Helvetier

[228] Helvetier, celtisches Volk, welches ursprünglich in dem Lande zwischen Neckar, Main u. Alpen gesessen haben, aber später südlicher gedrängt worden sein soll, wo sie dann in der geschichtlichen Zeit in Gallia belgica zwischen dem Jurassus, Lemaner See, Rhone u. Rhein bis zum Bodensee zwischen den Sequanern, Nantuaten, Lepontiern, Rhäten u. Raurakern wohnten; sie theilten sich in 4 Gaue (Pagi), von denen der Tigurinus u. Verbigenus (Urbigenus) bekannt, der Tugenus u. Ambronicus blos vermuthet sind; darin lagen 12 Städte u. 400 offene Flecken, unter ersteren die Hauptstadt Aventicum. Zuerst erscheinen sie in der Geschichte zur Zeit des Cimbrischen Kriegs, wo sich die Tiguriner den Cimbern anschlossen u. unter ihrem Häuptling Divico die Römer unter L. Cassius 107 v. Chr. schlugen; nach der Vernichtung der Cimbern kehrten sie unangefochten in ihre Heimath zurück. Im Jahre 58 v. Chr. unternahmen sie unter Orgetorix einen Zug nach Südgallien, mußten aber nach einer großen Niederlage durch die Römer unter Cäsar wieder in ihr Land zurückkehren, s.u. Gallischer Krieg 3) A). Von nun an wurde ihr Land, Ager Helvetiorum, mit römischen Colonien (Noviodunum, Vindonissa etc.) u. Castellen besetzt u. sie selbst durch die Römer unterworfen u. romanisirt, behielten jedoch manche Rechte u. ihr Land wurde erst später zur Provinz gemacht. Als die H. in dem Kaiserstreite den von den germanischen Legionen zum Kaiser ausgerufenen Vitellius nicht anerkennen wollten, wurden sie von diesem furchtbar heimgesucht u. der Flor ihres Landes gebrochen. Daher verliert sich schon seit Vespasian der Name der H. aus der Geschichte; ihr Land bildete nachher mit dem der Sequaner u. Rauraker die Provinz Maxima Sequanorum u. wurde von Alemannen überzogen. Vgl. Schweiz (Gesch.).

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 8. Altenburg 1859, S. 228.
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