Pillendreher

[877] Pillendreher, Gruppe der Blatthornkäfer (Lamellicornia), drehen aus Mist Kugeln (Pillen), die sie in die Erde vergraben und dort verzehren. In 0,1 m tiefen Höhlen formen sie birnförmige Brutkugeln aus Mist, in deren Spitze sie ein Ei legen. Die Larve nährt sich von der Kugel, ohne die Oberflächenschicht zu verletzen. Zur Gattung Ateuchus Weber gehören große, schwarz oder dunkel metallisch gefärbte Käfer der wärmern Zone der Alten Welt, mit breitem, flachem Körper, halbkreisförmigem Kopf mit tief sechszähnigem Vorderrand, abgestutzten Flügeldecken, fingerförmig gezahnten Schienen an den tarsenlosen Vorderbeinen und mit verlängerten Hinterbeinen mit schlanken Schienen und seinen Tarsen, die Hinterschienen mit einzelnem Enddorn. Der heilige Pillenkäfer (Ateuchus sacer L., s. Tafel »Käfer I«, Fig. 29), 2,5–3 cm lang, schwarz, wenig glänzend, an Kopf, Thorax und Beinen schwarz gefranst, auf den Flügeldecken mit schwachen Längsrippen, lebt in Südeuropa und Nordafrika. Die Larve ist dem Engerling ähnlich, auf dem Rücken grau gefleckt und entwickelt sich in mehreren Monaten. Der Käfer erscheint im nächsten Jahr. Er wurde von den alten Ägyptern als Symbol des Weltschöpfers und Weltbewegers heilig gehalten, weil sie annahmen, daß er seine Brutkugel unablässig von Osten nach Westen rolle, bis die Brut auskäme. Nachbildungen in kolossalem Maßstab aus Stein gehauen (Skarabäen, s. d.) wurden in den Tempeln aufgestellt.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 15. Leipzig 1908, S. 877.
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