Epiktētos

[865] Epiktētos, stoischer Philosoph, geb. um 50 n. Chr. zu Hierapolis in Phrygien, kam als Sklave des Epaphroditos, des Günstlings, Neros, nach Rom, erlangte hier wegen seines wissenschaftlichen Sinnes die Freiheit, mußte 94 auf Befehl des Domitian mit allen Philosophen Italien verlassen und begab sich nach Nikopolis in Epirus, wo er mit großem Beifall, wie auch schon in Rom, als Lehrer auftrat und wahrscheinlich auch starb. E. selbst hat nichts Schriftliches hinterlassen, aber sein Schüler Arrianos hat seine Philosophie in zwei besondern Schriften dargestellt, in dem »Encheiridion«, einer Art von moralischem Katechismus (deutsch von Conz, Stuttg. 1864), und in acht Büchern »Philosophische Gespräche«, von denen uns noch vier erhalten sind (deutsch von Schulz, Altona 1801–1803, 2 Bde., und von Enk, Wien 1866). Der Hauptgrundsatz seiner Ethik war: »Dulde und enthalte dich«, indem es ihm besonders auf die Unterscheidung zwischen dem, was in unsrer Gewalt, und dem, was nicht in unsrer Gewalt ist, ankam. Seine Werke wurden von Schweighäuser herausgegeben (»Epicteteae philosophiae monumenta«, Leipz. 1799 bis 1800, 5 Bde.), zuletzt von Schenkl (Leipz. 1894; kleine Ausg., das. 1898). Vgl. Bonhöffer, E. und die Stoa (Stuttg. 1890); Derselbe, Die Ethik des Stoikers E. (das. 1894); Colardeau, Étude sur Epictète (Par. 1903).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 5. Leipzig 1906, S. 865.
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