Wagner, Rudolf

[800] Wagner, Rudolf, geb. 1805 in Bayreuth, seit 1840 Prof. der Physiologie in Göttingen, gest. 1864. = Durch seinen Vortrag über »Menschenschöpfung und Seelensubstanz« (1854) gab W. den Anlaß zum Materialismusstreit (vgl. K. Vogt). Nach W. steht der Annahme der Abstammung aller Menschen von einem Paare nichts im Wege. Gegen K. Vogt erklärt er, die Naturwissenschaft könne nicht über das Wesen der Seele urteilen. In einer zweiten Abhandlung (»Über Wissen und Glauben«, 1854) plädiert W. für die Annahme einer seelischen Substanz ätherischer Art, die nach dem Tode einen anderen Raum einnimmt und einst mit einem neuen Leibe zurückkehren kann. Eine Seelensubstanz muß aus moralischen Gründen angenommen werden. Gegen W. polemisierten Lotze und K. Vogt.

Schriften: Über Menschenschöpfung und Seelensubstanz, 1854. – Über Wissen und Glauben mit besonderer Beziehung auf die Zukunft der Seelen, 1854. – Der Kampf um die Seele, 1857. – Physiologie, 4. A. 1855-57, u. a.

Quelle:
Eisler, Rudolf: Philosophen-Lexikon. Berlin 1912, S. 800.
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