Chinasäure

[34] Chinasäure (Acidum cinchonicum), C28, H22, O22 + Aq., von Hoffmann 1790 entdeckt, von Henry u. Plisson, Liebig, Woskresensky, Stenhouse etc. näher untersucht, findet sich in der Chinarinde, wo sie an Kalk u. an Cinchonin od. Chinin gebunden ist. Sie wird aus dem, bei Bereitung des Chinins sich als Nebenproduct abscheidenden chinasauren Kalk durch Zerlegung desselben mittelst Schwefelsäure, Reinigung von gebildetem Gyps durch Alkohol, Abdampfen u. allmähliges Krystallisiren dargestellt, bildet große durchsichtige luftbeständige schiefe rhombische Prismen; sie schmeckt sauer, schmilzt bei 155° zu einer farblosen Flüssigkeit, welche beim Erkalten in eine amorphe durchscheinende Masse übergeht, löst sich leicht in Wasser auf u. bildet mit den Basen Chinasaure Salze (Salia cinchonica), welche außer dem basischen Bleisalz in Wasser auflöslich sind u. krystallisiren Wird ein chinasaures Salz bei gelinder Hitze verbrannt, od. Ch. mit 4 Theilen Braunstein u. 1 Theil mit gleichviel Wasser verdünnter Schwefelsäure gelinde in der Retorte erwärmt, so sublimirt Chinon (s.d.) in goldgelben glänzenden Nadeln. Diese Reaction läßt sich zur approximativen Schätzung der in den Chinarinden enthaltenen Chinasäuremenge benutzen. Unterwirft man Chinasäure der trockenen Destillation, so sublimiren gelbliche Krystalle, welche nach u. nach schmelzen u. als eine ölartige Flüssigkeit überdestilliren. Diese erstarrt beim Erkalten zu einer körnigen Masse, welche aus Benzoesäure, Phenyliger Säure, Salicylwasserstoff, Benzol u. Hydrochinin besteht.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 4. Altenburg 1858, S. 34.
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