Anstand [1]

[561] Anstand (lat. Decorum), die Wahrung solcher Formen des äußern Verhaltens, die der Würde der sittlichen Persönlichkeit im Menschen entsprechen oder für derselben entsprechend gehalten werden. Die Verletzung dieser Würde, sei es in der eignen Person (durch mangelhaftes Beherrschen der rein tierischen Naturäußerungen), sei es in andern, macht die Unanständigkeit aus. Da der A. sich nur auf die Form der Handlungen bezieht, so ist er von der Sittlichkeit, welche die Gesinnung betrifft, wohl zu unterscheiden, doch kann die Ausbildung desselben in der Erziehung und in der Entwickelung der Völker als eine Vorstufe und Vorbereitung der Sittlichkeit gelten. – Unter Anstandsrollen versteht man im Theaterwesen solche Rollen, die Haltung und Benehmen der höhern Gesellschaft und feinern Bildung zur Darstellung bringen, ohne besondere Charaktereigenschaften zu entwickeln oder in die Handlung entscheidend einzugreifen.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1905, S. 561.
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