Gerbmaterialien liefernde Pflanzen

›Gerbmaterialien liefernde Pflanzen‹.

Fig. 1. Quercus Vallonea Kotschy (Knopperneiche), ein mäßig hoher, sommergrüner Baum aus der Familie der Fagazeen, mit ausgebreiteter, abgerundeter Krone, langgestielten, lederartigen, eiförmigen oder eiförmig-länglichen, am Grunde mehr oder weniger herzförmigen, tief spitzbuchtigen oder fiederig geschlitzten, beiderseits fünf- bis siebenlappigen, unterseits gelbfilzigen Blättern, reichbehaartem männlichen und kurzgestieltem weiblichen Blütenstand. Die Früchte stehen einzeln oder paarweise am vorjährigen Holz, sie gleichen unsern heimischen Eicheln, sind aber größer und dickschalig. Die Fruchtbecher besitzen zahlreiche braune, filzhaarige, breite, kantige, aufwärts stehende Schuppen mit eingebogenen Spitzen. Der Baum wächst in Kleinasien, im kilikischen Taurus bis westlich nach Karien. Er liefert in den Fruchtbechern die kleinasiatische oder Smyrna-Vallonea, die im größten Durchmesser 3,5–6,25 cm mißt und 20–35 Proz. Gerbsäure enthält.

Fig. 2. Rhus coriaria L. (Gerbersumach, echter Essigbaum), ein 5–6 m hoher Baum aus der Familie der Anakardiazeen, mit schmal geflügeltem Blattstiel, fünf- bis siebenjochig, unpaarig gefiederten, beiderseits kurz und zerstreut behaarten Blättern, länglichen, gesägten Blättchen, grünlichen, unscheinbaren Blüten in dichten Rispen am Ende der Zweige und roten Steinfrüchten. Der Strauch ist in den Mittelmeerländern und in Makaronesien heimisch, wird der Blätter halber kultiviert, die eins der wichtigsten Materialien zum Gerben und Schwarzfärben, den Sumach (Schmack), liefern und auch arzneilich und zum Aromatisieren des Tabaks benutzt werden. Man kultiviert den Strauch in Italien, Sizilien, Spanien, Portugal, Frankreich und Griechenland und schneidet jährlich die beblätterten Schößlinge ab, so daß der Strauch nur etwa 1,5 m hoch wird. Die Früchte dienen im Orient, um Essig sauer zu machen, und als Gewürz an Speisen. Bei uns wird der Gerbersumach auch als Zierstrauch angepflanzt.

Fig. 3. Quercus Prinus L. (Kastanieneiche), ein 30 m hoher Baum mit langgestielten, aus keilförmigem Grunde länglich verkehrt-eiförmigen bis länglichen, stumpfen bis kaum zugespitzten Blättern mit jederseits 4–16 Läppchen, zu 1–2 auf 8–12 mm langen Stielen stehenden Bechern mit eiförmigen, anliegenden Schuppen und zu zwei Drittel vorragenden Eicheln. Die Kastanieneiche wächst in den mittlern und südlichen Vereinigten Staaten und tritt in Varietäten auf, von denen die White Chestnutoak (Q. Primis var. acuminata) und die Rock Chestnutoak (Q. Prinus var. monticola) zu erwähnen sind. Die Kastanieneichenrinde ist ein wichtiges Gerbmaterial in Nordamerika. Man gewinnt die Rinde von alten wild gewachsenen Stämmen, sie ist meist 2–3 cm dick, dabei aber in der Regel noch glatt und borkearm. Sie enthält bis 16 Proz. Gerbsäure, man bereitet daraus ein Extrakt mit über 30 Proz. gut löslichem Gerbstoff.

