Argentinische Republik

[742] Argentinische Republik (Republica Argentina, hierzu die Karte »Argentinien, Cyile, Bolivia etc.«), auch Argentina oder Argentinien, früher Vereinigte Staaten des Rio de la Plata genannt, Bundesrepublik in Südamerika, zwischen 22–55° südl. Br. und 56°20´-70°20´ westl. L., grenzt im O. an den Atlantischen Ozean, Uruguay und Brasilien, im N. an Paraguay und Bolivia, im W. an Chile, im schmalen Süden an das chilenische Patagonien und das südliche Polarmeer und hat 2,885,620 qkm Fläche.

Die Republik zerfällt in das Stadtgebiet der Bundeshauptstadt Buenos Aires (s. d.), in 14 Provinzen, die mit Ausnahme von Entre Rios sämtlich die Namen ihrer Hauptstädte tragen, und 9 Territorien (Gobernaciones). Die noch immer zu Streitigkeiten Anlaß gebende Grenze gegen Chile im südlichen Patagonien und im Feuerland wurde 1885, die gegen Brasilien in den Misiones 1890 festgestellt. Die Bevölkerung, die 1895: 4,044,911 Seelen betrug, ist nach einer Berechnung für Ende 1900 auf 4,794,149 Seelen gestiegen, die sich auf die einzelnen Gebietsteile wie folgt verteilt:

Tabelle

Dazu noch 80,000 wahrscheinlich der Zählung entgangene Personen und 20000 Indianer.

[Physische Verhältnisse.] Bodenbeschaffenheit. An der Westgrenze gegen Chile, kaum 150 km vom Großen Ozean, zieht das Gebirgssystem der Anden hin, schroff nach W., sanfter nach O. zur argentinischen Tiefebene abfallend. Während die meisten Hauptgipfel, wie die Vulkane Tinguiririca (4778 m) und San José (5582 m), Tubungato (6710 m), Juncal (6208 m), Cima del Mercedario (6798 m) u.a., auf der gemeinsamen Grenze beider Republiken sich befinden, gehört der höchste Berg der Anden, der Aconcagua (6970 m), Argentinien allein an. Im südlichen Teil erreicht die Kammhöhe nur 2500 m, erhebt sich aber zwischen 38 und 32° zu 3000,4000 und selbst über 6000 m hinaus, um dann mit der fächerartigen Ausstrahlung des Gebirges in 5–6 Stränge auf eine mittlere Höhe von 4000–4600 m herabzusinken. Die Übergänge liegen sämtlich in bedeutenden Höhen, nur zwei für Eisenbahnen benutzbare Pässe des mittlern Teiles durchbrechen den Kamm unterhalb der mittlern Höhe, der Uspallatapaß (3900 ni) und der Planchonpaß (3000 m). Schneefälle sind nur im südlichen Gebiete der Kette reichlich, Gletscher zeigen sich nur südlich vom 36.° südl. Br. und auch fast allein auf chilenischer Seite. Die östlich vom Hauptkamm sich hinziehenden Ketten nehmen an Höhe zu, je weiter sie nach N. vorrücken; die nennenswertesten[742] sind die Sierras de Famatina (6020 m), Velasco, de Ambato, de Ancaste, de Aconquija (4650 m). Sie alle sind Teile des Andensystems, während die bis 2350 m hohe Sierra de Cordoba von z. T. unwirtlichen salzigen Ebenen und Lagunen umgeben ist. Den charakteristischen Hauptzug Argentiniens bilden aber ungeheure wasserarme, sandige Steppen (Pampas, s. d.) mit vielen Salz- und Salpeterstrichen, wie die Salinas Grandes nördlich von der Sierra de Cordoba. Einen besondern Charakter trägt das Gebiet zwischen den Flüssen Paraná und Uruguay, das »argentinische Mesopotamien«, mit seinem fruchtbaren Boden und seinen sonst so seltenen Wäldern.

Geologisch sind tertiäre und diluviale Ablagerungen (Mergel und rötliche sandige Tone) bemerkenswert, da sie in weitester Verbreitung die Pampas vom Atlantischen Ozean bis zu den Kordilleren. von Patagonien bis nach Brasilien hinein erfüllen; sie beherbergen eine eigentümliche Säugetierfauna (Edentaten, Gürteltiere, Nager, Pferd, Tapir, Mastodon, Lama). Die aus der Pampa aufsteigenden Sierren bestehen vorwiegend aus archäischen Gesteinen (Granit, Gneis, Glimmerschiefer); in den westlich gelegenen, höhern Sierren (z. B. der von Cordoba) gesellen sich zu ihnen noch Sedimente (Kalksteine) der Kreide und vulkanische (andesitische, trachytische und basaltische) Gesteine. An dem Aufbau der argentinischen Anden beteiligen sich die zuletzt genannten Gesteine, den Grundstock bilden jedoch kambrische und silurische Tonschiefer, Grauwacken und Kalksteine mit eingelagerten Felsitporphyren und Porphyrtuffen, ferner rätische Schichten mit Kohlen und bituminösen Schiefern (Mendoza, Famatina), dann etwas Jura. Der gegenwärtigen Periode der Erdgeschichte gehören die Meeres- und Flußablagerungen an der Küste, die mächtigen Geröllansammlungen an den Gehängen und am Fuß der Gebirge sowie endlich die Salzlager der Salinas an. An Mineralien ist das Land ungemein reich. In den gebirgigen Teilen finden sich Gold und Silber (namentlich in den Provinzen Cordoba, San Luis, Rioja, San Juan, Mendoza, Catamarca), viel Kupfer (besonders in Catamarca), Eisen (in San Juan), Blei und Nickel, in den Ebenen Salpeter, Koch- und Natronsalz, teils in Salzseen und Sümpfen (Salinas), teils im Boden der Pampas. Steinkohlen sind in der Nähe des Rio Vermejo nachgewiesen, auch Asphalt und Petroleum, doch ist ihre Abbauwürdigkeit noch nicht sichergestellt. Bergwerke bestanden schon 1595 in Rioja, seit 1636 in Mendoza und Salta, die Jesuiten hatten Kupfergruben in den Misiones. Jetzt werden hauptsächlich Kupfer, Silber und Blei gewonnen. Argentinien ist reich an Mineralquellen; Schwefelquellen befinden sich besonders in der Provinz San Juan. Vgl. A. Stelzner, Beiträge zur Geologie und Paläontologie der Argentinischen Republik (Kassel 1885); G. Steinmann, Beiträge zur Geologie von Südamerika (»Neues Jahrhuch für Mineralogie etc.«, 1892–96); L. Brackebusch, Mapa geológico del interior de la Republica Argentina (Cordoba 1894 ff.).

Die Hauptflüsse Argentiniens sind Paraná, Paraguay und Uruguay, die den La Plata bilden, und die westlichen Nebenflüsse der beiden erstern: Rio Pilcomayo, Vermejo, Salado und Tercero. Während die drei ersten schiffbare Wasserstraßen bilden (Seeschiffe gehen den Paraná aufwärts bis Rosario), sind die übrigen wasserarm; andre verlieren sich, ohne den Hauptstrom zu erreichen, in Lagunen, auch die von den südlichen Anden kommenden Flüsse fallen in große, durch Kanäle verbundene Salzseen (Guanacache, Silvero, Bebedero, Laguna Amarga). Von geringer Bedeutung sind die gegen O. und SO. dem Ozean zuströmenden Flüsse Rio Colorado, Negro, Chubut. Das ganze Gebiet östlich von 66° westl. L. und nördlich von 42° südl. Br. ist besät mit unzähligen kleinen Sulz- und Süßwasserlagunen.

