Dreyse

[204] Dreyse, 1) Nikolaus von, Techniker, geb. 20. Nov. 1787 in Sömmerda bei Erfurt, gest. daselbst 9. Dez. 1867, erlernte das Schlosserhandwerk, arbeitete seit 1806 in Altenburg, Dresden und 1809 in Paris, kehrte 1814 nach Sömmerda zurück und gründete mit Kronbiegel eine Eisenwarenfabrik. Hier wandte er sich der Verbesserung der Gewehre zu und gründete die Zündhütchenfabrik D.-Collenbusch. Die Bemühungen, eine Einheitspatrone zu schaffen, also die Zündung nach dem Gewehrinnern zu verlegen, führte 1827 zur Erfindung des Zündnadelgewehrs, das D. 1836 in einen Hinterlader verwandelte, der, zunächst als Geheimnis behandelt, in die preußische Armee Ende der 1840er Jahre eingeführt wurde. Von der Regierung wurden D. die Mittel zur Errichtung einer Gewehr- und Gewehrmunitionsfabrik bewilligt, die, 1841 in Betrieb gesetzt, bis 1863: 300,000 Gewehre etc. lieferte. Er stellte auch ein Granatgewehr nach seinem System her; die Anwendung derartiger Geschosse wurde aber durch die Petersburger Konvention von 1868 verboten. D. wurde 1864 geadelt. Vgl. »Nik. v. D. und die Geschichte des Zündnadelgewehrs« (Berl. 1866); v. Loebell, Das Zündnadelgewehr und seine Konkurrenten (das. 1867).

2) Franz, Sohn des vorigen, geb. 2. März 1822, gest. 17. Aug. 1894 in Sömmerda, erweiterte die Fabrik des Vaters und wandte sich hauptsächlich der Konstruktion von Repetierwaffen zu. Seine Jagdgewehre, bei denen er die Zündnadel durch den Schlagbolzen ersetzte, zeichnen sich durch Schärfe des Schusses und Leichtigkeit aus. 1870 begründete er eine Maschinenfabrik und Eisengießerei für Werkzeugmaschinen, Eisenbahnbedarfsartikel etc.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 5. Leipzig 1906, S. 204.
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