Fig. 4. Tsuga canadensis Carr. (Kanadische Hemlock- oder Schierlingstanne), ein 25–30 m hoher Baum aus der Familie der Koniferen, mit schlankem Stamm, pyramidaler Krone, an den Spitzen überhängenden Zweigen, dicht stehenden, fast zweizeiligen, kurzen, flachen, stumpfen, 10–15 mm langen, 1,5 mm breiten, glänzend grünen, auf der Unterseite weißlich gestreiften Blättern, kleinen, fast kugeligen, männlichen Blüten, an kurzen Zweigen einzeln hängenden, eirunden oder eirund-länglichen, 17–25 mm langen, 12–15 mm breiten, nach dem Samenausfall oft mehrere Jahre am Baum hängen bleibenden Zapfen. Der Baum wächst im kältern Nordamerika, zumal im Osten von der Hudsonbai bis Nordcarolina, südlich bis in die Nähe des Alleghanygebirges. Er gehört dem Grenzgebiet der Laub- und Tannenwaldregion an und gedeiht selbst in nassen kalten Sümpfen. Das Holz ist etwa von der Güte des Tannenholzes, die Rinde wird als billiges Gerbmaterial sehr viel angewendet. Man beutet in den Vereinigten Staaten etwa 4 Mill. Hektar Wald zur Gewinnung der Rinde aus. Die Hemlocktanne kam 1736 durch Collinson nach Europa und wird als eine der schönsten Koniferen in mehreren Varietäten angepflanzt. Die Rinde ist rotbraun und erteilt wie das daraus gewonnene Extrakt (Hemlockextrakt, Millers Tannin) dem Leder eine wenig beliebte Farbe und große Brüchigkeit. Bei der Gewinnung wird die Rinde meist nur teilweise von der Borke befreit, so daß sie manchmal noch eine 1–2 cm dicke Borkenschicht besitzt. Die oft in vielen Lagen übereinander stehenden Borkenschuppen sind durch rote Korklamellen voneinander getrennt. Die Borke ist in der Regel reicher an Gerbsäure als das kaum 5 mm dicke Fleisch. Eine Rinde, die durchschnittlich 10,1 Proz. Gerbsäure enthielt, zeigte im Fleisch 7,7, in der Borke 11,3 Proz.

Fig. 5. Terminalia Chebula Retz (Myrobalanenbaum), ein regengrüner, vielgestaltiger Baum aus der Familie der Kombretazeen, mit gegenständigen, großen, einfachen Blättern und kleinen Blüten und Ähren, die rispenförmig angeordnet sind. Der Baum wächst in den regengrünen Wäldern von ganz Vorderindien, nördlich bis zum Himalaja, auch auf Ceylon, in ganz Hinterindien und im Indischen Archipel. Die Früchte, die als Myrobalanen im Handel sind und in zwei Sorten, als kleine oder Madras- und als große oder Bombay-Myrobalanen, auftreten, sind im allgemeinen länglich birnförmig, meist nach beiden Enden verschmälert, an der untern Hälfte häufig stielartig verlängert und mit einem runden, vertieften Fruchtstielansatz versehen, mehr oder weniger fünfkantig, stumpf gerippt, grünlichgelb oder gelbbraun oder rötlichbraun bis schwarzbraun und stärker gerunzelt. Die äußere Schicht des Perikarps ist grünlich bis schwarzbraun, 3–5 mm dick, leicht zu schneiden und zu zerbröckeln, die innere (Endokarp) ist bis 7 mm dick, beinhart, gelb, außen höckerig und gefurcht. Der Same besitzt eine dünne, gelbbräunliche Samenhaut. Man benutzt die Myrobalanen zum Gerben und Schwarzfärben, sie enthalten 32–45 Proz. Gerbsäure.

Fig. 6. Schinopsis Lorentzii Engl. (Quebracho), ein Baum aus der Familie der Anakardiazeen, mit schmal geflügelten Blattstielen, unpaarig gefiederten, 10–15 jochigen, fast lederartigen, oberseits kahlen Blättern, lanzettlichen Blättchen, kleinen Blüten in zusammengesetzter Rispe und geflügelter, länglicher, beilförmiger Frucht, wächst häufig in den Wäldern Argentiniens. Das Kernholz bildet das rote Quebrachoholz, das aber auch von andern südamerikanischen Schinopsis-Arten, hauptsächlich auch von S. Balansae Engl. in den Uferwäldern Paraguays, geliefert wird. Das Holz ist fleischrot, zerstreutporig, dunkelt an der Luft nach, zeigt im Querschnitt zahlreiche, gleichmäßig verteilte, helle Pünktchen und miteinander abwechselnde helle und dunkle Querzonen, im Längsschnitt feine Längsstreifen. Es ist sehr hart, vom spez. Gew. 1,11–1,13, auf der Spaltfläche uneben, zackig und enthält bis 20 Proz. Gerbsäure. Man zerkleinert es auf kräftigen Maschinen und verarbeitet es auf gerbstoffreiche Extrakte.

