Butes

[117] Butes (Gr. M.)

1) Sohn des Boreas, gerieth mit seinem Halbbruder Lycurgus in Streit, und ward desshalb von seinem Vater genöthigt, sein Heimathland Thracien zu verlassen; er colonisirte die Insel Strongyle, welche damals Naxos hiess, und bildete einen Seeräuberstaat, dem es bei immer höher anwachsender Macht nur an Weibern fehlte. Sie wandten sich desshalb nach Thessalien; hier trafen sie in dem phthiotischen Achäa in der Gegend, welche Drios hiess, die Dienerinnen des Bacchus bei den Orgien des Gottes an. Alle warfen, da sie von B. und den Seinigen überfallen wurden, die heiligen Geräthe von sich und flohen, nur eine junge Thessalierin, Coronis, fiel in B.' Hände und ward gezwungen, seine Gattin zu werden. Voll Zorn rief sie den Bacchus zu Hülfe; dieser machte den B. rasend, und er stürzte sich in einen Brunnen. Die übrigen Bewohner von Strongyle raubten viele thessalische Weiber, doch nicht von den Orgien hinweg, und waren glücklicher, denn sie wurden nicht von dem Gotte gestraft.

2) B., Sohn des Teleon und der Zeuxippe, oder des Pandion und der Zeuxippe, oder des Amycus, ein athenischer Stierhirt, Pflüger und Kriegsheld, der auch den Argonautenzug mitmachte. Als die Argonauten auf der Rückkehr durch die sicilische Meerenge bei den Sirenen vorbeischifften, stimmte Orpheus einen lieblichen Gesang an, so dass die übrigen Argonauten kein Verlangen nach den gefährlichen Schönen empfanden; B. jedoch konnte das seine nicht überwinden; er sprang in das Meer und wollte zu ihnen schwimmen, allein Venus rettete ihn, indem sie ihn nach Lilybäum versetzte. Hier erzeugte sie mit ihm den Eryx, welcher König von Trinacria (Sicilien) wurde.

3) B., einer der 50 Pallantiden (Söhne des Pallas in Athen), welche nach der schändlichen Ermordung des Androgeos an Aeacus geschickt wurden, um diesen zur Hülfe gegen des Ermordeten Vater, Minos, aufzufordern.

4) B., Freund des berühmten rhodischen Helden Tiepolemus (Sohnes des Hercules und der Astyoche oder Astydamia), welcher, durch den Todtschlag au seinem Oheim Licymnius genöthigt. Argos zu verlassen, sich in Rhodus berühmt und beliebt machte, so dass die Bewohner der Insel ihn zum Herrscher wählten. B. hatte ihn in seine freiwillige Verbannung begleitet, und ward desshalb von ihm so geehrt, dass er ihn mit dem Reiche belehnte, als er mit neun Schiffen Rhodus verliess, um vor Troja zu ziehen.

5) B., dessen Gestalt Apollo annahm, als Ascanius in Italien den Numanus oder Remulus, den Gatten der jüngern Schwester des Turnus, mit einem Pfeile getödtet hatte. Dieser B. war einst Waffenträger des Anchises und sein Thorhüter gewesen; dann ward seiner Sorge Ascan vertraut, und mit des Greises Stimme und Gestalt, wie mit seinen tönenden Waffen, trat Apollo zu dem kühnen Knaben, gebietend, nicht ferner sich in den Kampf zu mischen, und den Göttern zu danken, dass er ungestraft dem schrecklichen Numanus genaht; erst als er mitten in der Rede verschwand, erkannten die Trojaner den Gott.

6) B., ein Trojaner, von welchem es ungewiss bleibt, ob er mit dem Vorigen einerlei ist oder nicht; er blieb von der Hand der Heldin Camilla.

Quelle:
Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie. Stuttgart 1874, S. 117.
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