Das Klima ist in dem weit ausgedehnten Lande sehr verschieden, im allgemeinen aber gesund. Geringe Regenmengen zeichnen den Süden und das Innere aus, im NO. nehmen sie jedoch vom Ostfuß der Anden und von Patagonien gegen die Grenze von Brasilien und Uruguay zu. Somit steht ein trocknes und gemäßigtes südliches Klimagebiet, das auch die innern Hochebenen zwischen den Anden und den Antikordilleren umfaßt, einem feuchtern subtropischen im N. gegenüber. Der trockne Süden liegt im Wind- und Regenschatten der Anden, im N. bringen der Südostpassat und die aus dem tropischen Südamerika hereinwehenden Winde mehr Feuchtigkeit mit. Jährliche Regenmengen: San Juan 7 cm, Mendoza 20, La Rioja 30 cm; Provinz Buenos Aires 66 cm (Maximum im Januar, Minimum im August), inneres Argentinien 52–58 cm (Maximum im Januar, Minimum im August), unterer Parana 87 cm (Maximum im Dezember, Minimum im August), mittlerer Parana 109 bis 175 cm (Maximum im März, Minimum im Oktober). Jahrestemperatur und mittlere Jahresextreme (eingeklammert): Buenos Aires 17,2° (34° und 0°), Bahia Blanca 15,2° (38° und -3°), Santiago 21,6° (31° und -1°), Tucumán 19,4°, Cordoba 16,6°.

Der Charakter der Pflanzenwelt wird bestimmt durch baumlose Grassteppen, die von salzauswitterndem Boden ohne jede Vegetation oder von Salzseen unterbrochen werden. Unter den endemischen Grasarten fallen besonders Arten mit starren Organen auf (Paspalum, Cenchrus, Pappophorum, Stipa, Eriocaulon, Eustachys). Alle wachsen in buschartigen, getrennten Rasen, zwischen denen nur wenige gesellige Stauden von rotblühenden Verbenen und Arten aus den Gattungen Solanum, Eupatorium, Cardiīus und Digitalis sich finden. Auffallend ist die starke Verbreitung europäischer Pflanzenformen. So haben sich auf weiten Flächen Disteln, Kletten und Fenchel angesiedelt, die Artischockendistel (Cynara Cardunculus) bildet meilenweit undurchdringliche Dickichte, während Lolium- und Hordeum-Arten die eigentlichen Pampasgräser stellenweise ganz verdrängen. Die Flußufer bedecken lichte Waldungen von Algarroben (Prosopis dulcis, eine Mimosee), Lorbeerarten, verwilderten Orangen und Pfirsichen, umwunden von Lianen und Epiphyten (Tillandsia), während strauchartige Solanazeen und Kompositen (Baccharis) das Unterholz bilden. Von einheimischen Bäumen wird der rasch wachsende, schattenspendende Ombu (die Phytolakkazee Pircunia dioica) in der Steppe häufig angepflanzt. Wo der Pampaston zurücktritt, erheben sich auf dem sandigen Boden Kakteen (Opuntia Darwini), einzelne Palmenbestände (Cocos australis und Cocos Yatay) zieren die Buschwälder am Paraná. Eine eigentümliche Charakterpflanze der nordwestlichen Steppe ist der Chañarstrauch (die Leguminose Gourliea decorticans), ein zwergbaumartig auftretendes Dorngewächs. Auch die patagonische Steppe mit ihrem Kiesgeröll bietet nur Raum für ärmliches Dorngestrüpp (Monttea aphylla, Plantago patagonica).

Tierwelt. Argentinien bildet zoogeographisch den größten Teil der patagonischen oder chilenischen Subregion der neotropischen Region. In den Pampas[743] lebt die Viscacha (Lagostomus trichodactylus) und der Pampashase, die größern Raubtiere sind durch Jaguar und Kuguar vertreten. An den Flüssen haust das Wasserschwein, der größte lebende Nager; in den baumlosen Ebenen leben Gürteltiere. Zu den ein heimischen Tieren gesellen sich Haustiere und in den Pampas halbwilde Herden von Rindvieh, Pferden und Schafen. Von den Vögeln sind charakteristisch der südamerikanische Strauß (Nandu) und bestimmte Hühnervögel. Die Reptilien tragen amerikanisches Gepräge; die Süßwasserfische zeigen Verwandtschaft mit neuseeländischen und australischen Formen. Unter den Mollusken fallen zahlreiche Bulimus-Arten mit gezahnten Mundteilen aus der Gruppe Odontostomus auf; die Käferfauna der südlichen sandigen Teile des Landes ist charakteristisch durch viele Arten aus der Familie der Melanosomen.

[Bevölkerung.] Die Bevölkerung setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen, Indianern, Europäern und Afrikanern, die aber, besonders außerhalb der großen Städte, die infolge des beständigen Zuflusses aus Europa den Charakter dieses Erdteils bewahrt haben, meist zu einem Volke verschmolzen sind. Die kriegerischen Scharrua, die früher Uruguay bewohnten, gingen als Besiegte in den Minuane auf, ihren Nachbarn in Entre Rios und Santa Fé, und haben heute, mit den Spaniern vermischt, nicht einmal den Namen bewahrt. Die Querandí von Buenos Aires, von denen die Einwanderer den Gebrauch des Lasso lernten, wurden nach S. gedrängt und sind in den Nomaden Patagoniens ausgegangen. Die Guaraní an den Ufern des Paraná und die zahlreichen Völker gleichen Stammes im heu'igen Entre Rios und in Corrientes sind jetzt seßhafte Bürger der Republik, doch haben sie in Corrientes ihre Sprache bewahrt. Die Calchaquí und die übrigen Quichuastämme, die den Grundstock der Andenbewohner bilden, im NW. des Staates, sprechen ihre eigne Sprache. Noch völlig unzivilisiert sind die Stämme des Chaco, die Toba, die von ihren Nachbarn, den jetzt ausgestorbenen Abiponen, fast gänzlich vernichteten Mbaya, die Mbocobie u.a. Dagegen arbeiten die Mataco und Chiriguano gern in den Pflanzungen. In den Pampas am Salado und seinen Zuflüssen wohnen die zu den Araukanern gehörigen Rancele und Chileno, an den Flüssen Neuquen, Colorado und Hurique die zu den Puelche gehörigen Divihet und Chechahet, südlich von den Pampas bis zum Feuerland die Tehuelhet oder Patagonier, endlich auf dem Feuerland und den umliegenden Inseln die Feuerländer oder Peschäräh. Seit 1792 kamen zu der eingebornen Bevölkerung, den Abkömmlingen der spanischen Eroberer und den Mischlingen, im S. Chino, im N. Cholo genannt, als neues Element die Neger, die als Sklaven eingeführt wurden und am Ende des Jahrhunderts ein Sechstel der Bevölkerung ausmachten, seit der Abschaffung der Sklaverei (1832) aber sich so mit den übrigen Volkselementen vermischt haben, daß eine Feststellung ihrer Zahl unmöglich ist. Die weiße Bevölkerung besteht aus den Nachkommen der spanischen Eroberer, den Argentino, und den seit 1836 hierher strömenden Italienern, Basken, Franzosen. Um eine Entnationalisierung der argentinischen Bevölkerung zu verhindern, hat die Regierung einen Ausgleich angestrebt, indem sie gegenüber der starken romanischen Einwanderung die germanische Einwanderung begünstigte. Diese Einwanderung ist seit 1881 außerordentlich gestiegen und nur in allerletzter Zeit infolge der ungünstigen wirtschaftlichen Lage zurückgegangen bei gleichzeitig stark zunehmender Auswanderung. Es betrug die

