Cyklus

[491] Cyklus, ein aus dem Griechischen entlehnter Ausdruck, der eigentlich Kreis bedeutet und vielfach im bildlichen Sinne angewendet wird. So nennt man z.B. eine Reihe von Schriftstellern oder Dichtern, welche einer gemeinsamen Richtung folgen oder einem gewissen Zeitraume angehören, einen Cyklus; desgleichen versteht man darunter das Gesammtgebiet einer Wissenschaft und gebraucht denselben Ausdruck in der Zeitrechnung gleichbedeutend mit Zeitraum und Periode, namentlich wenn dadurch die Wiederkehr eines bestimmten Verhältnisses bedingt wird. Sonnencyklus heißt daher der Zeitraum von 28 Jahren, nach deren Ablauf Sonn- und Wochentage wieder genau auf dieselben Monatstage fallen. Indem man danach den Tag finden kann, mit welchem ein Jahr beginnt, dient dieser Cyklus zur Bestimmung des Sonntagsbuchstabens, wie derjenige von den ersten sieben Buchstaben des Alphabets heißt, mit welchen die ersten sieben Tage eines Jahres von den alten Zeitrechnern bezeichnet wurden, auf den der erste Sonntag fällt. Der Mondcyklus begreift eine Periode von 19 Jahren, nach der sämmtliche Mondwechsel wieder auf dieselben Tage des Jahres fallen. Er wurde im 3. Jahrh. v. Chr. in den griech. Kalender eingeführt und die Zahl eines jeden Jahres in demselben die güldene Zahl genannt, weil sie in Athen mit goldenen Buchstaben an ein öffentliches Gebäude angeschrieben worden sein soll. Um für ein gewisses Jahr der christlichen Zeitrechnung diese Zahl zu finden, braucht man nur 1 zu der gegebenen Jahrzahl hinzuzurechnen, die Summe mit 19 zu theilen und der Rest gibt die Antwort; es ist daher für 1836 die güldene Zahl 13. Diese und die Sonntagsbuchstaben finden sich immer noch in unsern Kalendern, obgleich sie ihren frühern Werth für die Zeitbestimmung verloren haben.

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Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1837., S. 491.
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