie es künftig mit der Aufnahme von Häretikern zu halten sei, unter Cyprians Vorsitz und Leitung in Karthago 255 u. 256 abgehaltene Synoden entschieden sich gegen die Giltigkeit der K., Papst Stephan I. dagegen [808] entschied, die Taufe der Häretiker sei giltig, insofern sie unter Anrufung der 3 göttlichen Personen vollzogen worden sei u. drohte für den Fall des Ungehorsams mit Excommunication. Cyprian opponirte heftig auf Synoden und in Sendschreiben, übrigens ohne auf Zerreißung der Einheit mit Rom hinzuarbeiten; als er schon 258 den Märtyrtod erlitt, schlief allmälig der Streit ein, manche afrikan. und kleinasiat. Kirche bequemte sich zur Annahme der röm. Praxis. Erst 314 entschied die Synode von Arles den Streit und zwar im Sinne des Papstes Stephan I., das Concil von Nicäa von 325 aber fügte nachträglich bei, nur die Taufe der Paulianisten d.h. aller Gegner der heil. Dreifaltigkeit, sei zu verwerfen.

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Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1857, Band 5, S. 808-809.
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