Fett und Öl liefernde Pflanzen

›Fett und Öl liefernde Pflanzen‹.

Fig. 1. Arachis hypogaea L. (Erdnuß, Erdmandel, Erdeichel, Erdbohne, Erdpistazie, Mandubibohne), ein einjähriges, bis 50 cm hohes, krautartiges Gewächs aus der Familie der Leguminosen, mit kantigem, behaartem Stengel, paarig gefiederten Blättern, zweijochigen Blättchen und zwei- bis dreiblütigen Ähren. Die Blütenährenspindel, die während der Blüte kaum entwickelt ist, streckt sich nach dem Abblühen zu einem 5–15 cm langen, an seinem Ende den Fruchtknoten tragenden Stiel, der sich bald umbiegt und in die Erde eindringt, wo dann die Früchte reifen. In Indien wurde beobachtet, daß die Pflanze während der Blüte eine große Menge roter Ameisen anlockt, die den Boden lockern und dadurch das Eindringen des Fruchtknotens erleichtern. Die Frucht ist eine ein- bis drei-, meist zweisamige Hülse mit einem charakteristischen Netz von Längs- und Querrippen auf der kräftigen Fruchtschale. Sie ist in der Regel zwischen den Samen etwas eingeschnürt und springt nicht auf. Die Samen besitzen eine dünne, rötlichbraune Samenschale und große, ölreiche Keimblätter. Die Erdnuß ist wohl brasilischen Ursprungs, aber im wilden Zustand nicht bekannt; wahrscheinlich ist sie eine uralte Kulturform der brasilischen A. prostrata Benth. Man unterscheidet zwei Formen, eine aufrechte, etwas mehr behaarte (A. asiatica Lour.) und eine niederliegende weniger behaarte (A. africana Lour.). Gegenwärtig ist die Kultur der Erdnuß überall in den Tropen, auch in außertropischen Ländern (Italien, Frankreich, Spanien) weit verbreitet. Sie ist aber eine echte Tropenpflanze und gedeiht daher in den Tropen weitaus am besten. Man sät sie dort kurz vor oder bei Beginn der Regenzeit und erntet am Ende der darauffolgenden Trockenperiode, wenn sämtliche Blätter abgestorben sind, indem man den Boden mit der Hacke lockert. Die Pflanze bedarf des Kalkes und bringt bei Mangel an Kalk ihre Früchte kaum zur Reife. Die Samen besitzen durch ihren hohen Gehalt an Eiweißstoffen, Kohlehydraten und Fett einen großen Nährwert und werden in den Tropen teils roh, teils in gekochtem Zustand gegessen. In neuerer Zeit werden die Samen zur Gewinnung von fettem Öl (s. Erdnußöl), wovon sie 30–55 Proz. enthalten, in großen Mengen auch nach Europa gebracht, nach Marseille allein jährlich 70–80 Mill. kg. Die Preßkuchen werden wie andre Ölkuchen in der Landwirtschaft benutzt (s. Ölkuchen), finden aber auch für die Ernährung des Menschen mannigfache Verwendung (s. Erdnußmehl).

