Dominikanische Republik

[100] Dominikanische Republik (República Dominicana, Santo Domingo, s. Karte »Westindien«) heißt der östliche, größere Freistaat auf der Insel Hatti (s. d.), zwischen 19°57´–17°39´ nördl. Br. und 63°20´–71°55´ westl. L., mit 48,577 qkm. Die vorwiegend hohe Küste wird durch zahlreiche Baien, unter denen die von Neiba und Ocoa im S., die von Samana und Escosa im NO. und die von Manzanillo im NW. die größten sind, gegliedert, bietet aber kaum einen wirklich guten Ankerplatz. Die Nordküste wird von der Sierra de Monte Cristi begleilet,[100] die ostwärts in die schmale Samana-Halbinsel ausläuft (Isabel de Torres 700 m, Monte Diablo 396 m). Das Innere und den Süden füllt das gewaltige Cibaogebirge (Loma Tina 3140 m, Pico de Yaqui 2955 m, Pico de Valle 2830 m). Zwischen diesen Ketten liegt das 220 km lange, von Yaqui und Yuna wohl bewässerte und sehr fruchtbare, öfters (1841, 1897) aber von starken Erdbeben verwüstete Tal der Vega Real; im S. sind die trocknern Savannentäler des Rio de Canas, Yaqui Chico und Ozama. Das Tal zwischen dem Cibaogebirge und dem südlichen Küstengebirge, das am Kap Beata abbricht, ist großenteils von der salzigen Laguna de Enriquillo und Laguna del Fondo eingenommen. Goldseifen gibt es bei San Cristobal, Santiago, Buenaventura, Mana und Santa Rosa, Silber bei Jarabacoa und San Cristobal, Zinn bei Seibo und Higuei, Petroleum und Schwefel in der Provinz Azuei, Magneteisen bei Cotui, Steinsalz bei Neiba. Mineralquellen sind zahlreich. Das Klima ist in den Niederungen heiß und feucht, in Santo Domingo Mitteltemperatur 25,7° (Maximum 36,3°, Minimum 15,5°), in den Gebirgen herrscht ewiger Frühling. Die Südküste wird häufig von Orkanen heimgesucht. Über Pflanzen- und Tierwelt s. Haïti. Die Bewohner (auf 610,000 Seelen geschätzt) sind zum größten Teil hellfarbige Mulatten, kaum drei Zehntel Neger und wenige Weiße. Die letztern haben jedoch bedeutenden Einfluß, im Gegensatze zu Haïti. Staatsreligion ist die katholische unter einem Erzbischof zu Santo Domingo, doch sind alle Bekenntnisse geduldet. Landessprache ist das Spanische. Für das Schulwesen wird neuerdings mehr getan; 1889 bestanden 300 Elementarschulen mit 10,000 Schülern, von höhern Anstalten zu Santo Domingo ein Lehrerseminar, Gewerbe-, Maler-, Musik-, Telegraphenschule. Es erscheinen 35 Zeitungen (meist wöchentlich), davon 17 in der Hauptstadt. Erzeugt werden Tabak, Zucker (1900: 54,000 Ton.), Kakao (11,2 Mill. Pfd.), Kaffee (4 Mill. Pfd.), Bananen, Mahagoni- und Zedrelenholz. Der Außenhandel bewegt sich vorwiegend über die Häfen von Puerto Plata und Santo Domingo; die Einfuhr betrug 1900: 3,233,178, die Ausfuhr 6,005,864 Doll. Eisenbahnen gab es 1900: 285 km, Telegraphen, an die sich Kabel anschließen, 690 km. Die Post beförderte 1898 durch 50 Ämter im innern Verkehr 396,946, im äußern 238,897 Sendungen. Konsuln unterhält Deutschland in Puerto Plata und Santo Domingo, Konsularagenten in Monte Cristi, Samana, Sanchez und Macoris. Im Maß- und Gewichtswesen verschafft sich mehr und mehr das metrische System neben dem altspanischen Geltung. 1 Quintal zu 4 Arrobas von 25 Libras = 46 kg, 1 Arroba Flüssigkeit von 32 Tillos = 25,498 Lit. Der Papiergeldwirtschaft liegt seit Juli 1894 der nordamerikanische Golddollar zu Grunde. Nach der Verfassung vom 24. Nov. 1841, zuletzt abgeändert 12. Juni 1896, werden der Präsident und Vizepräsident der Republik vom Volk indirekt auf vier Jahre erwählt, ebenso der aus 24 Mitgliedern (zwei für jede Provinz) bestehende Kongreß. Das Ministerium zählt sieben Mitglieder. Ein oberster Gerichtshof besteht in der Hauptstadt, ein Tribunal in jeder der von Zivil- und Militärgouverneuren verwalteten sechs Provinzen und sechs Seedistrikten. Die Staatseinnahmen und -Ausgaben betrugen 1901–1902: 1,238,440 Doll. Gold, die äußere Staatsschuld 4,188,362 Pfd. Sterl. Die Kriegsflotte besteht aus 3 Schiffen mit 18 Geschützen. Die Flagge ist durch ein liegendes weißes Kreuz, dessen Mitte ein von Zweigen umgebenes, die Bibel mit dem Kreuz sowie Fahnen und Waffen zeigendes Emblem einnimmt, in vier Felder geteilt, von denen je zwei diagonal liegende die gleichen Farben, Blau und Rot, tragen (s. Tafel »Flaggen I«). Hauptstadt ist Santo Domingo (s. d.).

Über die ältere Geschichte der Republik, deren Gebiet 1697 spanisch blieb, 1795–1808 sowie 1822–1843 aber wieder mit dem Westen zu Einem Staat vereinigt war, s. Haïti. Durch einen im August 1843 ausgebrochenen Aufstand riß sich Santo Domingo von Haïti wieder los, wählte den Herdenbesitzer Santana zum Präsidenten und proklamierte sich 24. Nov. 1841 durch eine neue Verfassung als selbständige Republik. Auf Santana, der zweimal wieder gewählt wurde, folgte 1849 Baez als Präsident, und nach Ablauf von dessen Amtsperiode ergriff im Februar 1853 General Santana zum viertenmal die Zügel der Regierung. Er ließ es sich zunächst angelegen sein, die Geistlichkeit, die ungemeinen Einfluß gewonnen hatte, in die gehörigen Schranken zurückzuweisen. Der Expräsident Baez ward verräterischer Umtriebe während seiner Verwaltung beschuldigt und ausgewiesen, aber 1856 nach Santanas Abdankung durch spanischen Einfluß wieder an die Spitze der Regierung gestellt. 1858 wurde er von Santana gestürzt, der sofort in Zwistigkeiten mit dem Ausland geriet, als er das von Baez ausgegebene Papiergeld auf den 20. Teil seines nominellen Wertes herabsetzte. Englische und französische Schiffe zwangen ihn 1859, das Papiergeld durch Schatzscheine einzulösen. Er wandte sich nun Spanien zu, mit dem die Bevölkerung wieder vereinigt zu werden wünschte, und ein Dekret der Königin Isabella vom 19. Mai 1861 sprach die Wiedervereinigung Santo Domingos mit Spanien aus. Aber die spanische Mißregierung rief schon 1863 einen Aufstand unter General Pimentel hervor. Die Spanier mußten die Insel 1865 räumen, worauf eine konstituierende Versammlung zusammentrat. General Cabral übernahm die Regierung und wurde, nachdem vom November 1865 bis Juni 1866 Baez wieder an der Spitze des Staates gestanden, im Herbst 1866 zum Präsidenten erwählt. Seine Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten über die Abtretung des Hafens Samana stürzten ihn jedoch zum zweitenmal; im Mai 1868 wurde Baez Präsident. 1873 verlor dieser durch einen Aufstand wiederum die Herrschaft; sein Nachfolger Ignacio Gonzales wurde 1878 von General Guillermo, dieser 1879 von Merino gestürzt. Gleichzeitig erfolgte eine Verfassungsrevision. Ihm folgte 1887 Ulysses Heureaux, ein Neger. Gewaltsam und rücksichtslos gegen jeden Widerstand, war er anderseits zugänglich für kulturelle Reformen; die Finanzen der Republik hat er freilich arg verwirrt. Er fiel 26. Juli 1899 einem Attentate zum Opfer. Aus den folgenden Unruhen ging als Sieger Juan Isidro Jimenez hervor, spanischer Kreole, Sohn eines frühern Präsidenten der Republik, Großkaufmann und industrieller Unternehmer von Bedeutung; er widmete sich vor allem der Herstellung der zerrütteten Finanzen des Staates, wurde aber im Herbst 1902 gestürzt. Seitdem steht Hor. Vazquez als provisorischer Präsident an der Spitze. Vgl. Hazard, Santo Domingo, past and present (New York 1873); Léal, La république Dominicaine (franz. Ausg. 1888); Ferret, La république Dominicaine (Brüss. 1894); Berlioz d'Auriac, La guerre noire. Souvenirs de Saint-Domingue (8. Aufl., Par. 1900); De Poyen, Histoire militaire de la révolution de Saint-Domingue (das. 1900).[101]

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 5. Leipzig 1906, S. 100-102.
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