Tabelle

Von 1857–1900 sind 1,732,280 Personen mehr ein als ausgewandert. Man rechnete auf die (1895) 4,095,000 Einwohner 2,950,000 Argentinier, 493,000 Italiener, 199,000 Spanier, 94,000 Franzosen, 17,000 Deutsche, 75,000 sonstige Europäer, 118,000 Amerikaner und 149,000 Indianer. Der Religion nach sind fast alle Weißen und die bekehrten Indianer römisch-katholisch. geistliches Oberhaupt ist der Erzbischof von Buenos Aires, unter dem die Bischöfe von Cordoba, San Juan, Mendoza, Salta und Parana stehen. Die ehe mals reiche Kirche ist während der Revolution aller ihrer Güter beraubt worden; die Bischöfe erhalten ihre sehr mäßigen Einkünfte durch den Staat, und die Pfarrer sind meist auf die Stolgebühren und die Einkünfte aus den Kirchenfesten angewiesen. Mönchs orden sind nur spärlich vertreten; dagegen gibt es eine Anzahl Nonnenklöster. Verschiedene Missionen bestehen an der Indianergrenze. Freier Kultus und Gründung von Schulen ist allen Religionsbekenntnissen gestattet. Seit 1868 hat das Unterrichtswesen eine wesentliche Umgestaltung erfahren, indem es der Staat aus den Händen des Klerus inf eine eignen nahm. Es bestehen 2 Universitäten (Buenos Aires und Cordoba), 16 höhere Schulen (in jeder Provinzialhauptstadt), eine Ingenieurschule, Handelsschule, Kadettenhaus und Marineschule, 2 Schulen für Ackerbau. eine für Bergbau, eine Seekadetten- und Matrosenschule. In 3233 Volksschulen wurden 1891: 249,700 Kinder unterrichtet. Die gelehrten Gesellschaften: Academia nacional de Ciencias, Sociedad scientifica Argentina Museo de la Plata, Instituto Geografico Argentino, veröffentlichen wertvolle Abhandlungen. Außerdem erscheinen 513, teilschriften. Offizielle Sprache ist die spanische.

[Ackerbau, Viehzucht.] Bis 1877 war Argentinien ein Konsument von Brot früchten, seitdem ist es einer der ansehnlichsten Produzenten geworden. Die Korn kammer der Republik ist die Provinz Santa Fé, doch nimmt der Anbau in allen Provinzen jährlich zu. Die Anbaufläche, die sich seit 1888 verdoppelt hat, betrug 1895: 48,920 qkm. Auf Weizen kamen hiervon 20,497, auf Mais 12,442. Zuckerrohr 6127, Gerste 5457, Flachs 3870, Wein 335 qkm. Die Ausfuhr an Ackerbauerzeugnissen betrug 1890: 25,6 Mill. Pesos, d.h. 25,4 Proz. der Gesamtausfuhr. 1899 wurden ausgeführt: 1,713,499 Ton. Weizen, 1,116,276 T. Mais, 217,713 T. Flachs. Die Regierung hat zahlreiche Ackerbaukolonien gegründet, unter denen die von Schweizern, Deutschen und Engländern gebildeten am blühendsten sind. Es waren 1895 aber erst 1,7 Proz. des Areals angebaut. Ungleich größere Bedeutung als der Landbau besitzt die Viehzucht, auf der bei den außerordentlich günstigen Naturverhältnissen des Landes hauptsächlich der Nationalwohlstand beruht. Sämtliche Haustiere sind eingeführt; das Pferd 1536, Ziege und Schaf 1550 aus Peru, Rindvieh 1553 aus Brasilien. Zuchttiere aus Europa haben die aus[744] diesen Stämmen gebildeten Rassen verbessert, und der Viehstand hat sich außerordentlich vermehrt. Es gab 1895: 74,379,562 Schafe, 21,701,526 Rinder, 4,446,859 Pferde, 2,748,860 Ziegen, 652,766 Schweine, 285,497 Maultiere, 197,882 Esel, 82,497 Strauße und 8,111,322 Stück Geflügel im Gesamtwert von 1650 Mill. Mk. Die Maultiere gehen in ganzen Herden nach Chile und Peru. Die Hauptnutzung des Rindviehs besteht außer für den großen eignen Bedarf im Verkauf von Schlachtvieh für die Städte und für die Schlachthäuser (Saladeros), in denen früher jährlich 11/2 Mill. Rinder geschlachtet wurden, um als getrocknetes Salzfleisch (tasajo) ausgeführt zu werden, während kaum ein Viertel des Rindviehs auf Fleischextrakt, Fleischpepton und Fleischkonserven verarbeitet wird. Die Ausfuhr von Salzfleisch hat aber neuerdings sehr abgenommen. 1895 wurden noch 695,404 Tiere in 29 Saladeros geschlachtet, darunter 582,168 Rinder und 113,236 Pferde, 1897 noch 481,000 Rinder, 1898 bloß 340,100 Stück. Das argentinische Pferd ist klein, aber gelehrig, schnell und ausdauernd; wild kommt es nur noch in kleinen Trupps im S. vor. Viele Pferde werden ihrer Haut und ihres Fettes wegen, aus dem man ein Brennöl (Petro) bereitet, getötet. Auch die Ausfuhr von Roßhaaren ist von Bedeutung. Die Schafzucht wird erst seit neuerer Zeit (besonders seit Einführung von Zuchtschafen) mit größerm Eifer und solchem Erfolg betrieben, daß sie jetzt weitaus den Hauptzweig der volkswirtschaftlichen Tätigkeit bildet. Die Ausfuhr von Viehprodukten überragt die aller andern Erzeugnisse: 1895 für 74,629,876 Pesos, davon auf Wolle 28,9, auf Häute 16,8, auf lebendes Vieh 16,8 Mill. Pesos.