Fig. 7. Acacia penninervis Sieber, ein bis 12 m hoher Baum aus der Familie der Leguminosen, mit länglichen oder lanzettlich-sichelförmigen, mehr oder weniger zugespitzten, 7,5–10 cm langen, bisweilen doppelt so langen Phyllodien, kugeligen Blütenköpfchen in kurzen, lockern Trauben, flachen, geraden oder gekrümmten, oft 10–12,5 cm langen, 12 mm breiten Hülsen und eiförmigen Samen. Der Baum wächst in allen Teilen Australiens bis auf Süd- und Westaustralien, auch auf Tasmania. Die Binde, angeblich auch die Blätter, wurden von den Eingebornen des südlichen Neusüdwales zum Fischfang benutzt. Giftige Substanzen enthält die Pflanze nicht, aber der Gerbstoff scheint auf die Fische zu wirken. Die Rinde (Gold wattle) wird zum Gerben benutzt und ist auch zur Gewinnung von Fasern für die Papierfabrikation empfohlen worden.

Fig. 8. Caesalpinia coriaria Willd. (Dividivibaum), ein kleiner, 6–8 m hoher Baum aus der Familie der Leguminosen, mit schwärzlicher, punktierter Rinde, doppelt gefiederten Blättern, deren einzelne Blättchen schwarz gefleckt sind, und weißen Blüten in rispig angeordneten Trauben. Der Baum wächst in Venezuela, Mexiko und Westindien. Seine schnecken- oder S-förmig eingerollten, trocknen und spröden, an beiden Enden stumpf zugespitzten, glatten, schwach glänzenden, kastanienbraunen Hülsen werden im reifen Zustand gesammelt und kommen aus Caracas, Maracaibo, La Hacha, Paraiba, von mexikanischen Häfen und von der Insel Curaçao in den Handel. Auf Curaçao und in Venezuela nennt man die Bäume los dividivos, und danach heißt die Ware Dividivi (s.d.), auch Libidibi. In Mexiko und Honduras heißen die Früchte Cascalote, Nanacascalote, andre Bezeichnungen sind Samak, Quatta pana.

Fig. 9. Acacia decurrens Willd., ein mäßig hoher, kahler oder filzig behaarter Baum aus der Familie der Leguminosen, mit deutlich kantigen, bisweilen geflügelten Zweigen ohne Dornen, doppelt gefiederten Blättern mit linealen, 4–10 mm langen Fiederblättchen, kleinen, kugeligen, in achselständigen Trauben oder endständigen Rispen stehenden Blütenköpfchen, 7,5–10 cm langen, 6 mm breiten, flachen Hülsen und eiförmigen Samen. Der Baum wächst in Queensland, Neusüdwales, Victoria, Tasmania und Südaustralien, er liefert Holz zu Böttcher- und Drechslerarbeiten, Gummi, das technisch benutzt und namentlich auch zu einem beliebten Gelee verarbeitet wird. Am wichtigsten ist die Rinde, welche wie die vieler Akazienarten zum Gerben benutzt wird und eins der wichtigsten Gerbmaterialien bildet. Die Gewinnung der Akazienrinde wurde in Australien zuerst äußerst rücksichtslos betrieben, bis die verschiedenen Kolonialregierungen sich ins Mittel legten und dadurch die Entstehung von Schälwäldern förderten, die gegenwärtig eine große Rolle spielen. Die günstigen Resultate, die hier erzielt wurden (die australischen Anlagen sollen den 14fachen Ertrag unsrer Schälwälder liefern), führten dazu, daß auch in Algerien, Südafrika, Südamerika und Kalifornien dieser Betrieb, z.T. mit australischen Arten, eingerichtet wurde. Die Umtriebszeit beträgt bei der Schnellwüchsigkeit der Akazien nur 8 Jahre. Diese Mimosen- oder Wattlerinden kommen auch nach Europa, und man darf annehmen, daß sie in der Zukunft das wichtigste Gerbmaterial bilden werden. Das beste Produkt scheint Acacia decurrens zu liefern (Black wattle). Die Rinde ist sehr schwer, schwarzviolett, zeigt selbst an 1 cm dicken Stücken kaum Borkenbildung und enthält stets über 30 Proz. Gerbsäure und viel Stärke. Letzterer Umstand ist sehr vorteilhaft, da stärkefreie Rinden in der Regel kein gutes Gerbmaterial darstellen. Die Black wattle-Schälwälder werden, wie es scheint, fast nur aus Samen gezogen, die vor dem Aussäen in warmem Wasser erweicht werden müssen. Ein ausgewachsener Baum von etwa 10 Jahren liefert 1 Ztr. Rinde von bester Qualität. Der Baum ist härter als Eucalyptus globulus und erträgt das Klima von Südengland, steigt aber kaum zu subalpinen Erhebungen empor.

