Lerberghe

[433] Lerberghe, Charles van, belg. Dichter, geb. 21. Okt. 1861 in Gent als Sohn eines vornehmen Kunstsammlers, verlor frühzeitig die Eltern und wurde bei den Jesuiten von Gent Mitschüler Maeterlincks; er lebt, völlig zurückgezogen, in Bouillon. Bei einem Wettbewerb aller belgischen Schulen für einen Hymnus auf die unbefleckte Empfängnis gewann L. den Preis, verlor aber nach dem Verlassen der Schule den kirchlichen Geist und ließ namentlich die englischen Dichter und den Symbolisten Mallarmé auf sich wirken. Seine ersten Verse erschienen 1886–87 in »La Pléïade« und in »Le Parnasse de la Jeune Belgique«. Lerberghes kleines symbolistisches Drama in Prosa: »Les Flaireurs« (Lüttich 1889, Brüssel 1891, Paris 1899), eine Schilderung der Todesahnung, gab Maeterlinck Form und Stimmung für sein Erstlingsdrama »L'Intruse«. »Entrevisions« (Brüssel 1898, Par. 1899) nannte L. mit kühnem Neologismus seine ungemein zarten lyrischen Gedichte. Sein Hauptwerk ist die in freien Versen geschriebene episch-lyrische »Chanson d'Eve« (Par. 1904), worin zwar Adam fehlt, aber die Versuchung ihr Recht behält. L. nannte einmal die Eva Miltons eine Köchin, und das erklärt den seraphischen Charakter seiner eignen Eva. Außerdem schrieb L. die Komödie in Prosa »Pan« (Par. 1905), »Aventures du prince de Cynthie et de son serviteur Saturne« (das. 1906) und, als Frucht einer italienischen Reise, »Rome mystique et païenne« (das. 1906). Vgl. Mockel, Charles van L. (Par. 1904); die L. gewidmete Spezialnummer der Zeitschrift »La Roulotte« (Brüssel 1905); O. Hanser, Die belgische Lyrik von 1880–1900 (Leipz. 1902; darin auch Übersetzung von Gedichten Lerberghes)

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 12. Leipzig 1908, S. 433.
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