[Industrie, Handel.] Die Industrie Argentiniens erstreckt sich auf die Gewinnung von Konserven, Mehl, Stärke, Erdnußöl, Nudeln, Dauergebäcken, Likör, Butter u. Käse, Zucker, Wein, Bier, Sprit, Licht und Seife; 1895 bestanden 659 Mühlen, 949 Weinkellereien, 61 Bierbrauereien, 161 Spritfabriken, 51 Zuckerfabriken, neben 13 Gasfabriken und 17 Elektrizitätswerken und 39 Saladeros (10 davon arbeiteten nicht). Der Handel, unter der spanischen Herrschaft durch schwere Zölle belastet, wurde erst 1778 mit dem Mutterlande freigegeben. Seit der Unabhängigkeitserklärung der La Plata-Staaten steht er allen Nationen offen und hat sich außerordentlich gehoben. Ein 1889 erlassenes Gesetz beseitigte alle Ausfuhrzölle und setzte ad valorem-Zölle, gewöhnlich zu 25 Proz., auf alle Einfuhrartikel fest; nur Kunstwerke, Bücher, Schiffe, Steinkohlen, Pflüge, Telegraphendraht, Fische, Südfrüchte, Tiere und Eisenbahnmaterial sind zollfrei. Hauptstapelplatz ist Buenos Aires; doch haben auch Rosario, Corrientes, San Nicolas, Gualeguaychu direkten überseeischen Verkehr, und man berechnet die Handelsbewegung dieser Häfen auf 30 Proz. von jener der Hauptstadt. Die Einfuhr betrug 1901: 114 Mill., die Ausfuhr 167,7 Mill. Pesos. Der vorübergehende starke Rückgang des Handels (1897 Einfuhr nur 99, Ausfuhr 106 Mill. Pesos) hatte seinen Grund in dem 1890 eingetretenen Staatsbankrott, hervorgerufen durch eine Reihe von Mißgriffen, unter denen die zu starke Emission von Papiergeld einer der schwerwiegendsten war (vgl. unten, S. 748). Die Verluste, die England durch den ungeheuern Rückgang argentinischer Werte erlitt, beziffern sich auf 42,3 Mill. Pfd. Sterl. An der Einfuhr ist England am stärksten, mit etwa einem Drittel, beteiligt, dann folgen Frankreich, Belgien, Deutsches Reich, Italien, Spanien, die Vereinigten Staaten, Brasilien sowie Uruguay, Chile, Paraguay und Bolivia. Eingeführt werden vornehmlich Eisenbahnmaterial, Baumwollengewebe, Kleider, Wollenstoffe, Wein, Zucker, Kohle, Maschinen und Instrumente, Holz, Eisenwaren, ferner Chemikalien und Drogen, Eisen, Pack- und Segeltuch, Papier, Yerba, Tabak, Holzwaren, Olivenöl, Seidenwaren, Reis. Ausgeführt werden die oben genannten Produkte des Ackerbaues, der Viehzucht, der Industrie, der Forstwirtschaft, des Bergbaues, der Jagd. Unter den Hölzern ist von hohem Werte das Quebrachaholz (Quebracho colorado von Loxopterigium Lorentzii, einer Anakardiazee). Zu Lande geht der Handel vorzugsweise nach Chile und Bolivia, dann nach Paraguay und Brasilien; über die Kordilleren werden die Waren teils in schwerfälligen Ochsenwagen, teils auf Saumtieren geschafft. Unter den Ausfuhrländern steht Frankreich voran, dann folgen Deutschland und England. An Banken bestehen die Nationalbank. London and River Plate Bank, British and South American Bank, London and Brazilian Bank, Anglo-Argentine Bank, eine italienische, französische, deutsche, spanische, eine neue italienische, römische Bank und die Commercial Bank, sämtlich in Buenos Aires, sowie kleinere in den größern Provinzialhauptstädten.

Geldwesen. Fehlgriffe der Nationalregierung, Bestechlichkeit und Verschwendungssucht haben die wiederholten Versuche, ein dauerhaftes Geld- und Kreditwesen herzustellen, scheitern lassen. Der Peso moneda nacional von 1881 = 4,05 Mk. entsprechend 5 Frank der französischen Doppelwährung, wurde im Januar 1885 durch Noten mit Zwangskurs ersetzt; wirkliches Gold (Pesoen oro effectivo), d.h. gegen jene Währung im Metallgehalt abgewogene Münzen, steht hoch im Kurs, der aber beträchtlichen Schwankungen ausgesetzt ist. Zölle dürfen nach dem Tarife für 1893 ganz in Papier bezahlt werden, dessen jeweiligen Wert die Regierung festsetzt. Seit 1887 hat das metrisch ' System an-schließliche Geltung; indessen bedient man sich noch älterer Maße, die aus altspanischen stammen. 1 Quintal von 4 Arrobas zu 25 Libras = 45,937 kg.

[Verkehrsverhältnisse.] Der Schiffsverkehr betrug 1898: 1042 Dampfer von 1,825,404 Ton. und 347 Segelschiffe von 282,335 T., zusammen 1389 Schiffe von 2,107,739 T. Von den in argentinischen Häfen verkehrenden Dampferlinien sind 5 englische, 3 deutsche, 3 französische, 2 italienische, eine nord amerikanische; eine argentinische verkehrt in den Häfen bis Kap Horn, drei andre fahren den La Plata auf wärts bis Asuncion, wo brasilische und paraguayische Dampfer nach Cuyaba sich anschließen. Die Handelsflotte bestand 1900 aus 110 Dampfern von 40,794 und 155 Segelschiffen von 40,000 T. W. ihrend die Landstraßen noch viel zu wünschen übriglassen, wird an dem Bau von Eisenbahnen (1900: 16,767 km) rüstig gearbeitet. Die wichtigsten Linien sind Buenos Aires-Villa de Mercedes, Buenos Aires-Sunchales, Buenos Aires-Bahia Blanca, Villa Maria-San Juan, Cordoba-Chilcas. Die transandinische Bahn, welche die Anden im Uspallatapaß überschreitet, geht von Villa de Mercedes über San Luis nach Mendoza und steigt dann bis zu 3140 m Hohe auf, wo ein 5065 m langer Tunnel das Gebirge durchbricht. Im ganzen sind zur Überwindung des Gipfels sieben Tunnel mit einer Gesamtlänge von 16 km nötig. Die argentinischen Bahnen beförderten 1889. 11,044,000 Reisende und 6,6 Mill. Ton. Güter. Die Telegraphenlinien hatten 1900 eine Länge von 44,382 km mit 94,377 km Drähten und 1237 Bureaus. Die Post beförderte 1898 durch 1788 Ämter im innern [745] Verkehr 181,821,945, im internationalen 34,630,234 Briefpostsendungen.

[Staatsverfassung, Verwaltung.] Die Verfassung, zu Santa Fé 25. Mai 1853 gegeben (durchgesehen bei der Wiedervereinigung mit Buenos Aires 11. Nov. 1859) und ganz der der Vereinigten Staaten von Nordamerika nachgebildet, will den Kultus der römisch-katholischen Kirche aufrecht erhalten wissen, obschon Freiheit des Bekenntnisses besteht; sie duldet keine Sklaverei und erkennt überhaupt keine Bevorzugung des Blutes oder der Geburt, auch keine persönlichen Privilegien und Adelstitel an, setzt gleiche Verteilung der Steuern und öffentlichen Lasten fest und gewährleistet Freiheit der Presse, der Assoziation, des Unterrichts. Die gesetzgebende Gewalt üben ein auf 9 Jahre indirekt gewählter Senat von 30 Mitgliedern, die 30 Jahre alt sein und ein Jahreseinkommen von 2000 Pesos haben müssen, und eine auf 4 Jahre direkt von den Provinzen gewählte Abgeordnetenkammer (1 auf 20,000 Einw.) von 86 Mitgliedern, die 25 Jahre alt sein müssen. Senat und Kammer bilden den Kongreß. Die vollziehende Gewalt übt ein Präsident, dem ein Vizepräsident zur Seite steht. Beide müssen römisch-katholisch und innerhalb des argentinischen Gebietes geboren oder Söhne innerhalb desselben geborner Bürger sein; sie werden auf 6 Jahre gewählt und können erst nach Ablauf einer ebenso langen Frist wieder gewählt werden. Unter den Präsidenten stehen Minister dem Innern, dem Auswärtigen, den Finanzen, der Justiz nebst Kultus und Unterricht und dem Kriegs- und Marinewesen vor. Ein aus fünf Richtern und einem Generalprokurator zusammengesetzter oberster Gerichtshof hat in der Hauptstadt seinen Sitz; Bundesuntergerichte setzt der Kongreß im Gebiete der Konföderation ein. Bundeshauptstadt ist Buenos Aires.

