Kümmernis

[798] Kümmernis, sagenhafte Heilige, auch Wilgefortis (virgo fortis?), Ontcommer (holl.) oder St. Gehilfen genannt, wird dargestellt als eine am Kreuz hangende Jungfrau in langem Gewand, mit mächtigem Bart, einer Krone auf dem Haupt und einem goldenen Pantoffel an dem einen Fuß, während der andre[798] bloß ist; am Fuß des Kreuzes ein knieender Geiger, in der Rechten den andern Pantoffel der Jungfrau haltend. Nach der Legende war K. die Tochter eines heidnischen Königs von Niederland (nach einer andern Legende von Portugal), die sich Christus gelobt hatte, und der Gott, um ihre Freier zurückzuschrecken, auf ihre Bitte einen Bart wachsen ließ. Auf des ergrimmten Vaters Befehl aus Kreuz geschlagen, wurde sie durch das Spiel eines des Wegs ziehenden Geigers getröstet und warf ihm zum Dank einen ihrer goldenen Pantoffeln zu. (S. auch den Artikel »Geiger von Gmünd«.) Wahrscheinlich ist die K. nichts andres als der gekreuzigte Christus, den man später in dieser Darstellung nicht mehr erkannte. Schnürer sieht den Urtypus der Kümmernisbilder in dem noch heute in der Kathedrale von Lucca befindlichen Volto Santo (St. Vult), dessen Verehrung in Nachbildungen durch Wallfahrer und Luccheser Kaufleute weithin verbreitet wurde (s. Volto santo). Vgl. Dietrichson, Christusbilledet (Kopenh. 1880); Schnürer, Die K. – und Voltosanto-Bilder in der Schweiz (in den »Freiburger Geschichtsblättern«, 10. Bd., 1903).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 11. Leipzig 1907, S. 798-799.
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