Amāri

[408] Amāri, Michele, ital. Geschichtsforscher und Orientalist, geb. 7. Juli 1806 in Palermo, gest. 16. Juli 1889. Nachdem sein Vater 1822 als Teilnehmer an einer Verschwörung erst zum Tode verurteilt, dann zu lebenslänglicher Hast begnadigt war, in der er früh starb, lebte A. in bedrängten Verhältnissen von einem kleinen Amte. Seine Muße widmete er der sizilischen Geschichte und veröffentlichte 1834 seine »Fondazione della monarchia dei Normanni in Sicilia«, 1841 aber seine berühmte Geschichte der Sizilianischen Vesper: »Un periodo delle istorie siciliane del secolo XIII«. Die Bourbonische Regierung verbot das Buch und verhaftete den Verleger. A. floh nach Paris, wo er sein Werk unter dem Titel: »La guerra del Vespro Siciliano« neu drucken ließ (9. vermehrte Aufl., Mail. 1886, 3 Bde.; in viele Sprachen übersetzt; deutsch von Schröder, Leipz. 1851, 2 Bde.). Beim Ausbruch der Revolution 1848 nach Sizilien zurückgekehrt, ward er Vizepräsident im Kriegsausschuß, darauf Finanzminister und ging dann als Gesandter nach Frankreich und England. In Paris veröffentlichte er die Flugschrift »La Sicile et les Bourbons« (1849). Die Restauration trieb ihn im Sommer 1849 abermals in die Verbannung, aus der er erst 1859 zurückkehrte, um den Lehrstuhl der arabischen Sprache, deren Studium er sich unterdes gewidmet hatte, in Pisa, dann in Florenz einzunehmen. 1860 übernahm er nach der Eroberung Siziliens unter Garibaldi das Ministerium des Unterrichts und der auswärtigen Angelegenheiten. Nach dem Anschluß Siziliens an das Königreich Italien zum Senator ernannt, verwaltete er 1862 bis 1864 das Unterrichtsministerium und übernahm dann wieder seine Professur, die er erst 1878 niederlegte, um nach Rom überzusiedeln. Seine wichtigsten weitern Veröffentlichungen sind: »Storia dei Musulmanni di Sicilia«, sein zweites Hauptwerk (Flor. 1853 bis 1873, 3 Bde.); »Biblioteca arabo-sicula«, eine Sammlung arabischer Geschichtsquellen (Leipz. 1855 bis 1857; Nachträge 1875, 1887 u. 1889), und die ital. Übersetzung derselben (Turin u. Rom 1880–81); »Racconto popolare del Vespro Siciliano« (Rom 1882); »Altre narrazioni del Vespro Siciliano« (Mail. 1887). Seinen Briefwechsel gab A. d'Ancona heraus (Turin 1896, 2 Bde.).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1905, S. 408.
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