Finanzen. Das Budget für 1902 veranschlagte die Ausgaben auf 32,4 Mill. Pesos in Gold und 96,2 Mill. Pesos in Papier, die Einnahmen auf 40 Mill. Pesos in Gold und 64,3 Mill. Pesos in Papier. Die Staatsschuld betrug 1901: 553,5 Mill. Pesos.

Heer und Flotte. Die A. R. hat seit 1901 allgemeine Dienstpflicht. Das stehende Heer wird 100,000 Mann stark angenommen und besteht aus den Linientruppen und den Staatsbürgern vom 19. bis 35. Jahre; die Reserve (Nationale), 33,000 Mann stark, wird gebildet aus den Bürgern vom 35.–41. Jahre. Die Landwehr (Territorialgarde) besteht aus den Bürgern von 41–50 Jahren und den etwa durch gesetzliche Bestimmungen vom Dienst im stehenden Heere Befreiten. Das stehende Heer besteht aus 3 Armeekorps zu 2 Divisionen mit je 16,500 Mann. Die Division hat 2 Brigaden; jeder derselben werden außer der Infanterie und Kavallerie eine Schwadron Artillerie, 2 Kompagnien Genietruppen und eine Kompagnie Parktrain zugeteilt. Die Bewaffnung (Arsenal Zarate) ist durchaus modern; die Infanterie führt ein 7,65 mm Gewehr (System Mauser 91), die Artillerie hat leichte Batterien mit 75 mm-Schnellfeuerkanonen und schwere mit 10,5 cm-Haubitzen. Die Kanonen sind von Krupp gefertigt. Die Flotte bestand 1901 aus 4 großen Panzerkreuzern, 3 Küstenpanzerschiffen, 2 Panzerkanonenbooten, 5 kleinen Kreuzern, 5 Torpedobootszerstörern, 12 Hochseetorpedobooten, 10 Küstentorpedobooten, 4 Wachtbooten, 1 Minenboot, 1 Schulschiff, 2 Transportdampfern und etwa 16 Spezialschiffen, darunter 3 Segler. Als Hilfskreuzer sind außerdem verwendbar 5 Handelsdampfer. Kriegshäfen sind Buenos Aires und Puerto Belgrano (bei Bahia Blanca). Dack Marinepersonal zählte 1901: 322 Seeoffiziere, 7498 Unteroffiziere, Matrosen und Heizer, 130 Kadetten, 600 Schiffsjungen. Das Wappen ist ein von Blau über Silber quergeteilter Schild, unten zwei verschlungene Hände, einen Stab mit der Freiheitsmütze haltend. Über dem Schild eine ausgehende Sonne (s. Tafel »Wappen III«). Die Nationalflagge ist blauweiß-blau gestreift (s. Tafel »Flaggen I«).

Geschichte.

Die Mündung des La Plata-Stromes wurde zuerst 1512 von zwei ungenannten portugiesischen Seefahrern im Auftrag des Nuno Manoel entdeckt. Doch erfolgte, da das Land Schätze nicht zu bergen schien, von Portugal aus keine förmliche Besitzergreifung, so daß 1515 Diego de Solis es für Spanien besetzen konnte. Nachdem Magalhães 1520 die Mündung berührt hatte, fuhr Sebastian Cabot 1527 den La Plata hinauf und erbaute unter 34° südl. Br. das Fort San Espiritu. Als erster Adelantado (Zivil- und Militärgouverneur) gründete Pedro de Mendoza 2. Febr. 1535 die Stadt Buenos Aires. Der eigentliche Eroberer des La Plata-Landes war aber der 1555 zum Adelantado ernannte Martinez de Irala. Um 1610 begann die erfolgreiche Tätigkeit der Jesuiten am obern Parana (s. Paraguay). 1620 wurden die Länder südlich vom Zusammenfluß des Parana und Paraguay als Gobierno del Rio de la Plata unter eine besondere Regierung gestellt und in drei Provinzen, Tucumán, Buenos Aires und Paraguay, geteilt. Ein drückendes Monopolsystem machte ein Gedeihen dieser Kolonien unmöglich, und ein maßloser Schleichhandel, der besonders von den Portugiesen betrieben wurde, die 1680 Buenos Aires gegenüber die Kolonie Sacramento gegründet hatten, brachte die Spanier um alle Handelsvorteile. 1776 wurde aus den La Plata-Ländern ein besonderes spanisches Vizekönigreich mit der Hauptstadt Buenos Aires gebildet, das außer Argentinien noch Uruguay, Paraguay und Bolivia umfaßte und 1782 in acht Intendanzen geteilt wurde. Nach Vertreibung der Portugiesen aus Sacramento (1776) nahm man ein liberales Handelssystem an, infolgedessen Buenos Aires rasch aufblühte. Wegen der Allianz Spaniens mit Frankreich bemächtigten sich die Engländer unter Popham 27. Juni 1806 der Stadt Buenos Aires, wurden aber 12. Aug. von der Bevölkerung wieder vertrieben. Erst die Berufung eines Bonaparte auf den spanischen Thron (1808) rief eine nationale Kreolenpartei ins Leben, an deren Spitze Mariano Moreno stand. Der von der spanischen Zentraljunta gesandte neue Vizekönig Cisneros regierte so willkürlich, daß die Kreolen einen Kongreß zu stande brachten, der ihn nach Europa zurückschickte. Da Spanien alle Vermittelungsvorschläge hartnäckig zurückwies, so war damit das Signal zum Abfall gegeben. Der Vizekönig Liniers ward wiederholt geschlagen und endlich in Buenos Aires erschossen. 1811 ward auch in Paraguay der spanische Gouverneur vertrieben, und die Schlachten bei Tucuman (24. Sept. 1812) und von Salta (21. Febr. 1813) befreiten das ganze Gebiet des La Plata von spanischen Truppen.

Nun trat 31. Jan. 1813 eine konstituierende Versammlung zusammen, doch entstand sofort Streit zwischen Buenos Aires und den Provinzen, und eck machte sich ein scharfer Gegensatz geltend zwischen den europäisch gebildeten Porteños (Einwohnern der Hauptstadt) und den rohen, halbwilden Gauchos, die von den Resten der gotischen (spanischen) Partei aufgereizt wurden. Da die Herrschsucht der Porteños[746] den Abfall der Banda Oriental (Uruguays) und Paraguays zur Folge hatte, auch Oberperu an die Spanier verloren ging, gab Buenos Aires nach. Eine neue Nationalversammlung trat in Tucuman zusammen, erklärte 9. Juli 1816 die Unabhängigkeit der vereinigten Provinzen des Rio de la Plata und beschloß 3. Dez. 1817 ein provisorisches Grundgesetz, das auf einem Kongreß in Buenos Aires 30. April in eine Verfassung umgewandelt wurde. Damit war von vornherein der Gegensatz zweier Parteien gegeben, der Unitarier oder Zentralisten, die eine starke Zentralgewalt herstellen wollten, und der Föderalisten, die für die Unabhängigkeit der einzelnen Provinzen waren. Beide Parteien bekämpften sich hartnäckig und führten einen unaufhörlichen Wechsel der Regierungen herbei, so daß sich der Staat gänzlich aufzulösen drohte. Endlich vereinigte sich der Föderalist Rodriguez mit dem Unitarier Rivadavia zu einer gemeinschaftlichen Regierung, die sich zunächst auf Buenos Aires beschränkte und für dieses 3. Aug. 1821 eine Volksvertretung berief. Darauf schloß Buenos Aires mit den Provinzen Corrientes, Entre Rios und Santa Fé den sogen. einseitigen Vertrag vom 25. Jan. 1822 und lud die übrigen Provinzen zum Beitritt ein. Diese sahen ein, daß sie ohne die Hauptstadt, die den einzigen Hafen bildete und Handel und Verkehr beherrschte, nichts bedeuteten, und beschickten im Dezember 1824 einen Generalkongreß in Buenos Aires, der am 23. Jan. 1825 ein vorläufiges Grundgesetz beschloß; Buenos Aires ward mit der Leitung der auswärtigen Angelegenheiten betraut. Die Konstitution vom 24. Dez. 1826 war ein Sieg der Unitarier, indem eine starke Zentralregierung eingesetzt und Rivadavia als Generalkapitän von Buenos Aires zur Präsidentschaft der Föderation gelangte, war aber nicht von langer Dauer, da mehrere Provinzen sich weigerten, sie anzuerkennen. Rivadavia dankte schon 7. Juli 1827 wieder ab, und 1829 verschaffte der Gauchohäuptling Rosas (s. d.) den Föderalisten den Sieg. Er wurde zum Gouverneur von Buenos Aires sowie zum Haupte der Konföderation erwählt und im August 1830 mit diktatorischer Gewalt bekleidet. Doch artete Rosas' Herrschaft immer mehr in grausamen Terrorismus aus.

