Frischlin

[156] Frischlin, Philipp Nikodemus, lat. Dichter und Philolog, geb. 22. Sept. 1547 zu Erzingen in Württemberg, gest. in der Nacht vom 29. zum 30. Nov. 1590 in Hohenurach, studierte seit 1563 in Tübingen, wurde 1568 Professor der Poetik und Geschichte daselbst, ging, durch seinen Dichterruhm und durch seinen Verkehr mit dem herzoglichen Hof sowie durch seine böse Zunge mit seinen Kollegen, schließlich auch mit dem Adel verfeindet, 1582 nach Laibach als Schulrektor, kehrte 1584 nach Württemberg zurück. wurde aber 1587 wieder vertrieben. 1588 kam er als Schulrektor nach Braunschweig, wurde nach 18 Monaten auch von dort verjagt wegen eines ehrenrührigen Briefes an die württembergische Hofkanzlei, 1590 auf Hohenurach eingekerkert und brach bei einem Fluchtversuch das Genick. Maßlos in seiner Lebensführung, war er ausgezeichnet durch seinen Witz und seine Gelehrsamkeit, besonders durch seine klassische Latinität. Am hervorragendsten sind seine Komödien. »Priscianus vapulans« (1571), »Rebecca« (1576). »Susanna« (1578), »Hildegardis magna« (1579). »Phasma« (1580), »Julius redivivus« (1584), doch schrieb er auch Tragödien (gesammelt mit den Komödien in »Operum poeticorum pars scenica«. Straßb. 1585 u. ö.), Even und lyrische Gedichte. Seine »Deutschen Dichtungen«, den lateinischen weit nachstehend, hat D. F. Strauß (Stuttg. 1857) herausgegeben. Von seinen philologischen Leistungen sind am bedeutendsten die zur lateinischen Grammatik: »Quaestionum grammaticarum libri VIII« (Vened. 1584) und »Grammatice latina« (Tübing. 1585). Vgl. D. F. Strauß, Leben und Schriften des Dichters und Philologen Nikod. F. (Frankf. 1856).[156]

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 7. Leipzig 1907, S. 156-157.
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