Creolen

[519] Creolen (span. Criollo), eigentlich die Abkömmlinge einer in einem Lande nicht einheimischen Race; daher 1) vorzugsweise die in den spanischen u. portugiesischen Colonien Westindiens, Nord- u. Südamerikas, Afrikas u. Ostindiens geborenen Abkömmlinge reiner Europäer (Sangre azul), während die in Europa selbst Geborenen im spanischen Westindien Chapetones, in Mexico Gachupines (vom aztekischen Worte Gatzopin, d. i. Reiter, wörtlich: halb Pferd, halb Mensch), in Brasilien Portuguezes legitimos od. Filhos do reino genannt wurden; doch nennen sich die in Brasilien geborenen Abkömmlinge der Europäer in neuester. Zeit auch Brasileiros. Die C., obgleich rein europäischer Abkunft, unterscheiden sich doch in physischer u. geistiger Beziehung sehr wesentlich von ihren im Mutterlande geborenen Stammgenossen; die Männer sind meist von mittlerer Statur, zwar wohlgebaut, aber mager, von schwarzem Haar, dunkelem, blitzendem Auge u. üppigem Bartwuchs; die Frauen von außerordentlicher Zierlichkeit u. Eleganz des Wuchses, herrlichem blauschwarzem Haar, dunkelem, einen hohen Grad von Sinnlichkeit verrathendem Auge, schönen blendend weißen Zähnen, weißem, nur leicht gefärbtem Teint, kleinen Händen u. Füßen, graziösem, schwebendem Gang, lebhaft, heiter u. offen, aber sehr schnell verblühend u. alternd u. dann meistens häßlich. Dabei sind die C. stolz, tapfer, gastfrei, höflich, klug u. gewandt, nüchtern u. mäßig, aber auch abergläubisch, bigott, unwissend, sinnlich, energielos, verweichlicht, träg, eifersüchtig, selbst- u. habsüchtig. Die C. waren lange Zeit minder angesehen u. genossen nicht die nämlichen Rechte, als die in Europa selbst geborenen Weißen; in den spanischen Colonien waren sie bis 1776 von Civil-, Militär- u. geistlichen Ämtern ausgeschlossen; 2) die in den von Spaniern u. Portugiesen colonisirten Ländern Südamerikas geborenen Abkömmlinge der Neger, während die von Afrika aus Eingeführten Negros de naçao genannt werden; 3) die im Russischen Amerika geborenen Abkömmlinge der Europäer u. Eingeborenen; 4) die in den portugiesisch-ostindischen Colonien (Goa, Macao, Timor etc.) geborenen Abkömmlinge der Europäer u. Eingeborenen. 5) C. werden auch (aber nur irrthümlich) die verschiedenartigsten von Europäern mit Mulatten, Mestizen u.a. in Nordamerika u. Westindien gezeugten Mischlinge genannt.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 4. Altenburg 1858, S. 519.
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