Nach außen hin wußte Rosas anfangs seine Würde mit Geschick zu wahren. Doch verwickelte er sich bald in gefährliche Streitigkeiten. Paraguay wollte er nicht als einen unabhängigen Staat gelten lassen, ebenso mischte er sich in die innern Verhältnisse Uruguays ein und unterstützte den Präsidenten Oribe gegen Ribera, für den Frankreich und England eintraten. Diese Mächte stellten endlich dem Diktator 23. Juni 1845 ein Ultimatum, worin sie die Anerkennung der Unabhängigkeit Uruguays forderten. Auf Rosas' abweisende Antwort erklärten sie den Krieg, dem sich Paraguay, Uruguay und Brasilien anschlossen. Das argentinische Geschwader wurde 2. Aug. 1845 vor Montevideo von der französisch-englischen Flotte genommen und die Küste Argentiniens blockiert. Zwar schloß Rosas 24. Nov. 1849 mit England und 30. Aug. 1850 mit Frankreich ziemlich günstige Friedensverträge; aber inzwischen war seine Macht erschüttert worden. Der Gouverneur von Entre Rios, Urquiza. fiel von Rosas ab, schloß 29. Mai 1851 mit Brasilien und Uruguay einen geheimen Vertrag und überschritt nach Unterdrückung Oribes in Uruguay mit 28,000 Mann den Paraná. Nachdem der Vortrab der Argentinier von Urquiza gesprengt worden, wurde ihre Hauptmacht 3. Febr. 1852 bei Monte Caceros besiegt. Rosas floh nach Buenos Aires und von da nach Europa; die Hauptstadt unterwarf sich ebenso wie die übrigen Provinzen dem Sieger. Über die Neugestaltung der Verfassung aber brach sofort ein neuer Konflikt aus zwischen Buenos Aires, das seine bevorzugte Stellung nicht aufgeben wollte, und den Provinzen, die volle Gleichberechtigung verlangten. Zeitweilig durch Verträge gemildert, dauerte der Wettstreit an, bis Buenos Aires nach dem ungünstigen Treffen von Cepeda (11. Nov. 1859) durch Vertrag vom 11. Nov. 1860 sich der Argentinischen Konföderation wieder anschloß und als Hauptstadt zum Sitz des Kongresses und der Bundesregierung bestimmt wurde. Jedoch die Ansprüche von Buenos Aires auf die politische Suprematie riefen schon 1861 einen neuen Kampf hervor, in dem die Truppen von Buenos Aires unter Führung des Generals Mitre (s. d.) 17. Sept. bei Pavon siegten, worauf sich der Kongreß von Paraná auflöste. Nun wurde Mitre im September 1862 zum Präsidenten der Konföderation gewählt. Buenos Aires wurde für die nächsten 5 Jahre zum Sitz der Zentralbehörden bestimmt, aber zugleich der Fortbestand der autonomen Stellung dieser Provinz und aller ihrer besondern Rechte gesichert.

Die Bevorzugung von Buenos Aires erregte fortgesetzt in andern Provinzen Unzufriedenheit. Auch wurde das Land wiederholt durch Streifzüge der Indianerstämme belästigt. Dazu kam die schlechte Finanzlage. Gleichwohl befestigte Mitre durch Bank- und Finanzgesetze, Begünstigung der europäischen Einwanderung u.a. sein Ansehen. Nur ließ er sich ebenfalls auf eine Einmischung in die innern Verhältnisse Uruguays ein und leistete der aufständischen Partei daselbst, den Colorados (Liberalen) unter General Flores, wirksamen Beistand, so daß die konservative Regierung gestürzt und Flores zum Gouverneur von Uruguay erhoben wurde. Diese auch von Brasilien unterstützte Intervention in Uruguay reizte den Diktator von Paraguay, Lopez, aufs äußerste. Er verlangte plötzlich von der Argentinischen Republik die Erlaubnis des Durchmarsches durch die Provinz Corrientes, um einen Einfall in Uruguay zu machen, und erklärte, als dies abgelehnt wurde, sofort den Krieg. Nun kam das schon vorbereitete Bündnis zwischen der Argentinischen Republik, Brasilien und Uruguay 4. Mai 1865 zum Abschluß, und der Krieg zwischen diesen drei Mächten und Paraguay brach aus. Anfangs führte Mitre den Oberbefehl, kämpfte aber in verschiedenen Gefechten mit mehr Ruhm als Erfolg. Dann stockten die militärischen Unternehmungen, da Brasilien, das die meisten Streitkräfte stellte, den Oberbefehl beanspruchte. Erst Anfang 1868 gestand die A. R. dies zu, und Mitre kehrte nach Buenos Aires zurück. Nun wurde der Krieg gegen Lopez von dem Marschall Caxias, dann dem Grafen d'Eu, planmäßiger und energischer geführt und der hartnäckige Widerstand des Diktators Lopez 1870 endlich überwunden. Der definitive Friede zwischen dem gänzlich erschöpften Paraguay und der Argentinischen Republik kam erst 3. Febr. 1876 zu stande und brachte letzterer nur unbedeutende Gebietsabtretungen, einen geringen Ersatz für die Opfer, die der Krieg und die durch diesen ins Land geschleppte Cholera verursacht hatten.

