Wirthschaft

1. Alltag wirthschaft macht öd hoffstadt.Hätzlerin, II, 70, 35-36.


2. Die Wirthschaft steht schlecht, wo der Rocken das Schwert meistert.


3. Es ist eine schlechte Wirthschaft, das Pferd verkaufen und Hafer dafür einkaufen.


4. Es ist eine schlechte Wirthschaft, wo die Hinterthür das ganze Haus verdirbt.

Poln.: Gospodarstwo s grzechem czyni szkodę s pośmiechem. (Čelakovsky, 419.)


[285] 5. In einer reichen Wirthschaft zählt man die Erbsen nicht in den Topf.


6. Je toller die Wirthschaft, desto eher der Kehraus.


7. Klein wirdtschafft, offt gehalten, macht krancke seckel.Wachter, 2.


8. Schlechte Wirthschaft da bennen, säd' de Bandwurm, as he avgetrêwen wurd. (Danzig.) – Hoefer, 39; Schlingmann, 66; Peik, 196, 16.

Bezeichnet den Ingrimm, aus einer angemassten Stellung gewaltsam vertrieben zu werden.


9. Wer eine Wirthschaft hat, der treibe sie, oder sie treibt ihn.

»Wer ein Ampt hat, der verwalte es, wer etwas auff sich nimpt, der verrichte es; wer eine Wirthschaft hat, der stehe ihr trewlich vor vnnd versorge sie, wie sichs gehört, und treibe sie, oder sie treibt ihn.« (Coler, 299b.)


10. Wer seine Wirthschaft auf Borg führt, wird auf baares Geld arm.Winckler, VIII, 92.


11. Wie man die Wirthschaft treibt, so geht sie.

Die Finnen: Die Wirthschaft besteht durch Klugheit, nicht weil man früh aufsteht und viel Leute hat. (Bertram, 68.)


12. Wirthschaft bringt Rechenschaft.Chaos, 688.


13. Wirthschaft ist eine Kunst, die niemand ausstudiren kann.Coler, 417b.


*14. Eine Wirthschaft verkaufen mit Schiff und Geschirr.A. Hartmann in Junker Hans Jakob, 48.

D.i. mit Pflug, Wagen, Egge, Sensen u. dgl. m.


*15. Es geht seiner Wirthschaft wie dem Jakob, als er mit Gott gerungen.Parömiakon, 940.

Sie hinkt.


*16. Es ist eine polnische Wirthschaft.

Unordentlich, unsauber.

Frz.: C'est une maison de Bohême. (Lendroy, 152.)

Poln.: Tatarskie rządy (lotrovská, zbojnická). (Čelakovsky, 476.)


*17. Es ist Itzik Sichels Wirthschaft.Tendlau, 229.

Von einem stillen Geschäft, das wenig Abgang hat. Isaak Sichel war der Besitzer eines sehr wenig besuchten Kaffeehauses zu Frankfurt a.M.


*18. He kömmt ön de Wörthschaft, wie de Flög ön't Hemd.Frischbier, 4065.

Im Plattdeutschen heissen Fliege und Floh beide Flög; hier ist der letztere gemeint.


*19. Seine Wirthschaft steht auf der verlorenen Schildwache.


*20. Sie versteht die Wirthschaft, sie rupft die Gänse.Parömiakon, 1275.


21. Das ist ja eine verdammte Wirthschaft, rief der Staar, als ihm der Kopf abgedreht werden sollte. (S. Kantor 12, Ergänz.)


22. De Wirthschaft, wo 't am besten geit, is de, wo jeder mitarbeidt.Plattdütscher Husfründ, III, 11.

Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 5. Leipzig 1880, Sp. 285-287,1815.
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