Die Cisalpinische Republik

[223] Die Cisalpinische Republik: Diese jetzt erloschene Republik erhielt ihre Entstehung im Jahr 1796. Nach der Schlacht bei Lodi (10. Mai 1796) proclamirte Bonaparte am 20. Mai die Freiheit der Lombardie, und bildete aus dieser die transpadanische, so wie aus Bologna und Ferrara die cispadanische Republik. Nach aufgehobenem Waffenstillstand zwischen Frankreich und Modena wurden zur cispadanischen Republik auch Modena und Reggio geschlagen; und wenige Monate darauf (19. Februar 1797) trat in dem Frieden zu Tolentino der Papst die Legationen Bologna, Ferrara und Romagna, besonders auch das Ländchen Mesola an Frankreich ab. Alle diese Abtretungen wurden ebenfalls mit der cispadanischen Republik vereiniget, die am 27. März 1797 ihre Constitution und nun den Namen der cisalpinischen Republik erhielt, auch am 9. Juli unter diesem Namen proclamiret, und von dem Kaiser im Frieden zu Campo Formido 17. October 1797 als eine unabhängige Macht anerkannt, und auf die von ihm vorher besessenen und nunmehro zur Republik geschlagenen Länder Verzicht geleistet wurde. Für jetzt begriff diese Republik: die ehemalige östreichische [223] Lombardie, die Provinzen Bergamo, Brescia, Crema, die Stadt und Festung Mantua, das Mantuanische, Peschiera, einen Theil der ehemaligen venetianischen Staaten, besonders Verona und Rovigo, das Herzogthum Modena, das Fürstenthum Massa und Carrara, und die drei Legationen von Bologna. Ferrara und Romagna. Ihre Grenzfestungen waren Mantua und Peschiera. Allein, da schon im Juni 1797 die Länder Veltlin, Worms und Cläven den Graubündnern den Gehorsam aufgekündigt hatten (s. Schweiz, Th. V. S. 178), und die Vereinigung mit der cisalpinischen Republik wünschten, so erfolgte diese, wenige Tage nach dem Frieden von Campo Formido, am 22. October 1797. Die neue Republik bestand nun aus 10 Departements und 771 Quadratmeilen, mit 3½ Millionen Menschen. Der Sitz der Regierung, welche 1) aus der gesetzgebenden Versammlung der Volksrepräsentanten von 2 Räthen (dem Rath der Alten von 80, und dem größern von 160 Mitgliedern), und 2) aus dem Directorium mit der höchsten Gewalt versehen, bestand, war Mailand. Ihre Kriegsmacht – französische Truppen im Solde der Republik – bestand aus 20,000 Mann. Ihre Verbindung mit Frankreich wurde durch eine im März 1798 abgeschlossene Of- und Defensiv-Allianz, und einen Handelsvertrag noch fester geknüpft. Dennoch näherte sich die neue Republik ihrer Auflösung. Eine Constitution verdrängte die andere, bis endlich (im März 1799) der Krieg von neuem zwischen Oestreich und Frankreich ausbrach; die cisalpinische Republik wurde durch die Siege des erstern, in Gemeinschaft mit den Russen, erobert und diese Republik ganz aufgelöset. Die Schlacht von Marengo (14. Juni 1800) trug zu ihrer Wiederherstellung durch Bonaparte bei Die Republik erhielt nun eine Staatsverwaltung (Consulta) von 50, und einen Vollziehungsrath (Governo) von 9 Mitgliedern; auch wurde sie am 6. September durch die Landschaften Novarese und Tortonese vergrößert, und in dem Definitivfrieden zu Lüneville am 9. Februar 1801 von Oestreich anerkannt; nahm den 25. Jan. 1802 den Namen der italiänischen Republik[224] an und erwählte Bonaparte zu ihrem Präsidenten, und Franz Melzi dʼErile zum Vicepräsidenten. Sie wurde nun in zwölf Departements eingetheilt (zu welchen im Jahre 1803 ein dreizehntes, Verona, kam), die Departements aber in Districte, jeder mit einem Hauptort. Im Jahr 1805 (17. März) wurde dem nun seit 1804 französischen Kaiser durch eine Deputation der italiänischen Republik die Würde eines Königs von Italien übertragen, am 31. März sein Regierungsantritt als König feierlich verkündigt, und hierdurch die italiänische Republik aufgehoben. (Vergl. das Königreich Italien in den Nachtr.)

Quelle:
Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 7. Amsterdam 1809, S. 223-225.
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