Nach Ablauf der Amtsperiode Mitres wurde trotz seiner Ränke 12. Ott. 1868 der gemäßigte Föderalist Sarmiento zum Präsidenten gewählt. Derselbe suchte den Volksunterricht auszudehnen und zu heben, Ackerbau und Handel zu fördern und durch Einwanderung dem Lande neue Kräfte zuzuführen. Nach[747] dessen Rücktritt trat Avellaneda (s. d.), ebenfalls Föderalist, das Amt des Präsidenten an. Mitre versuchte gegen diesen einen Aufstand, wurde aber 28. Nov. 1874 geschlagen und gefangen genommen. Die Regierung Avellanedas war im übrigen friedlich, und das Land machte materiell und geistig Fortschritte. Die Einwanderer aus Europa trugen dazu bei, Ackerbau und Industrie, Handel und Gewerbe zu beleben. Straßen und Eisenbahnen wurden gebaut, Ordnung und Ruhe überall hergestellt; auch der Streit mit Chile über die Grenzen in Patagonien wurde durch Vertrag vom 23. Juli 1881 geschlichtet. Die Neuwahl des Präsidenten 1880 ging nicht ohne Unruhen ab. Aber trotz des anfänglichen Widerstandes von Buenos Aires wurde Roca (s. d.), der Kandidat der Regierung, gewählt und trat 12. Okt. 1880 sein Amt an. Buenos Aires wurde zur Hauptstadt der Republik gemacht und föderalisiert, d.h. der Verwaltung der Nationalregierung direkt unterstellt; zum Sitz der Provinzialregierung von Buenos Aires wurde die neue Stadt La Plata bestimmt. Roca verwaltete die Präsidentschaft die ganze sechsjährige Amtszeit über in ungestörter Ruhe und fast unumschränkt. Im ganzen regierte er mit Erfolg, nur vermehrte er allzusehr die Schuldenlast des Staates durch viele Anleihen. Sein Nachfolger war 1886 sein Schwager Celman (s. d.), der, wie Roca, namentlich auf die Kräftigung der Zentralgewalt bedacht war, dessen Minister jedoch alle staatswirtschaftlichen und geschäftlichen Unternehmungen so übereilten, daß die aufgenommenen Staatsschulden die Kräfte des Landes weit überstiegen und die Zahlung der Zinsen immer schwieriger wurde. Die Regierung ließ daher heimlich immer mehr Noten ausgeben, dazu kam die Unredlichkeit der Beamten und die Spekulationswut der herrschenden Klassen; öfter sanken die Pfandbriefe auf weniger als die Hälfte des Goldwertes, und das Goldaufgeld stieg so hoch, daß man 300 Pesos Papier für 100 Pesos Gold bezahlen mußte. Gegen dieses Treiben versuchte 1890 die Union Civica einen Aufstand ins Werk zu setzen, der nach vorübergehenden Erfolgen zwar blutig unterdrückt wurde, dennoch aber die Abdankung Celmans zur Folge hatte. An seine Stelle trat interimistisch der bisherige Vizepräsident Pelegrini, und General Roca wurde mit der Bildung eines Kabinetts beauftragt. Der neue Finanzminister beantragte sofort die Ausgabe von 60 Mill. Schatzscheinen und die Aufnahme einer auswärtigen Anleihe von 20 Mill. Pesos Gold, um die fälligen Schuldenzinsen bis Ende 1891 voll bezahlen zu können, was auch vom Kongreß genehmigt wurde. Allein der Staatsbankrott war nicht mehr aufzuhalten, und die Nation konnte ihre Verpflichtungen 1. Jan. nur durch Bewilligung eines einjährigen Aufschubs der Verzinsung und Amortisation ihrer äußern Schuld scheinbar erfüllen. Bei der Eröffnung des Nationalkongresses 9. Mai 1891 entrollte der Präsident ein trauriges Bild. Er gab den Stand der Staatsschuld auf 157,100.330 Pesos Gold an (628,401,320 Mk.) bei einer Seelenzahl von etwa 4 Mill.; in keinem Lande der Welt habe die Spekulation so ungeheure Verhältnisse angenommen wie dort während der letzten Jahre. Die Staatsbahnen seien verkauft worden, damit der Erlös zur Tilgung der auswärtigen Schuld verwendet werde, würfen aber keinen Nutzen ab, und die Regierung bezahle nun in Form von Garantien beinahe dieselben Beträge, die sie früher für die betreffenden Baukostenanleihen zu entrichten hatte, habe aber keine Bahnen mehr. Der zur Untersuchung der argentinischen Nationalbank niedergesetzte Ausschuß förderte die unglaublichsten Dinge zu Tage. Alle 14 Banken, deren Emissionen der Staat garantiert hatte, waren rein politische Anstalten, über die der jeweilige Präsident verfügte. Innerhalb dreier Jahre hatte man das Geld der Depositoren einfach unter Präsidenten, Gobernadoren u.a. gegen ihre Unterschriften verteilt. Nun schuldeten die Nationalbank und die Provinzialbank von Buenos Aires allein an ihre Depositare über 300 Mill. und hatten zur De-kung dieser Schuld nur wertlose Unterschriften. Die Regierung ordnete darauf im Einverständnis mit dem Kongreß die Einführung des Zwangskurses für Papiergeld an, verfügte eine Neuausgabe von 45 Mill. Papiergeld, setzte eine Prämie für Gold auf 150 Proz. fest und ermächtigte zur Einstellung der Goldzahlungen während zweier Jahre. Unter solchen Umständen wurde bei der Neuwahl 1892 Saenz Peña zum Präsidenten erwählt. Bei einer Staatsschuld von 49 Mill. Doll. in Papier und 407 Mill. in Gold, die eine jährliche Verzinsung von 11/2 Mill. in Papier und 251/4 Mill. in Gold erforderte, war die Wiederaufnahme der Bar zahlung unmöglich. Die neue Regierung bemühte sich nach Kräften, der Finanznot durch Sparsamkeit und gütliches Übereinkommen mit den auswärtigen Gläubigern abzuhelfen. Zugleich suchte sie durch eine Verständigung mit Chile über die patagonische Grenzfrage dem Ausbruch eines Krieges mit der Nachbarrepublik vorzubeugen. Indes die Parteiverhältnisse störten immer wieder diese Bemühungen. Da die herrschende Partei ihre Anhänger nicht mehr, wie früher, bereichern konnte, lockerte sich der Zusammen halt. Schon 1893 kam es zu Aufständen, die in einen Krieg aller gegen alle ausarteten. Diesen Schwierigkeiten zeigte sich Peña nicht gewachsen. Indem der Kongreß im Januar 1895 den Erlaß einer allgemeinen Amnestie, auch für die aufständischen Offiziere, forderte, zwang er den Präsidenten zur Abdankung. Sein Nachfolger wurde der bisherige Vizepräsident Uriburu, der schon während des Krieges mit Paraguay Minister gewesen, dann 20 Jahre außer Landes in diplomatischer Stellung war. Er wählte zu Ministern Männer zumeist aus der Nationalpartei. Mit Chile wurde 26. April 1896 ein Vertrag abgeschlossen, der die Entscheidung des lange schwebenden Streites, ob die Grenze zwischen Argentinien und Chile in Patagonien durch die Wasserscheide oder die höchsten Erhebungen der Kordilleren gebildet werden solle, dem Schiedsspruch der Königin von England unterwarf. Nach Ablauf seiner Amtszeit beriefen die Neuwahlen fast einstimmig den General Roca zum zweitenmal an die Spitze des Staates. Er trat 12. Okt. 1898 sein Amt an und ernannte ein neues Ministerium, dessen Zusammensetzung die öffentliche Meinung durchaus billigte. In dem Streit mit Chile über die Grenze in Patagonien entstand ein neuer Zwist über die Puna de Atacama, ein ödes Hochland zwischen dem 23. und 27.° südl. Br., das früher zur Republik Bolivia gehörte, nach der Besiegung der Bolivianer 1881 aber von Chile beansprucht wurde. Doch trat Bolivia die Puna 1894 in einem geheimen Vertrag an Argentinien ab, was aber Chile nicht zulassen wollte. Erst 1898 wurde die Entscheidung der Frage über den Besitz der Puna de Atacama von Argentinien und Chile einem Schiedsgericht von fünf Notabeln aus jedem Staat übertragen, das im März 1899 in Buenos Aires zusammentrat, aber zu keinem gemeinschaftlichen Spruch kam, und der Vereinbarung beider Republiken gemäß fiel nun die endgültige Entscheidung[748] dem Gesandten der Vereinigten Staaten zu. Dieser stellte eine Grenze fest, durch die der weitaus größte Teil des streitigen Gebiets Argentinien zugesprochen wurde. Seitdem herrscht, trotz mehrfacher Verständigungsversuche, zwischen Argentinien und Chile eine Spannung, die wiederholt kriegerische Besorgnisse hervorgerufen hat. Sie ist dadurch nicht vermindert worden, daß Chile, entgegen den Wünschen Argentiniens, die Teilnahme an dem zweiten panamerikanischen Kongreß in Mexiko, 1901, davon abhängig machte, daß die argentinische Grenzfrage dort nicht berührt werde. Die Haltung Argentiniens wird vorwiegend durch die mißliche Finanzlage bedingt. Trotz steigender Einkünfte ist an die Wiederaufnahme des vollständigen Dienstes der äußern Schuld in den nächsten Jahren noch nicht zu denken. Verständigerweise hat sich Präsident Roca bemüht, das Gleichgewicht im Budget nicht nur durch Ersparnisse herzustellen, sondern ist durch Förderung gemeinnütziger Anlagen auch auf Erhöhung der Einnahmen bedacht gewesen. Besonders hat er dabei die Erschließung der reichen südlichen Gebiete durch Eisenbahnen und Landstraßen im Auge; auch hofft er durch die Verbindung des argentinischen Eisenbahnnetzes mit dem Stillen Ozean über La Paz und Puerto Perez den Provinzen des Nordwestens, Jujuy, Salta und Tucuman, einen bequemern Zugang zum Weltmarkt zu eröffnen und eine rationellere Verwertung ihrer reichen natürlichen Schätze zu ermöglichen Der Kongreß hat ihn darin aber nur mangelhaft unterstützt. Zur Unterstützung gegen Chile fand Argentinien nähern Anschluß an Brasilien, Peru und Bolivia, mit denen im Herbst 1900 ein Bündnis gegen die angeblichen Ausdehnungsgelüste Chiles zu stande kam. Auch mit Uruguay kam auf schiedsgerichtlichem Weg eine Grenzberichtigung zu stande. Gegen die nordamerikanische Bevormundungssucht regte es sich auch in Argentinien. Die Einladung zu einem ibero-amerikanischen Kongreß in Madrid 1900 ward bereitwillig angenommen; die dort erreichte Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls der spanisch-amerikanischen Republiken untereinander und gegenüber dem Mutterland ist nicht zu verkennen.

