Tokaj

[592] Tokaj (Tokai, Tokay), Großgemeinde im ungar. Komitat Zemplin, am Bodrog (unweit der Mündung in die Theiß) und an der Bahnlinie Szerencs-Debreczin, mit Priesterseminar, Gymnasium, Winzerschule, großem Salzlager und -Handel, Viehzucht, Fischerei, berühmtem Obst- und Weinbau, Kognakfabrik, Bezirksgericht und (1901) 5110 magyarischen (meist römisch-kath.) Einwohnern. Die nord- und nordostwärts liegenden Tokajer Berge, besonders der Naphegy (= sonniger Berg) und der südliche Teil der Hegyalja (s. d.), liefern 34 Sorten trefflicher Weine. Die edelsten (fünf Sorten) werden bei Tarczal, Tálya, Mád und T. gewonnen, und zwar Tischwein, ohne Süße, aus den ihrer Trockenbeeren beraubten Trauben; Szamorodner, aus Trauben ohne Auslese der Trockenbeeren, wenig süßer, aromatischer, kräftiger, feuriger Wein; Másláser (Maschlach) oder gezehrter Wein (ein-, zwei- und dreibuttig), aus Trauben mit Zusatz von Trockenbeeren, süß, mild, höchst geistig; Ausbruch oder Muskateller, wie der vorige, aber mit fünf oder mehr Butten Trockenbeeren auf ein Faß (zehn Butten Wein). Was aus diesem Gemisch durch den eignen Druck von selbst abfließt, bildet die Essenz, den süßesten, duftigsten und wohlschmeckendsten aller Weine. Die hervorragendsten Traubengattungen der Tokajer Gegend sind der Furmint, die Mehlweißer oder lindenblätterige Traube und die gelbe Muskatellertraube, welch letztere den berühmten Muskatellerausbruch liefert. Echter Tokajerwein wird auch für Medizinalzwecke verwendet. Der Gesamtertrag betrug früher jährlich auf 5811 Hektar ca. 97,500 hl, wurde jedoch durch die Verwüstungen der Phylloxera bedeutend verringert. Bei T. fanden Anfang 1848 mehrere Gefechte zwischen dem österreichischen Armeekorps unter Schlick und den Ungarn statt.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 19. Leipzig 1909, S. 592.
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