Fig. 10. Acacia arabica Willd. (Arabische Akazie, Ssant, Sont, Kikar, Babul), ein Strauch oder Baum aus der Familie der Leguminosen, mit geraden, fein graubehaarten Zweigen und bis 5 cm langen, weißen, aufrechten Dornen, doppelt gefiederten Blättern, etwa 5 m langen, dünnen, grünen Fiederblättchen, achselständigen, gelben Blütenköpfchen und 8–15 cm langen, gegliederten, stark eingeschnürten bis perlschnurartigen, meist dicht grau behaarten, 8–12 sämigen Hülsen. Der Baum, dessen Stamm einen Umfang von 3 m erlangt, wächst in Afrika von Ägypten bis Natal, in Arabien, im westlichen Ostindien vom Pandschab bis Behar und auf Ceylon. Aus dem Holz (Sunt), das sehr dauerhaft ist, nachdem es einige Zeit im Wasser gelegen hat, werden Räder, Schiffsbohlen und mancherlei Geräte hergestellt. Der Baum liefert Gummiarabikum, auch lebt auf demselben die Lackschildlaus, und in Sind gewinnt man den Lack namentlich von diesem Baum. Die Hülsen und die Rinde (Baboot) werden zum Gerben benutzt. Erstere kommen als Bablah in den Handel, letztere wird besonders in Ostindien angewendet, gelangt aber auch nach Europa.

Fig. 11. Pinus halepensis Mill. (Aleppokiefer, Seekiefer), ein 10–16 m hoher, harzreicher Baum aus der Familie der Koniferen, mit oft gebogenem und gedrehtem Stamm, pyramidaler, später gewölbter, schirmförmiger Krone, aufrechten, sehr verzweigten Ästen, zu zwei, selten zu drei stehenden, 7–9 cm langen, sehr dünnen, schlaffen, blaugrünen Nadeln, die büschel- oft pinselartig an den Spitzen der Zweige gehäuft sind, 8–10 cm langen und 4 cm dicken, länglich kegelförmigen, glänzend rotbraunen Zapfen und 6–7 mm langen Samen, mit 3–4mal so langem Flügel. Die Aleppokiefer wächst im ganzen Mittelmeergebiet von Portugal bis Asien, auch an der Ostküste des Schwarzen Meeres und gedeiht im Meeressand wie auf verwittertem Felsboden, in der Region des Olivenbaums. Auch in den wärmsten Gegenden Deutschlands hält sie nur kümmerlich aus. Sie liefert zwei im Handel unter verschiedenen Namen vorkommende Gerbrinden, die Snoubarrinde und die Scorza rossa. Erstere besteht hauptsächlich aus dem Fleisch der Rinde und bildet bis 1 cm dicke, scherbenartige, rotbraune Stücke, sie wird in Algerien und Tunis gewonnen, wo der Baum Snoubar el Magloub heißt. Die Scorza rossa (Corteggia rossa, Pino rosso) stammt aus den Ländern von Dalmatien bis Südfrankreich; sie scheint schon zu den Zeiten Theophrasts im Gebrauch gewesen zu sein. Beide Rinden sind reich an Gerbstoff, aber auch an Farbstoff und erteilen dem Leder einen roten Ton. Die Scorza rossa enthält 13–15, die Snoubarrinde bis 25 Proz. Gerbsäure. Erstere besteht aus verschieden großen Borkenstücken und ist im Bau und Aussehen der Schwarzföhrenrinde sehr ähnlich.


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Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 7. Leipzig 1907.
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