[Literatur.] Vgl. Bovio, Geografia de la Republica Argentina (Buenos Aires 1888); Latzina, Geografia de la Republica Argentina (das. 1891); Derselbe, Diccionario geografico argentino (2. Ausg., das. 1894); Guilaine, La Republique Argentine physique et économique (Par. 1889); Burmeister, Physische Beschreibung der Argentinischen Republik (Bd. 1, Buenos Aires 1875; Bd. 2 franz., Par. 1876); Child, The Spanish-American Republics (New York 1891); Turner, Argentina and the Argentines (Land. 1892); Mulhall, Handbook of the River Plate Republics (6. Aufl. 1893); Aleman, Bilder aus der Argentinischen Republik (Buenos Aires 1877); Friedrich, Die La Plata-Länder (Hamb. 1884); Reisewerke von H. Burmeister (Halle 1861), Tschudi (»Reisen durch Südamerika«, Bd. 5, Leipz. 1869), Zöller (Stuttg. 1884), Modrich (Mail. 1890), W. Kreuth (Wien 1891); Hudson, The Naturalist in La Plata (3. Aufl., Lond. 1895); Habel, Ansichten aus Südamerika (Berl. 1897); Moreno, Apuntas preliminares etc. (La Plata 1897); Fließ, La producción agricola y ganadera de la Republica Argentinaen el año 1891 (Buenos Aires 1893); Zapeta, Memoria presentado al Congreso Nacional (das. 1892–95, 3 Bde.); Märtens, Südamerika unter besonderer Berücksichtigung Argentiniens (Berl. 1899); Wiener, La République Argentine (Par. 1899); Lix-Klett, Estudios sobre producción, comercio, finanzos etc. de la Republica Argentina (Buenos Aires 1900); Kaerger, Landwirtschaft und Kolonisation im spanischen Südamerika, Bd. 1: Die La Plata-Staaten (Leipz. 1901); Lorini, La Republica Argentina ei suoi problemi di economia e di finanza (Rom 1902); Martinez, Les finances de la Republique Argentine (Par. 1898); Daireaux, Republique Argentine; les lois et la constitution (das. 1889, 2 Bde.); Lehmann, Die Rechtsverhältnisse der Fremden in Argentinien (Buenos Aires 1889); Borchardt, Das argentinische Handelsgesetzbuch vom 5. Okt. 1889 (Berl. 1895); Schriften für Auswanderer von Beck-Bernard (Leipz. 1883), Greger (Basel 1884), Latzina (Leipz. 1884), Andrießen (Leiden 1889), Heußer, Wodon, Schulz. – Karten vom Instituto geogr. Argentino, unter Leitung von Seelstrang (28 Blätter mit Text, Buenos Aires 1894), Brackebusch (13 Blätter, Gotha 1891), Durlout (von Argentinien und von der Provinz Buenos Aires, beide Buenos Aires 1890); J. Rohde (1: 2,500,000,4 Bl., das. 1896); Verkehrskarte von Drigalsky und Ludwig (Par. 1897).

Zur Geschichte: Dominguez, Historia Argentina (Buenos Aires 1861; engl., das. 1865); Lopez, Historia de la Republica Argentina (das. 1883, 2 Bde.); L. Schneider, Der Krieg der Tripelallianz gegen die Regierung der Republik Paraguay (Berl. 1871–75, 3 Bde.), Mitre, Comprobacion historica acerca de algunos puntos de historia Argentina segun nuevos documentos (Buenos Aires 1882); Varela, La Republique Argentine et le Chili. Histoire de la demarcation de leurs frontières (das. 1899, 2 Bde.); Garcia Merou, Historia de la Republica Argentina (das. 1900, 2 Bde.).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1905, S. 742-749.
Lizenz:
Faksimiles:
742 | 743 | 744 | 745 | 746 | 747 | 748 | 749
Kategorien:

Buchempfehlung

Klopstock, Friedrich Gottlieb

Hermanns Schlacht. Ein Bardiet für die Schaubühne

Hermanns Schlacht. Ein Bardiet für die Schaubühne

Von einem Felsgipfel im Teutoburger Wald im Jahre 9 n.Chr. beobachten Barden die entscheidende Schlacht, in der Arminius der Cheruskerfürst das römische Heer vernichtet. Klopstock schrieb dieses - für ihn bezeichnende - vaterländische Weihespiel in den Jahren 1766 und 1767 in Kopenhagen, wo ihm der dänische König eine Pension gewährt hatte.

76 Seiten, 5.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Dass das gelungen ist, zeigt Michael Holzingers Auswahl von neun Meistererzählungen aus der sogenannten Biedermeierzeit.

434 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon