Truthahn

1. Truthähne und Frauen können rothe Kragen nicht schauen.

Aber aus verschiedener Ursache; jene, weil sie dadurch zum Zorn geneigt, diese, weil dadurch lebhafte Sympathien erregt werden sollen.


2. Wenn der Truthahn auf den Herrenhof genistet hat, kullert er vor Stolz.Altmann V, 120.


3. Wenn der Truthahn zornig ist, schwillt ihm der Kamm.


*4. Er hat nicht ein einziges mal zu mir Truthahn gesagt.

Dies amerikanische Hinterwalds-Sprichwort soll folgenden Ursprung haben: Ein Weisser und ein Indianer gingen eines Tags miteinander auf die Jagd, kamen aber nachher überein, die Jagdbeute am Abend miteinander zu theilen. Der Weisse hatte ein Rebhuhn, der Indianer einen Truthahn geschossen. Wie soll man dies theilen? fragte der Letztere; das gibt nur zwei Wege, antwortete der Weisse: Entweder bekomme ich den Truthahn und du nimmst das Rebhuhn, oder du nimmst das Rebhuhn und ich nehme den Truthahn. Der Wilde liess sich dies noch einmal wiederholen und rief dann aus: He never said turkey to me. Endlich theilten sie so, wie Weisse stets mit den Rothhäuten getheilt haben: der Weisse nahm beide Stücke und versprach, sich das nächste mal mit ihm auszugleichen. Obiges Sprichwort wird angewandt, wenn sich jemand von einem andern auf eine schlaue Weise übervortheilt glaubt. (Vgl. V.W. Hochbach, Aus Amerika, Leipzig 1856, S. 103 fg.)

Böhm.: Bud' ty, táto, jdi pro dříví, a já budu doma: anebo já zůstanu doma, a ty jdi pro dříví. – Napřed já budu jisti, a ty se dívej; potom zas ty se budĕs dívati, a já budu jísti. (Čelakovsky, 505.)

Engl.: He never said turkey to me.


*5. Er macht's wie der dresdener Truthahn.

Eine stumme und einfältige Rolle in Gesellschaft spielen; überhaupt: schweigsam sein. (S. Machen 98.)


*6. Es ist ein auf den Truthahn gepfropfter Pfau.

Mit den Worten: »C'est un paon greffé sur un dindon« soll ein berliner Staatsmann (Bismarck) den französischen Gesandten in Wien, Herzog von Grammont, als er Mitte Mai 1870 zum französischen Minister des Auswärtigen ernannt wurde, charakterisirt haben. (Niederschlesiche Zeitung, Görlitz 1872, Nr. 11.)


[Zusätze und Ergänzungen]

*7. Puh, da sitzt der Truthahn. (Nordamerika.) – Gerstäcker, Regulatoren, II, 159.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1. Leipzig 1867.
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