Calandsbrüder

[561] Calandsbrüder, im Mittelalter (zuerst 1220 im Kloster Ottenberg erwähnt), Verbrüderungen von geistlichen und weltlichen Personen beiderlei Geschlechts, die unter der Leitung von Priestern am 1. Tage des Monats (Calendae, daher der Name) zusammenkamen u. Anordnungen über Feste, Fasten, Almosenspenden u. Laienaufnahmen etc. trafen. Ihr eigentlicher Zweck war Sterbekassen zu bilden, Seelenmessen für Verstorbene zu besorgen u. Arme zu unterstützen. Bei ihren Zusammenkünften (Calanden) hielten sie Mahlzeiten, bei denen später oft große Unordnungen entstanden, so daß es sprüchwörtlich ward: man hält einen großen Caland, od. er calendert die ganze Woche. In ihren Versammlungshäusern (Colandshäusern) verschenkten die Geistlichen, welche auf ihrer Stelle das Braurecht hatten, ihr Bier. Eigentlich finden sich Calande nur in denjenigen Ländern, welche das alte Sachsenland umfaßt od. die von diesen aus germanisirt wurden od. in kirchlicher Beziehung unter den Diöcesen u. der Metropolitangewalt sächsischer Kirchenfürsten standen, doch kommen sie auch in der Schweiz, in Ungarn u. in Frankreich vor. Sie führten selbst ihr Erlöschen u. Aufhebung, bes. bei der Reformation, herbei, da sie ohnedies nicht vom Papste, sondern nur von den Bischöfen ihrer Diöcesen bestätigt waren u. keinen Ordo ecclesiasticus bildeten. Ihre Einkünfte wurden zu gemeinnützigen Anstalten eingezogen. Der Caland zu Braunschweig besteht dem Namen nach noch fort. Es gab auch eine solche Brüderschaft, welche nur aus fürstlichen Personen bestand, der Fürstencaland zu Kahla; od. welche aus Rittern u. höheren Klerikern bestand, wie der Caland zu Bergen; od. welche nur ritterliche Personen umfaßten (Ritterliche Calande). Die Besitzungen der Calandsbrüderschaften hießen Calandsgüter; Zins derselben Calandszins. Vergl. Blumberg, Über die C., Chemn. 1721; Ledebur im 4. Bde. der Märkischen Forschungen, Berl. 1850. Die Ottenberger Geschichte von Paullini ist unzuverlässig.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 3. Altenburg 1857, S. 561.
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