Marutse-Mambunda

[374] Marutse-Mambunda (Mabunda), Bantureich im mittlern Südafrika (s. Karte »Äquatorialafrika«), fast ganz Nordwest-Rhodesia erfüllend, begrenzt von Deutsch-Südwestafrika, Angola, dem Kongostaat und Kafuefluß, ungefähr 344,000 qkm (nach amtlicher, aber unwahrscheinlicher Schätzung 699,000 qkm) mit etwa 350,000 Einw. Der Sambesi, im W. große Sümpfe bildend, durchzieht es in großem Bogen; ihm strömen links aus dem gebirgigen südlichen Teil des Landes zahlreiche Flüsse zu, deren bedeutendster der Kafue ist; das übrige Gebiet ist eben und fast baumlos, die Hitze groß (bis 43° im Schatten). Am Sambesi findet sich üppige Vegetation (fette Weiden mit großen Rinderherden) und reiche, mannigfache Tierwelt, wie im engsten Sinne nur an dessen meridionalem Laufe das M.-Reich besteht. Die Bevölkerung besteht aus zwei ungleichen Elementen, den herrschenden Marutse (besser Barotse) und den beherrschten Mambunda (im NW. und N.); dazu treten noch viele andre Stämme. Im ganzen sollen es 18 größere und 83 Nebenstämme sein. Der Tribut der letztern besteht besonders in Elefantenzähnen, die Steuern der Untertanen in Feld- und Waldfrüchten, Vieh, Fleisch, Fellen etc. Die M. sind geschickte Arbeiter in Flecht-, Tonwaren, Hüttenbauten u. a. Sie lieben die Musik (Kischitanz). Elfenbein und Honig sind Krongut; ihr Verkauf wird mit dem Tode bestraft. Auch der König besitzt große Ländereien und ist gesetzmäßig der alleinige Kaufmann seines Landes. Die despotische Regierung wird mit großem Zeremoniell von Zauberei und Aberglauben aufrecht erhalten. Ackerbau ist Hauptbeschäftigung, Viehzucht wegen der Tsetsefliege meist unmöglich. Jetziger Herrscher ist Lewanika, Nachfolger Sepopos, herrschende Sprache das Sefuto (Basuto-Betschuanensprache). Hauptort ist Lialui (3000 Einw.); Nalolo hat 1500. Vgl. Holub, Eine Kulturskizze des M.-Reichs (Wien 1879); Depelchin, Trois aus dans l'Afrique australe (Brüssel 1882); A. Bertrand, Au pays des Ba-Rotsi, Haut Zambèze (Par. 1898); Gibbons, Africa from South to North through Marotseland (Lond. 1904, 2 Bde.); Harding, In remotest Barotseland (das. 1905).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 13. Leipzig 1908, S. 374.
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