Mist

[156] Mist heißen vorzüglich mit Stroh und andern Pflanzenabfällen vermischte thierische Excremente, die gewöhnlich als Düngmittel (s.d.) verwendet werden. Außerdem wird besonders der Stallmist von Pferden und Eseln bei der Gärtnerei zu sogenannten Mistbeeten benutzt, in denen die Wärme, welche der in Gährung gerathende Mist auf längere Zeit entwickelt, die zur Erziehung ausländischer Gewächse, oder auch einheimischer zu ungewöhnlicher Zeit, vom Klima überhaupt oder nur von der Jahreszeit versagte natürliche Wärme ersetzt. Sie werden in warme und lauwarme unterschieden und an trockenen, gegen N. und O. möglichst geschützten Stellen, die ersten auch wol in Warmhäusern, stets aber so angelegt, daß sie den vollen Sonnenschein genießen. Ihre Einfassung besteht aus hölzernen, mitunter auch gemauerten Kasten von 4–5 F. Breite und beliebiger Länge, deren vordere Seite immer niedriger als die hintere und z.B. ungefähr 1 F. hoch ist, wenn letztere 11/2–2 F. hält, sodaß die zunächst als Bedeckung dienenden Glasfenster darauf eine gegen S. schräge Lage erhalten. Wider rauhe Witterung und Kälte dienen hölzerne Laden, Strohmatten und Decken verschiedener Art, auch Umschläge von Mist, Laub und Heu um die Kasten, zum Schutz. Wird die den Grund der Mistbeete bildende, 3–4 F. hohe, gleichmäßig festgetretene Mistlage in einer Grube untergebracht, so heißen sie eingesenkte; man kann aber einen ähnlichen Raum auch durch Mauerwerk oder Bretter gleich auf ebenem Boden herrichten. Auf dieses Mistlager, welches bei weniger warmen Beeten auch minder stark gemacht wird, bringt man nach einigen Tagen die je nach Erfoderniß der Pflanzen gemischte und 7–18 Zoll tiefe Schicht Erde, arbeitet sie mehrmals um und besäet oder bepflanzt sie, wenn sie nur noch eine milde Wärme darbietet. Die Auswahl der zum Erziehen in Mistbeeten oder zum Mistbeettreiben vorzüglich tauglichen Arten der Gewächse, sowie ihre Pflege selbst erfodern viel Aufmerksamkeit. Anleitung dazu geben unter andern: Ritter, »Die künstliche Treiberei der Früchte, Gemüse u.s.w.« (Wien 1834), und Petsch, »Anleitung zur Gemüsetreiberei« (Weißensee 1835).

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 3. Leipzig 1839., S. 156.
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