Freisinnige Vereinigung

[76] Freisinnige Vereinigung, Fraktion im Reichstag und im preußischen Abgeordnetenhaus, bildete sich nach der Spaltung der Deutschen freisinnigen Partei (s.d., Bd. 4, S. 690) im Mai 1893, weil sie im Gegensatz zu Richters Freisinniger Volkspartei einer Verständigung mit der Regierung in der Militärfrage geneigt war. Im Volksmund heißen die Mitglieder der Freisinnigen Vereinigung deshalb »Wadenstrümpfler«, die der Freisinnigen Volkspartei dagegen »Wasserstiefter«. Ihr gehörten Bamberger, Rickert, Barth, Mommsen u. a. an. Bei den Reichstagswahlen im Juni 1893 und 1898 erhielt die Fraktion beidemal 12, bei den preußischen Landtagswahlen im Oktober 1898 (statt der bisherigen 6 vom November 1893) 10, bei denen im November 1903: 8 Sitze. Im Juni 1903[76] kannte sie bei den Reichstagswahlen (s. die Karte »Reichstagswahlen«) nur 9 Plätze belegen; doch gewann sie durch die Ende Juli vollzogene Verschmelzung mit den Nationalsozialen einen weitern Sitz.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 7. Leipzig 1907, S. 76-77.
Lizenz:
Faksimiles:
76 | 77
Kategorien: