Südafrikanische Republik

[167] Südafrikanische Republik (hierzu »Karte des Kriegsschauplatzes in Südafrika« mit Textblatt: Geschichte des Südafrikanischen Kriegs), 1884–1900 amtlicher Name des einst Transvaal genannten Freistaates in Südafrika (s. Kapkolonie nebst Karte); seit 1. Sept. 1900 ist dies Gebiet unter dem Namen Transvaal (s. d.) als britische Kolonie erklärt und durch den Friedensschluß vom 31. Mai 1902, nach dem letzten unglücklichen Krieg der Buren gegen England, dazu gemacht.

[Geschichte.] Die S. R. wurde gegründet durch holländische Buren, die englische Mißwirtschaft aus der Kapkolonie nach Natal und von dort über die Drakenberge trieb, wo sie 1848 die Oranjefluß-Republik und die Freistaaten Potschesstroom, Zoutpansberg und Lydenburg bildeten, die 1852 (1858) Pretorino zur Republik Transvaal vereinigte und England anerkannte. Als aber Transvaal mit Portugal wegen einer Eisenbahn nach der Delagoabai unterhandelte, benutzte England, um sich das bedrohte Handelsmonopol Natals zu sichern, einen für die Finanzlage der Buren verderblichen Raubzug des Kaffernhäuptlings Sikukuni und annektierte 12. April 1877 Transvaal auf Grund einer »Volksabstimmung«. Die Proteste der eigentlichen Buren blieben unbeachtet. Als[167] die Engländer aber in das Gebiet der »Kolonie« eindringen wollten, erlitten sie bei Laings-Nek (28. Jan. 1881), am Ingogo (9. Febr.) und am Majubaberg (27. Febr) empfindliche Niederlagen, und der Vertrag zu Pretoria vom 3. Aug. 1881 gab dem Lande seine innere Unabhängigkeit wieder, wogegen England die Republik in allen auswärtigen Angelegenheiten vertreten sollte. Als sich 1884 im Betschuanenland die Häuptlinge der 1881 gebildeten kleinen Freistaaten Stellaland und Goosen unter das Protektorat Transvaals stellten, erhob England mit Erfolg Einspruch; die Grenze zwischen Transvaal und dem nun von England annektierten Betschuanenland wurde 1885 neu festgesetzt. Zugleich wurde 27. Febr. 1884 ein Vertrag geschlossen, wonach Verträge, die die S. R. mit auswärtigen Mächten oder Eingebornen (ausgenommen mit dem Oranje-Freistaat) einzugehen beabsichtigte, der englischen Krone zur Genehmigung unterbreitet werden sollten. Das hinderte die S. R. nicht, Unterhandlungen mit Portugal wegen der Delagoabahn zu beginnen und mit dem Deutschen Reich einen Handelsvertrag abzuschließen. Als die Buren aber 1884 die Nieuwe Republiek gründeten (s. Sululand), wodurch sie einen Weg zum Indischen Ozean gewinnen wollten, nötigte sie England, ihre Ansprüche auf die Meeresküste zurückzuziehen; der Rest der Nieuwen Republiek wurde 1886 in die S. R. einverleibt. Während England 29. April 1895 Tongaland besetzte, wurde das binnenwärts gelegene Swasiland durch den Vertrag vom 10. Dez. 1894 unter den Schutz der Südafrikanischen Republik gestellt. Als der Vertrauensmann des die Royal Chartered Company leitenden Cecil Rhodes, Jameson (s. d. 2), 30. Dez. 1895 mit 1200 Mann nebst Geschützen die Westgrenze der Südafrikanischen Republik, die man überrumpeln wollte, überschritt, wurde er 1. Jan. 1896 bei Krügersdorp eingeschlossen und zur Übergabe gezwungen. Die Haupträdelsführer wurden nach Pretoria gebracht, dort vor ein Kriegsgericht gestellt und zum Teil (unter andern Jameson) England aus-. geliefert, das sie milde bestrafte, teils in Pretoria zum Tode verurteilt, vom Präsidenten Krüger aber zu Gefängnisstrafen begnadigt. Englands Presse und Publikum zeigten sich wegen eines vom deutschen Kaiser an den Präsidenten Krüger abgesandten Glückwunschtelegramms Deutschland gegenüber feindlich. Die Haltung des Kolonialministers Chamberlain war der Südafrikanischen Republik offenbar nicht hold. Dem Verlangen der zahlreichen, aber fluktuierenden englischen Einwanderer (uitlanders) auf eine staatsrechtlich gleiche Stellung mit den Buren stimmte 1897 der Volksraad nicht bei. 1898 wurde N'Bunu, König von Swasiland, der, von der Südafrikanischen Republik wegen eines Mordes zur Rechenschaft gezogen, auf britisches Gebiet geflohen und von dort ausgeliefert worden war, zu einer Strafe von 500 Pfd. Sterl. verurteilt. Zu derselben Zeit wurde der unruhige Magatstamm im Norden durch General Joubert niedergeworfen und dem rebellischen Häuptling Mpesu beim Zoetpansberg eine empfindliche Niederlage beigebracht. Anfang 1899 forderte eine Massenpetition an die Königin von England unter anderm die gleichen bürgerlichen Rechte mit den Buren. Präsident Krüger war bereit, seinen Widerstand gegen. die Erteilung politischer Rechte an Ausländer aufzugeben, falls diese nach einer gewissen Aufenthaltsdauer das Bürgerrecht der Republik erwerben wollten. Eine Zusammenkunft Krügers mit Milner, dem Gouverneur der Kapkolonie, in Bloemfontein, der Hauptstadt des seit 17. März 1897 mit der Südafrikanischen Republik eng verbündeten Oranje-Freistaats, führte zu keinem Ergebnis, da Krügers Vorschlag eines Schiedsgerichts nicht angenommen wurde.

Da die Frage, in welchem Umfang den »Uitlanders« der Erwerb des Bürgerrechts gestattet werden solle, auch durch neue Vorschläge Krügers zu keiner Lösung gebracht werden konnte, brach im Oktober 1899 der Krieg zwischen der Südafrikanischen Republik und Großbritannien aus (s. Südafrikanischer Krieg, Textblatt zu beifolgender Karle). Er führte 1. Sept. 1900 zur Einverleibung der Südafrikanischen Republik durch England (25. Okt. zu Pretoria feierlichst proklamiert); erster Gouverneur war vom 4. Jan. 1901 an Sir Alfred Milner (s. d.). Nach dem Friedensschluß von Vereeniging (31. Mai 1902) folgten zunächst drei Jahre gegenseitigen Mißtrauens (vgl. A. M. S. Methuen, Peace or war in South Africa, Lond. 1901, 6. Aufl. 1902), bis der Wechsel in der Politik Großbritanniens (Abwirtschaften Joë Chamberlains und Ersetzung des konservativen Kabinetts Balfour durch ein liberales Ministerium Campbell-Bannerman) 1905 einen Umschwung herbeiführen half: im März wurde der Transvaalkolonie eine Verfassung verliehen. Näheres darüber s. Transvaal. Vgl. zur Geschichte: Nixon, Complete story of the Transvaal (Lond. 1885); Bellairs, The Transvaal war 1880 to 1881 (das. 1885); Klössel, Verfassung und Verwaltung der südafrikanischen Freistaaten (Leipz. 1896); Fisher, The Transvaal and the Boers (Lond. 1896); Hofmeyr, Die Buren und Jamesons Einfall in Transvaal (Brem. 1897); Mermeix, Le Transvaal et la Chartered (Par. 1897); Wirth, Geschichte Südafrikas (Bonn 1897); Seidel, Transvaal, die S. R. (3. Aufl., Berl. 1900); Poirier, Le Transvaal, 1652 bis 1899 (Par. 1900); Lenk, Die Geschichte Transvaals (in Reclams Universal-Bibliothek, Leipz. 1902); Bryden, A history of South Africa (Lond. 1904); Runge, Die Landpolitik der ehemaligen südafrikanischen Burenrepubliken (Dissertation, Berl. 1906); Leyds, Die erste Annexion Transvaals (das. 1907).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 19. Leipzig 1909, S. 167-168.
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