Basken

[427] Basken (Baskonier, span. Vascongados, in ihrer eignen Sprache Euskaldunak, d. h. Menschen, die Euskara reden), ein kleines Volk auf beiden Abhängen der Pyrenäen, in Spanien in den Provinzen Vizcaya, Guipuzcoa u. Alava (den baskischen Provinzen, Vascongadas) sowie in einem Teil von Navarra wohnhaft, in Frankreich in den Arrondissements Mauléon und Bayonne (Depart. Niederpyrenäen), im ganzen reichlich 500,000 Seelen, wovon 4/5 auf Euskalearia (das spanische Baskenland) und nur 1/5 auf Heskualherriak (das französische Baskenland) entfallen. Eine starke Auswanderung, besonders in den Jahren 1865–75, hat mehr als 200,000 B. nach Argentinien, Mexiko und Cuba geführt. Die B. verlieren immer mehr an Terrain, weil der Gebrauch der baskischen Sprache in Schule und Kirche, vor Gericht und bei den Regierungsämtern gesetzlich verboten und die 1394 veranstaltete Gesetzsammlung (Fueros) nicht mehr in baskischer, sondern in spanischer Sprache im Gebrauch ist. Über die Sprache der B. vgl. Art. »Baskische Sprache und Literatur«. Der ursprüngliche Typus der B. ist brachykephal und findet sich am reinsten in Frankreich, während der spanische Typus zur Dolichokephalie neigt und wohl von den Iberern abzuleiten ist; ebenso findet man dunkles (bei 20,5 Proz. der französischen und 23,4 Proz. der spanischen B. selbst schwarzes) und blondes Haar, dunkle und helle Augen. Männer und Frauen sind von schönem Körperbau und zeichnen sich durch hellere Hautfarbe, Stärke und Gewandtheit vor ihren spanischen und französischen Nachbarn aus. Sie halten vielfach noch an ihrer alten Tracht (rote oder blaue Mütze, ebensolcher Gürtel, kurze Jacke) fest. Ballspiel, Tanz, Gesang und bei den französischen B. jährliche Volksschauspiele sind außerordentlich beliebt. Die Wohnhäuser liegen weit über die Landschaft zerstreut; den Mittelpunkt bildet die Kirche mit wenigen umliegenden Gebäuden. Die B., einst als kühne Schiffer und Walfischfänger berühmt und als verwegene Seeräuber gefürchtet, beschäftigen sich vorzugsweise mit Fischfang, Ackerbau (Mais, Weizen, Öl und Wein sind die Hauptprodukte) und Viehzucht in den Hochtälern. Während die Industrie bei den französischen B. unbedeutend ist, gehören Vizcaya und Guipuzcoa zu den industriereichsten Provinzen Spaniens. Dennoch wandern jährlich viele Männer (Steinbrecher, Maurer, Steinmetzen, Zimmerleute) in andre Gegenden Spaniens, um mit dem Arbeitsverdienst heimzukehren. Auch die Frauen der niedern Stände sind äußerst tätig, sie verrichten die schwersten Arbeiten, wie das [427] Beladen und Entladen der Schiffe in den Häfen. Als sehr gesund sind die baskischen Frauen in ganz Spanien als Ammen gesucht. Die B. sind sämtlich, Reiche wie Arme, stolz auf ihre Geburt; einen Feudaladel kannte man hier niemals, und die Bewohner von Vizcaya galten nach einem Privilegium Johannas von Kastilien in ganz Spanien als Adlige. Die alten politischen Privilegien sind in Frankreich bereits 1789 aufgehoben, in Spanien verschwand nach Unterdrückung der karlistischen Bewegung, die bei den B. immer begeisterte Unterstützung fand, das meiste 1876; noch bewahrt man aber als heilig die Erinnerung an die alte Verfassung, als die Stände (Bilçar) sich unter freiem Himmel zur öffentlichen Beratung versammelten, jede Provinz für sich, die französischen B. bei Ustaritz, die von Vizcaya unter der alten Eiche von Guernica bei Durango, die von Alava in der Ebene von Arriaga bei Vitoria, die von Guipuzcoa abwechselnd in einer der 14 Städte der Provinz.

Geschichte. Die B. sind die Nachkommen der Vaskonen, eines Zweiges der alten Iberer. Von den Römern, die (durch Pompejus) 74 v. Chr. Pompejopolis (Pamplona) gründeten, wurde das Volk nie vollständig unterjocht. Um 580 n. Chr. wurden die B. von dem in Spanien herrschenden Westgotenkönig Leovigild besiegt und so hart behandelt, daß ein Teil von ihnen in das südliche Frankreich auswanderte, das von ihnen den Namen Gascogne erhielt. Von Wamba, König der Westgoten (672–681), wurden aber auch diese Ausgewanderten unterjocht. Obgleich sie sodann den Karolingern sich unterwerfen mußten, nahmen sie doch stets eine besondere Stellung ein und empörten sich wiederholt (so vernichteten sie die Nachhut des fränkischen Heeres 778 im Tal von Roncesvalles). Um 920 bildete sich aus dem Baskenland ein Königreich Navarra (s. d.). Ferdinand der Katholische benutzte die Exkommunikation Johanns III., um ihm 1512 den spanischen Teil seines Landes oder Obernavarra zu entreißen, so daß dem navarrischen Königshaus Albret nur der französische Teil oder Niedernavarra verblieb, das Johanna d'Albret durch ihre Verheiratung mit Anton, dem Vater Heinrichs IV., dem Haus Bourbon zubrachte und ihr Enkel Ludwig XIII. 1620 mit Frankreich vereinigte. Die B. in Spanien behielten stets besondere Freiheiten (Fueros). Erst 1805 wurden diese beschränkt und 1832 von den Cortes mit gänzlicher Aufhebung bedroht. Dies veranlaßte 1833 den Aufstand der B. gegen die konstitutionelle Regierung in Madrid und ihren Anschluß an Don Karlos. Nach Bestätigung der Fueros durch den Vertrag von Vergara 1840 wurden die Feindseligkeiten eingestellt. Aber unter der Regentschaft Esparteros wurden die Fueros der B. 16. Aug. 1841 bedeutend beschränkt. Espartero setzte 6. April 1843 Navarra und die baskischen Provinzen endlich auch in völlige Handelsgemeinschaft mit der übrigen Monarchie durch Aufhebung der innern Zollschranken. Daher standen die B. fast beständig in Opposition zur Zentralregierung in Madrid; die karlistischen Bewegungen 1872–76 hatten dort ihren Hauptsitz. Nach der Unterdrückung dieses letzten Aufstandes wurden abermals die Fueros der B. durch Gesetz vom 9. Juli 1876 wesentlich beschränkt, indem den drei Provinzen nur eine gewisse administrative Selbständigkeit und ihre kommunalen Freiheiten gelassen wurden. Vgl. Mazure, Histoire du Béarn et du pays basque (Par. 1839); Michel, Le pays basque, sa population, sa langue (das. 1857); Garat, Origines des Basques de France et d'Espagne (das. 1869); Bladé, Études sur l'origine des Basques (Toulouse 1869); Cénac-Moncaut, Histoire des peuples pyrénéens (3. Aufl., Par. 1874, 4 Bde., nicht durchaus zuverlässig); Vinson, Les Basques et le pays basque (das. 1882); Fabié, Estudio sobre la organización y costumbres del pais vascongado (Madrid 1897).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1905, S. 427-428.
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