Otnit

[511] Otnit (richtiger Ortnit), nach der deutschen Heldensage König der Lombardei, wurde, da der Gemahl seiner Mutter unvermögend war, heimlich u. mit Gewalt von dem Zwerg Elberich erzeugt, erhielt erwachsen von seiner Mutter einen Ring, vermöge dessen er seinen Vater fand, bekam von diesem Zauberwaffen, zog von dem Rufe der Schönheit Sidrats (Sydrats), der Tochter des Königs Rachaol von Syrien, angelockt, über das Meer u. gewann sie durch den Beistand Elberichs ihrem Vater ab. Dieser sandte, als O. heimgekehrt war, seinem Schwiegersohne durch den Jäger Velle einige Schlangen, von welchen eine ihn tödtete. Die Sage von O. war Gegenstand vieler Volkspoesien im Mittelalter; als eine Umdichtung solcher Lieder ist das Epos Ortnit zu betrachten, welches in der besten von den auf uns gekommenen Bearbeitungen (herausg. von Ettmüller, Zürich 1838) um die Mitte des 13. Jahrh. verfaßt wurde; eine Überarbeitung zeigen spätere Handschriften (wonach die Ausgabe von Mone, Berl. 1821). Auch wurde das Gedicht in einer jüngern Umdichtung in das Heldenbuch (s.d.) des Kaspar von der Rhön aufgenommen. In der 2. Hälfte des 16. Jahrh. verwandte I. Ayrer den Stoff zu einer Tragödie (Kaiser Otnit).

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 12. Altenburg 1861, S. 511.
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