Magisches Quadrat

[701] Magisches Quadrat, 1) ein in gleiche Fächer eingetheiltes Quadrat, worin Zahlen einer Folgereihe so eingetragen sind, daß ihre Summen in jedem horizontalen u. jedem perpendiculären Streifen, eben so aber auch längs jeder Diagonale, gleich groß sind. Ihr Ursprung scheint in Indien zusein, von wo sie zu den Arabern, von diesen aber nach Europa gelangten. Ihre Benennung haben sie von der Anwendung, die man sonst von ihnen als Talismanen machte; vgl. auch Planetenspiegel. Em. Moschopulos (um 1400) ist der erste, der über sie geschrieben hat (in einem Manuscripte auf der königlichen Bibliothek in Paris), Agrippa von Nettesheim aber der erste, der (De occulta philosophia) ihrer erwähnt. Am leichtesten darzustellen sind die mit ungeraden Seitenzahlen. So gibt die Seitenzahl 7, in allen seinen (7 horizontalen, 7 verticalen u. zugleich 2 mittlern Diagonalen) Reihen die Zahl 175.

Magisches Quadrat

Das einfachste aber u. auch als Planetensiegel gewöhnlichste, mit der Seitenzahl 3, wo dann der summarische Betrag 15 ist, stellt nach derselben Construction sich in folgender Art dar

Magisches Quadrat

Eben so kann man von dem untersten mittlern Fach, das hier mit der höchsten Zahl erfüllt ist, anheben, hier die 1 einzeichnen u. in alle, aber in entgegengesetzter diagonaler Richtung wie dort, die Zahlen einzeichnen u. verrichten gleichen Zweck. Für Quadrate mit gleichen Seitenzahlen fertigt man am einfachsten zuerst ein Quadrat nach der natürlichen Folgenreihe der Zahlen an, indem man die Fächer der Horizontalreihen von oben nach unten (od. auch von unten nach oben damit ausfüllt); dann aber versetzt man in einem zweiten Quadrate die Hälfte der Zahlen jeder obern Reihe mit eben so vielen der entsprechenden untern Reihe (der ersten u. der letzten, der zweiten u. der vorletzten untern) aber aus entgegengesetzten verticalen Reihen, so daß die Summe der versetzten Zahlen der Summe der höchsten Zahl mit Zufügung von 1 gleich ist. Beispiel:

Magisches Quadrat

Die Summe sämmtlicher Reihen ist hier 34, u. die Summe jeder versetzten mit der ihr entsprechenden bleibenden Zahl 17 Für die größern Quadrate dieser Art, bes. auch, je nachdem sie Seitenzahlen haben, die bis auf zwei, od. solche, die nur bis auf eine höhere, ungleiche Zahl zerlegt werden können, gibt es, hinsichtlich der zu bewirkenden Versetzungen, besondere Anweisungen. Nur das M. Q. mit. der Seitenzahl 3 ist keiner wesentlichen Abänderung unterworfen. Dagegen läßt schon das M. Q. mit der Seitenzahl 4880 verschiedene Abänderungen zu. Bei noch größern Quadraten aber wächst die Summe der möglichen Abänderungen für jede folgende Seitenzahl nach ungemein großen Zahlenverhältnissen. Es lassen überhaupt diese sich so einrichten, daß man die äußeren Reihen wegnehmen kann u. doch noch ein M. Q. bleibt, also als. M. Q-e mit magischen Einfassungen; od. es können auch M. Q-e mit symmetrischen Abtheilungen construirt werden, z.B. ein neunseitiges, das in 9 dreiseitige sich zerlegen läßt (wovon das erste die Zahlen 1–9 enthält, ein zweites die Zahlen 10–18 etc.). Hieraus[701] erhellt die ungemeine Mannigfaltigkeit, mit der sich solche größere Quadrate nach den gegebenen Bedingungen construiren lassen. So ist. ein M. Q. mit der Seitenzahl 6 u. magischer Einfassung nicht weniger als 84,155,840 Veränderungen unterworfen, das mit der Seitenzahl 7 sogar 4,777,574,406 Mal zu verändern. Man kann auch, statt einer arithmetischen Progression, eine geometrische in die Fächer eines Quadrats so eintragen, daß das Product der Zahlen in den Horizontal-, Vertical- u. Diagonalreihen dasselbe ist. Beispiel, welchem die geometrische Progression 1,2,4,8 etc. zu Grunde liegt:

Magisches Quadrat

Vgl. Mollweide, De quadratis magicis, Lpz. 1816. G. Hohndell, Praktische Anleitung zur Bildung u. Berechnung magischer od. sogenannter Zauberquadrate, Lpz. 1837. 2) (Ästh.). Zusammenstellung von Buchstaben, die in jeder Versetzung einen Sinn geben, in verticalen wie in horizontalen Reihen, wie:

Magisches Quadrat

wo die vier mit denselben Buchstaben geschriebenen Worte dieselben sind, wenn man sie auch in verticaler Reihe liest; gehört zu den Wort- od. auch Räthselspielen.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 10. Altenburg 1860, S. 701-702.
Lizenz:
Faksimiles:
701 | 702
Kategorien:

Buchempfehlung

Droste-Hülshoff, Annette von

Gedichte (Die Ausgabe von 1844)

Gedichte (Die Ausgabe von 1844)

Nach einem schmalen Band, den die Droste 1838 mit mäßigem Erfolg herausgab, erscheint 1844 bei Cotta ihre zweite und weit bedeutendere Lyrikausgabe. Die Ausgabe enthält ihre Heidebilder mit dem berühmten »Knaben im Moor«, die Balladen, darunter »Die Vergeltung« und neben vielen anderen die Gedichte »Am Turme« und »Das Spiegelbild«. Von dem Honorar für diese Ausgabe erwarb die Autorin ein idyllisches Weinbergshaus in Meersburg am Bodensee, wo sie vier Jahre später verstarb.

220 Seiten, 11.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Michael Holzinger hat für den zweiten Band sieben weitere Meistererzählungen ausgewählt.

432 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon