Preßluftgründungen

[616] Preßluftgründungen. Sollen in großer Wassertiefe ausgedehnte Mauermassen ausgeführt werden, nachdem vorher mit Hilfe eines Baggers der tragbare Boden bloßgelegt worden ist, so erhalten in neuester Zeit die Arbeitskammern so große Oberflächen und deshalb ein so großes Gewicht, daß es ausgeschlossen[616] ist, dieselben an einem schwimmenden Gerüste aufzuhängen und mit Schrauben und Ketten heben und senken zu können.

Man baut in diesem Falle ausgedehnte Schwimmcaissons, deren in dem Art. »Taucherapparate und Taucherglocken« (Bd. 8, S. 421) summarisch Erwähnung geschieht, die aber ihrer stets wachsenden Bedeutung zu großen Bauarbeiten wegen hier eingehender beschrieben werden sollen.

Sie bestehen aus drei Teilen: 1. der Arbeitskammer, in welcher die Bauarbeit nach Verdrängung des Wassers durch Preßluft ausgeführt werden soll; 2. über deren Decke und fest mit derselben verbunden die sogenannte Gleichgewichtskammer, welche allseitig geschlossen ist, die gleiche Oberfläche besitzt wie die Arbeitskammer, hingegen eine größere Höhe als jene. Sie hat den Zweck, die Arbeitskammer zu heben und zu gestatten, dieselbe auch seitlich zu verstellen. Es wird dies dadurch ermöglicht, daß man sie mit Wasser gefüllt läßt, wenn in der Arbeitskammer unter Luftdruck gearbeitet wird, dagegen die Luft aus der Arbeitskammer in dieselbe übertreten läßt und deren Wasserfüllung durch Bodenklappen verdrängt, auch sonst noch Luft einführt, um sie ganz von Wasser zu entleeren, wenn es sich darum handelt, die nun mit Wasser gefüllte Arbeitskammer zu heben und zu verstellen. Die Gleichgewichtskammer spielt also die Rolle eines Schwimmers; 3. auf der Decke dieser Gleichgewichtskammer befindet sich eine Anzahl unten geschlossener, oben offener Schächte, die jederzeit, auch bei der tiefsten Stellung der Arbeitskammer, über Wasser reichen und mehr oder weniger mit Wasser gefüllt sein müssen. Sie dienen dazu, die Standfestigkeit des Caissons zu sichern und sind deshalb beim Aufsitzen derselben auf dem Boden ganz mit Wasser gefüllt zu halten, beim Heben derselben, je nach der Hubhöhe, durch Auspumpen teilweise zu entleeren.

Der erste dieser Schwimmcaissons wurde in Genua zum Bau zweier Trockendocks in Eisen mit 38 m Länge und 34 m Breite ausgeführt (s. Taucherapparate und Taucherglocken, Bd. 8, S. 421, Fig. 4). Seither wurden mit bescheideneren Abmessungen zu wiederholten Malen solche Schwimmcaissons verwendet. – In der letzten Zeit fand der armierte Beton auch zu solchen Konstruktionen Verwendung; so wurden im italienischen Seearsenal zu Venedig zwei Glocken von 30 × 18 m nach dem nämlichen Grundsatz gebaut und mit Erfolg verwendet.

Zschokke.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 9 Stuttgart, Leipzig 1914., S. 616-617.
Lizenz:
Faksimiles:
616 | 617
Kategorien: