Lange

[1900] Lange, länger, längste, adv. welches nur von einer Zeit gebraucht wird, und nur alsdann stehet, wenn kein Hauptwort der Zeit da ist, für lange Zeit.

1. Eigentlich, wo es so wohl von einer gegenwärtigen, als vergangenen und künftigen Zeit gebraucht wird. Nicht lange hernach. Es ist schon lange her, daß ich ihn gesehen habe, schon lange Zeit her. Das währt lange, das dauert noch länger. Lange schreiben, viele Zeit damit zubringen. Er hat mir lange nicht geschrieben, seit langer Zeit. Lange an etwas arbeiten. Das wird mir zu lange. Du machst mir es zu lange. Bist du schon lange hier? Er kommt noch lange nicht. Er wird nicht lange mehr ausbleiben. Er hat mir versprochen, lange (in langer Zeit) nicht wieder von der Liebe zu reden, Gell. Sie ist ihm schon lange gewogen, seit langer Zeit. So lange die Vorsehung, oder als die Vorsehung, mein Leben erhalten will. So lange ich lebe, so lange als ich lebe. Ich werde so lange hier bleiben, bis du wieder kommst. So lange als ich kann. So lange und nicht länger. Je länger, je lieber. Je länger hier, je später dort. Aufs längste in drey Tagen, d.i. wenn es sehr lange währet. Es hat am längsten gewähret, die längste Zeit der Dauer ist schon vorbey. Das weiß ich lange, seit langer Zeit. Das hat er lange gewußt.

2. Figürlich. 1) Eine Art von Intension zu bezeichnen, welche aus der vorigen Bedeutung unmittelbar fließt. Was fragen sie lange? Man muß nicht erst lange fragen. Was zauderst du lange? Ich werde dich nicht lange bitten. 2) In Vergleichung, und mit der Verneinung, für bey weiten. Er ist lange nicht so gelehrt als Leibnitz. Er ist noch lange kein Neuton. Sie sieht lange nicht so schön aus, als es die Leute[1900] machen, Gell. 3) Eine Art von Versicherung; doch nur im gemeinen Leben und in der vertraulichen Sprechart. Wenn ihnen der Wein in den Kopf kommt, so geben sie mir lange eine Verschreibung von hundert Thalern, Gell. Ihr gebt mir eure Tochter lange noch, Weiße. Ich muß das Weib lange noch einsperren, ebend. Du wirst dich aber doch lange einmahl in Damenkleider werfen müssen, ebend. 4) Für hinlänglich; auch nur im gemeinen Leben, und vielleicht nur allein mit dem Nebenworte gut. Es ist lange gut für mich, es ist für mich gut genug. 5) Für gleich, auch; auch nur in der vertraulichen Sprechart. Wenn ich lange hingehe, so finde ich es doch nicht. Wenn du ihm lange gute Worte gibst, so thut er es doch nicht.

Anm. In der ersten eigentlichen Bedeutung, im Isidor langhe, bey dem Kero und Ottfried lango, im Schwed. länge, im Isländ. leingi, im Engl. long time. S. Lang II. 3. 4).

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 1900-1901.
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