Hahnemann, Samuel

[117] Hahnemann, Samuel, geboren zu Meißen den 10. April 1755, Doctor der Medicin und herzoglich anhalt-köthenscher Hofrath, der Begründer der Homöopathie, studirte frühzeitig in Leipzig Medicin, mußte sich jedoch aus Mangel an Unterstützung nebenbei mit Unterrichtgeben beschäftigen. 1777 reiste er nach Wien, um seine medicinischen Kenntnisse zu erweitern, hielt sich aber dort nur 9 Monate auf und folgte einem Rufe als Leibarzt und Bibliothekar des Baron von Bruckenthal nach Hermannstadt. Hier erwarb er sich besondere Verdienste um die prächtige von Bruckenthal'sche Bücher- und Münzsammlung, kehrte 2 Jahre darauf nach Deutschland zurück, und verheirathete sich im Frühjahr 1781 mit Henriette Küchlein, der Stieftochter des Apothekers Häseler zu Dessau. Glücklich in seinen Kuren hatte er wegen seiner neuen Heilmethode vielfache Anfechtungen zu bekämpfen, war deßhalb nirgends fixirt und wohnte bald in Dessau, bald in Gommern bei Magdeburg, wo er einige Zeit Stadtphysikus war, bald in Dresden und Leipzig, in Georgenthal bei Gotha, wo er durch die glückliche homöopathische Herstellung des unglücklichen Klockenbring die Aufmerksamkeit[117] aller seiner Zeitgenossen auf sich zog, in Braunschweig, Hamburg, Torgau, Eilenburg, Schilda etc. 1820 wurde er Leibarzt des Herzogs von Anhalt-Köthen. Zwar gelang es ihm nicht, den Fürsten von Schwarzenberg im Jahre 1823 zu Leipzig durch homöopathische Heilmittel wieder herzustellen, aber durch viele andere glänzende Kuren, als auch durch seine Schriften, unter welchen sein Organon das wichtigste ist, hat er die Aufmerksamkeit der ganzen civilisirten Welt auf sich gezogen. Nicht leicht ist ein 50jähriges Doctorjubiläum glänzender gefeiert worden als das seinige am 10. August 1829, welches als ein Jubelfest aller Homöopathen zugleich der Stiftungstag einer zahlreichen homöopathischen Gesellschaft wurde. Hahnemann, jetzt 80 Jahr alt, hat sich im Januar 1835 zum zweiten Male mit Melanie d'Herville vermählt und lebt seitdem in Paris.

K.

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 5. [o.O.] 1835, S. 117-118.
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