Brückenportale

[357] Brückenportale, über den End- oder Mittelpfeilern der Brücken aufgeführte torbogenartige Bekrönungen oder die portalartige Verbindung der beiden Tragwände eines eisernen Brückenüberbaues über den Endpfeilern.

Im letzteren Falle ist die Anordnung natürlich nur dann möglich, wenn die Endständer der Tragkonstruktion genügend hoch über die Fahrbahn ragen, um eine obere Verbindung anbringen zu können. Das Brückenportal ist dann aus den beiden Endständern und der oberen Querverbindung gebildet und erfüllt in diesem Falle einen wichtigen statischen Zweck, nämlich die Aussteifung des Endquerrahmens der Brücke (s. Querverstrebungen). Bei einiger Ausschmückung der Brücke wird die Eisenkonstruktion des Portals, um dieselbe kräftiger erscheinen zu lassen, zuweilen mit Gliederungen in Gußeisen verkleidet oder es wird sogar ein steinernes Portal vorgesetzt (Rheinbrücke bei Mannheim, Donaubrücke bei Cernavoda, Elbebrücke bei Hamburg, Memelbrücke bei Tilsit u.a.). Eine wichtige statische Funktion haben auch die zumeist in Stein ausgeführten Portale der Ketten- und Hängebrücken. Hier tragen dieselben die Auflager der Ketten oder Kabel, und es wird auch für diese als »Pylonen« bezeichneten Pfeileraufbauten meist die Form eines Torbogens gewählt. Bei sehr weitgespannten Hängebrücken (East-River-Brücke in New York) sind diese Portalpfeiler hohe turmartige, entweder aus Stein oder aus Eisen errichtete Bauwerke. Auch bei den Fachwerkshängebrücken sowie bei den hängebrückenähnlichen Formen der Gelenkträger werden die durch die Verbindung der Mittelständer entstehenden Portale bei reicherer Ausschmückung der Brücke mit Stein umkleidet (s. die Figuren). Das Torbogenmotiv ist aber auch[357] dort angewendet worden, wo ihm keine statische Bedeutung zukommt; insbesondere findet man es bei manchen mittelalterlichen steinernen Brücken zur Hervorhebung der Brückenenden angewendet. Architektonisch bemerkenswert sind in dieser Hinsicht die Portaltürme der steinernen Moldaubrücke in Prag (S. 359). Einige besonders hervorragende, in letzter Zeit ausgeführte Brückenportale sind: die Portale der Bonner Rheinbrücke, der Magdeburger Königsbrücke, der Saalebrücke bei Halle u.s.w. Vgl. Mehrtens, Der deutsche Brückenbau im 19. Jahrhundert, Berlin 1900, und Wuttke, Die deutschen Städte, Leipzig 1904.

E. Horowitz.

Brückenportale
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 2 Stuttgart, Leipzig 1905., S. 357-358.
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