Schwerin, Johann Henry

[889] Schwerin, J. H. John Henry Schwerin wurde am 23. 5. 1843 als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns zu Berlin geboren, machte 1860 sein Abiturientenexamen und trat dann als Volontär in ein Berliner Kaufhaus, während er seine Freistunden auf volkswirtschaftliche Studien verwandte. Die Früchte dieser Studien verwertete er literarisch, ging aber bald, um die Welt zu sehen, nach England und Frankreich. Mit dem Jahre 1872 beginnt die praktische Tätigkeit Schwerin's, die mehr als ein Jahrzehnt dahin gerichtet war, Unternehmungen zur Erleichterung der politischen Presse, insbesondere der kleineren in den Provinzen ins Leben zu rufen und durchzuführen. So wurde die »Correspondenz Schwerin« gegründet, welche den Zeitungen Material für den Handelsmarkt bot, daneben wurden Kurs-, Gemüse-, Frucht- und Wollberichte der Presse zugänglich gemacht. Dann gab Schwerin die sogenannte kopflose Zeitung heraus, wohl die erste ihrer Art, d.h. eine Zeitung mit leerem Raum statt eines Titels und weißem unbedrucktem Papier an gewissen Stellen, während der übrige Teil mit Leitartikeln, politischen Neuigkeiten, wirtschaftlichen Notizen Feuilleton u.s.w. besetzt war. Die Empfänger, durchweg Provinzial-Zeitungsverleger, benutzten die leer gelassenen Stellen, um nachträglich einen Titel, Lokalnachrichten und Inserate selbst hineinzudrucken. Noch weitere Verbreitung fanden Unterhaltungsblätter,[889] die Schwerin begründete und literarisch leitete, um solche als Zeitungsbeilagen zu sehr billigen Preisen an kleinere Zeitungen zu verkaufen. Zur Uebernahme dieser verschiedenen Unternehmungen wurde die Aktiengesellschaft John Schwerins Verlag gegründet, deren Leitung Schwerin zunächst übernahm, indessen bald niederlegte. 1885 wandte Schwerin sich einem Unternehmen zu, welches für die Frauenwelt berechnet war, und die Arbeiten in dieser Richtung fesselten ihn derart, daß er ihnen bis an sein Lebensende treu blieb. Die 1885 gemeinsam mit Dr. Hugo Russak geschaffene Frauenzeitung war betitelt »Mode und Haus« und erschien im Verlage der Deutschen Verlagsgesellschaft Russak & Co. Ihr folgte die »Kleine Modewelt«, die »Große Modenwelt«, »Frauenfleiß«, »Kindergarderobe« und »Illustrierte Wäschezeitung«. Eine jede der genannten Zeitschriften fand den Beifall des Publikums; einzelne derselben erfreuten sich ganz außerordentlich großer Verbreitung. 1893 zog sich Dr. Russak vom Geschäft zurück, welches er seinem Sozius Schwerin überließ, der es unter seinem eigenen Namen fortsetzte.

Am 23. Mai 1894 traf Schwerin ein Schlaganfall, von dem er sich vollständig niemals ganz wieder erholt hat, und der ihn zwang, einen großen Teil seiner geschäftlichen Tätigkeit aufzugeben und in die Hände seines nahen Verwandten und langjährigen Mitarbeiters Ernst Eugen Calé zu legen. Am 29. November 1900 starb Schwerin.

Quellen: Korporationsbericht der Berliner Buchhändler 1901; Mode und Haus 1900.

Quelle:
Rudolf Schmidt: Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker. Band 5. Berlin/Eberswalde 1908, S. 889-890.
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