Elster

Elster

[656] Elster (die), Gartenkrähe, auch Hetze, gehört zu den in Deutschland heimischen Krähenvögeln, hat schwarzes, auf dem Rücken grünschillerndes und weißes Gefieder und einen langen Schwanz, an dem, wie bei den Fasanen, die mittelsten Federn die längsten sind.

Ihr Nest, das sie mit einer Decke von Reißig versehen, legen die Elstern auf hohen Bäumen an, rauben kleines und junges Geflügel aller Art, saugen die Eier anderer Vögel aus, verzehren aber auch Mäuse, Aas, Insekten, Obst u.s.w. Im Ganzen sind sie jedoch eher schädliche als nützliche Vögel, und man stellt ihnen daher fleißig nach, duldet sie namentlich nicht in Gärten, wo sie im strengen Winter die Knospen abfressen und die Pfropfreiser in den Baumschulen abtreten. Sie lassen sich auch leicht zähmen und lernen, wenn ihnen die Zunge gelöst worden, mehre Worte nachsprechen, stehlen aber und verschleppen, wie die Raben, gern glänzende Dinge, daher man dergleichen vor ihnen sichern muß. Ihre gewöhnliche Stimme klingt wie Gäckeräk und hat Ähnlichkeit mit dem Lachen mancher Menschen, daher man sagt: er lacht wie eine Elster; ihre Geschwätzigkeit hat zugleich das auf plauderhafte Leute angewendete Sprüchwort entstehen lassen: er hat Elstereier gegessen. Zu den mancherlei fabelhaften und abergläubigen Dingen, die sonst den Elstern zugeschrieben wurden, gehört auch die Behauptung, daß sie bis fünf zählen könnten, und daß sie den Eingang zu ihren Nestern stets der Seite gegenüber anlegten, von der im Laufe des Jahres die meisten Gewitter und Stürme zu erwarten wären.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1837., S. 656-657.
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