Fig. 2. Sesamum indicum DG. (Sesam), eine einjährige, krautartige, aufrechte Pflanze aus der Familie der Pedaliazeen, mit kurzgestielten, ungeteilten, ganzrandigen oder gezahnten, an der Basis gegenständigen, am Stengel abwechselnden Blättern, einzeln in den Blattachseln stehenden röhrenförmigen Blüten und länglichen, stumpf vierkantigen Kapseln, die von oben nach unten aufspringen und in jedem Fach eine Anzahl Samen tragen. Die Samen sind glatt, etwa 3 mm lang und 1,5 mm breit, beiderseits abgeplattet, braun, braunschwarz oder sandfarbig. Die vieltausendjährige, schon im Papyrus Ebers erwähnte und den Völkern des klassischen Altertums wohlbekannte Kultur dieser höchst wertvollen Ölpflanze hat zur Bildung zahlloser Abarten und Rassen geführt, die sich hauptsächlich durch die Form des Blattrandes und die Farbe der Samen unterscheiden (Linné unterschied hellsamiges S. indicum und dunkelsamiges S. Orientale). In Indien baut man weißsamigen, rotsamigen und schwarzsamigen Sesam. Ersterer liefert das feinste, letzterer das meiste Öl, muß aber vor dem Pressen mit Wasser gekocht werden, um den größten Teil des Farbstoffes zu entfernen, weil das Öl sonst dunkelfarbig und weniger brauchbar wird. Gegenwärtig kommt auch Same von dem afrikanischen S. radiatum Schum. et Thonn. in den Handel, teils für sich, teils der gewöhnlichen Ware beigemischt. Das Vaterland des Sesam ist nicht bekannt, nach A. De Candolle stammt er von den Sundainseln und ist vor 2000 oder 3000 Jahren nach Indien und in die Euphratregion eingeführt worden, von wo er nach Ägypten kam. Watt hält Behar und das nordwestliche Himalajagebiet für die Heimat des Sesam, Ascher-son nimmt Afrika als diese an, und in der Tat gehören von den zwölf Arten der Gattung Sesamum zehn diesem Erdteil an. Gegenwärtig wird Sesam im ganzen Tropengürtel, in China und Japan und in den Mittelmeerländern (Griechenland, Vorderasien, Ägypten, Algerien) angebaut. Am ausgedehntesten ist die Kultur in Indien und auf Java. Die Samen in Form von Mehl, das daraus gewonnene fette Öl und selbst die Ölkuchen bilden die tägliche Nahrung für die große Mehrzahl der indischen Bevölkerung. Auch Hinterindien, besonders Tongking und Siam, produzieren gewaltige Mengen, nicht minder China und Japan, wo aber der eigne Bedarf so groß ist, daß nur eine belanglose Ausfuhr stattfindet. Palästina baut den feinsten Sesam, hier wie in Ägypten ist er mehr Brot- als Ölfrucht, dient zur Bereitung täglicher Gerichte und zum Würzen von Gebäck, wie bei uns Kümmel und Mohn. In Südamerika bauen Brasilien und Venezuela Sesam, in letzterm Lande heißt er Ajonjoli und dient auch zur Bereitung eines Getränkes. In den Südstaaten Nordamerikas, auf einzelnen westindischen Inseln, namentlich aber in den französischen Kolonien der Westküste Afrikas, im Togogebiet, in Sansibar und Mosambik ist der Sesambau im Aufschwung begriffen. Die Kultur ist sehr einfach, der Ölgehalt der Samen beträgt bis 56,75 Proz. Das meiste Sesamöl wird in Europa aus ostindischen Samen in Marseille gepreßt.

Fig. 3. Copernicia cerifera Mart. (Karnaubapalme), ein 6–12 m hoher Baum mit kugelrunder Krone und blaugrün bereiften Blättern, wächst einzeln oder ausgedehnte Waldungen bildend auf feuchtgründigem Boden der brasilischen Provinzen Pernambuco, Rio Grande und Ceara. Das Holz ist sehr dauerhaft und wird als Nutzholz verwendet; die Blätter dienen als Dachstroh, zu Packsätteln, Hüten etc., die Jüngern, die Viehfutter verwertet werden können, liefern ein gelbes Wachs, das beide Blattflächen bedeckt und sich beim Schütteln der Blätter an der Oberseite derselben in feinen Schüppchen ablöst. Auf der Unterseite der Blätter ist die Wachsschicht dünner, sitzt fester und kann nur durch Abschaben gewonnen werden. Man trocknet die Blätter und klopft sie dann so lange mit einem Stock, bis sie völlig wachsfrei geworden sind. Das erhaltene grauweiße Pulver wird über freiem Feuer geschmolzen. Nach einer andern Methode taucht man die Blätter in heißes Wasser und sammelt das auf der Oberfläche sich abscheidende Wachs. Es wird als Karnauba- oder Cereawachs nach Europa gebracht und zu Kerzen, Firnissen, zum Glänzendmachen des Sohlleders etc. benutzt. Die Faser verarbeitet man zu Tauen, Matten, die bittere Frucht wird roh undgekocht von den Indianern gegessen, und aus dem Mark des Stammes gewinnt man Mehl.

Fig. 4. Ceroxylon andicola H. et B. (Andenpalme, Wachspalme), eine Palme mit geringeltem, bis 70 m hohem Stamm von mehr als 30 cm Durchmesser, der in der halben Höhe anschwillt, weiter oben aber wieder zu der untern Stärke schwindet und vollständig in 6 mm starker Schicht mit einem weißen Wachs bedeckt ist, das ihm ein marmorartiges Ansehen verleiht. Die gefiederten Blätter werden 8 m lang und sind oben dunkelgrün, unten silberweiß. Die Palme wächst auf den Anden Südamerikas in Columbia, Ecuador, Neugranada in einer Höhe von 2000–3000 m. Man gewinnt das Wachs, das einen namhaften Handelsartikel bildet, durch Abschaben der gefällten Stämme u. erhält von jedem ca. 12 kg; es liefert, mit Talg zusammengeschmolzen, eine gute Kerzenmasse. Das Holz ist sehr dauerhaft und besonders als Bauholz geschätzt; mit den Blättern deckt man Dächer.

Fig. 5. Cocos nucifera L. (Kokospalme), ein bis 30 m hoher Baum mit schlankem, etwas gebogenem, ungleichmäßig geringeltem Stamm, 10–12 nach allen Seiten hin ausgebreiteten, gefiederten Blättern von 4–6 m Länge, deren Stiele am Grunde von einem zähen, braunen Geflecht umgeben sind, und 1 m langer Blütenscheide. Der Baum trägt vom 8. Jahr an fast das ganze Jahr hindurch an jedem Kolben 10–30 Früchte, unter günstigen Umständen 150 und mehr. Sie erreichen die Größe eines Menschenkopfes und sind von melonenähnlicher, undeutlich dreikantiger Gestalt. Unter der anfangs gelben, dann sich bräunenden Oberhaut liegt eine dicke Bastschicht, die den Steinkern umhüllt. Die Schale des letztern ist braun und beinhart. Sie enthält anfangs einen milchig-flüssigen Saft (Kokosmilch), der sich mit der Reife zu einem festen weißen Kern verdickt. Der Baum wächst sehr schnell und erreicht ein Alter von 90–100 Jahren. Seine wehende Blätterkrone bildet einen der schönsten und charakteristischsten Züge tropischer Landschaftsbilder. In seiner Vollkraft ist er vom 20.–60. Jahr. Die unreifen Kokosnüsse geben in der erwähnten Milch ein sehr erfrischendes, süß und etwas zusammenziehend schmeckendes Getränk, das gegoren Branntwein liefert und auf Ceylon wegen seiner bindenden Kraft auch zum Tünchen benutzt wird; die reifern Nüsse enthalten einen anfangs sehr zarten, haselnußartig schmeckenden, nahrhaften Kern, der in vielerlei Zubereitungen genossen wird. Die reife Nuß dient zur Gewinnung des Kokosöls (s.d.), das auch in Europa aus den eingeführten Kernen (Koperah, Kopra, s.d.) bereitet wird. Die Preßkuchen sind ein wertvolles Viehfutter. Auf manchen Inseln des Stillen Ozeans parfümiert man das Öl mit Sandelholz und benutzt es als wohlriechende Hautsalbe.

Fig. 6. Elaeis guineensis L. (Ölpalme), eine 6–9 m hohe Palme mit tief geringeltem Stamm, der im obern Teil meist noch mit den Resten abgestorbener Blattstiele bedeckt ist, 3–5 m langen, gefiederten Blättern und 60 cm langen Fruchtständen, die einen Umfang von 60–90 cm erreichen und oft 600–800 Früchte enthalten. Die einzelnen Früchte besitzen die Größe einer Walnuß und sind gelblichrot gefleckt. Die Ölpalme bewohnt das äquatoriale Westafrika rings um den Busen von Guinea und weit hinein in das feuchtheiße Innere des Kontinents, sie wächst aber auch scheinbar wild an der Mündung des Amazonas in Guayana (ob verwildert?) und wird auch in Westindien kultiviert. Aus dem Fruchtfleisch gewinnt man in Westafrika das Palmöl, die Steinkerne werden nach Europa ausgeführt und hier zur Ölgewinnung gepreßt. Die Preßrückstände (Palmkuchen) dienen als Viehfutter. Der Handel mit diesem Öl ist seit Unterdrückung des Sklavenhandels in Westafrika zu großer Bedeutung gelangt. Die Neger gewinnen aus dem Saft der Palme Palmwein. Bei uns wird die Palme als Zierpflanze im Warmhaus kultiviert.

Fig. 7. Olea europaea L. (Ölbaum), ein 6–10 m hoher Baum aus der Familie der Oleazeen, mit stark verästelter, immergrüner Krone, grüngrauer, glatter, im Alter rissiger Rinde, weißgrauen Ästchen, sehr kurz gestielten, lanzettlichen oder elliptischen, oberseits graugrünen, zerstreut schelferigen, unterseits dicht schelferigen und daher silberweißen, grauen, goldfarbenen oder selbst rostbraunen Blättern, achselständigen, schelferigen Blütentrauben, kleinen weißen Blüten, rundlich-länglicher, schwarzer, in der Kultur kugelrunder, umgekehrt-eirunder oder ovaler, grüner, weißlicher, rötlicher, blauer oder schwarzer Steinfrucht (Olive) von 2,5–4 cm Länge, mit grünlichweißem, ölreichem Fleisch und keulenförmiger, knochenharter, einfächeriger, einsamiger Steinschale. Der Ölbaum stammt aus dem Orient, wächst wild an der Ostküste Afrikas unter 22° nördl. Br., findet sich jetzt verwildert als ›wilder Ölbaum‹ (Oleaster) mit dornigen, mehr oder weniger vierkantigen Zweigen, länglichen oder eiförmigen Blättern und kleinern Früchten in den Mittelmeerländern, oft bestandbildend, besonders in Griechenland, und wird im ganzen Mittelmeergebiet, in der Krim, auch in Mexiko, Kalifornien, Chile und Peru, wohin ihn schon 1560 Antonio Ribero brachte, in etwa 40 Varietäten kultiviert, die aber leicht in die Urform zurückschlagen. Der Ölbaum gedeiht auch in Südcarolina, Florida, auf den Bermudas, Jamaika, im Kapland, bei Sydney. Er ist der vorzüglichste Repräsentant der immergrünen Region und steigt in der Sierra Nevada bis 950 m, bei Nizza bis 750 m, am Ätna bis 690 m. Er erreicht ein sehr hohes Alter (1000 Jahre), leidet aber leicht durch Frost in kalten Wintern, wodurch nicht nur die Ernte einzelner Jahre, sondern der Bestand ganzer Plantagen bedroht ist. Man pflanzt ihn durch Samen, Stecklinge, Wurzelauswüchse und Wildlinge, die wie die Sämlinge veredelt werden müssen, fort. Die Früchte werden gegossen und liefern das Olivenöl, das Holz wird zu Möbeln, Stöcken etc. benutzt.

Fig. 8. Sapium sebiferum Roxb. (Chinesischer Talgbaum), ein kahler Baum aus der Familie der Euphorbiazeen, mit abwechselnden, gestielten, zugespitzten, ganzrandigen Blättern, zweigeschlechtlichen Blütenähren und anfangs beerenförmigen, später trocknen, etwa haselnußgroßen Kapseln, die drei eiförmige, von einer harten, weißen Talgschicht bedeckte Samen enthalten, deren Endosperm ebenfalls fetthaltig ist. Der Talgbaum ist in China und Japan heimisch und wird dort seit alter Zeit kultiviert. Er wurde aber auch nach Ostindien und allen wärmern Ländern beider Erdhälften verpflanzt und gedeiht vielfach sehr gut. Die reifen, im November und Dezember gesammelten Samen werden in große, mit Löchern versehene Holzzylinder gebracht und mit heißem Wasserdampf behandelt, wobei das Fett völlig abfließt, das nach dem Erstarren noch einmal geschmolzen und filtriert wird. Die zurückgebliebenen Samen werden in Steinmörsern zerkleinert, mit Wasser erhitzt und gepreßt, wobei ein flüssiges Fett (Ting-yu der Chinesen) erhalten wird, das man zur Firnisfabrikation und als Brennöl benutzt. Nach einer ändern Methode werden die Samen mit der Talgschicht zerkleinert, die Masse mit Wasserdämpfen erhitzt und gepreßt. Die erstarrte Masse wird abermals geschmolzen und durch Stroh geseiht.


Fett und Öl liefernde Pflanzen.
Fett und Öl liefernde Pflanzen.
Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 6. Leipzig 1906.
Lizenz:

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