Stahl [3]

[305] Stahl, Friedr. Julius, geb. 1802 zu München, Sohn jüdischer Eltern, wurde 1819 zu Erlangen Protestant, studierte die Rechte, war Professor in Erlangen und Würzburg, folgte 1840 einem Rufe nach Berlin, ist Geh. Justiz- und Oberconsistorialrath, seit 1848 mit Gerlach Führer jener Partei, welche Krone und Stände auf eine prot.-geheiligte Unterlage zu stützen trachtet, eine maßgebende constitutionelle Verfassung verwirft, Preußen zur protest. Macht stempeln, demselben das Patronat des Protestantismus auf dem Festlande übertragen u. es in principiellen Gegensatz zu Oesterreich stellen will. S. ist ein sehr gewandter Dialectiker, überzeugt aber nicht, hat die Haltung eines übermüthigen sophistischen Professors, nicht die eines patriotischen u. entschlossenen Staatsmannes. In seinem neuesten Streite mit Bunsen weist er zwar ganz gut nach, daß dessen Grundsätze zur kirchlichen u. politischen Anarchie führen müssen, ist aber um so weniger im Stande, in seinem eigenen Protestantismus für Kirche u. Staat eine Gehorsam gebietende Autorität aufzufinden und darzustellen. Hauptwerke: »Philosophie des Rechts nach geschichtlicher Ansicht« 2 Bde., Heidelb. 1830–37, 3. Aufl. 1854; »Kirchenverfassung nach Lehre und Recht der Protestanten« Erlangen 1840.

Quelle:
Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1857, Band 5, S. 305.
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