Jenissei-Ostjaken

[225] Jenissei-Ostjaken, die letzten Reste des zu den Hyperboreern gehörigen Volksstammes der Jenisseier in Sibirien, der in den ersten Jahrhunderten unsrer Zeitrechnung das Flußgebiet des obern Jenissei, die nördliche Mongolei und die nordöstlichen Teile des Altai bewohnte, später aber von türkischen und finnischen Stämmen nach N. gedrängt wurde. Sie gingen in den sie umgebenden türkischen Völkern allmählich auf, erhalten haben sich nur die J. am Jenissei und seinen Nebenflüssen, zwischen Jenisseisk und Turuchansk,[225] etwa 1000 Köpfe stark; sie zerfallen in die südlichern symschen und die nördlichern imbazkischen Ostjaken, haben aber mit dem sonst Ostjaken genannten Volk wenig gemein; ihre Gesichtszüge tragen ein mehr türkisches als mongolisches Gepräge. Ihre Beschäftigungen sind Fischfang, Jagd auf Pelztiere und Renntierzucht. Zu ihnen gehören auch die 1863 bis auf zwei Individuen ausgestorbenen Kotten am Agul, einem Nebenfluß des in den Jenissei mündenden Kan. Die Sprache der J. bildet mit der der eben genannten Kotten eine isolierte Sprachfamilie, die sich namentlich durch den Gebrauch von Präfixen und Infixen und die radikale Verschiedenheit der Zahlwörter, denen das Quinar- (Fünfer-) System zugrunde liegt, von der uralaltaischen scharf unterscheidet. Vgl. Castrén, Versuch einer jenissei-ostjakischen und kottischen Sprachlehre (Petersb. 1858).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 10. Leipzig 1907, S. 225-226.
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