Egge

[221] Egge, ein in der verschiedensten Form beim Ackerbau und der Wiesenkultur verwendetes Spanngerät, benimmt zur Einebnung des gepflügten Bodens, zur Zerkleinerung und Lockerung desselben, zur Vertilgung von Unkraut, zum Unterbringen von künstlichem Dünger und Saatfrucht, zum Durcheggen von Wintergetreide und Wiesen.

Aus diesen verschiedenen Zwecken sowie der Verschiedenartigkeit des Bodens erklärt sich der große Unterschied in den einzelnen Formen. Die Egge besteht aus dem Eggenrahmen, den Zähnen oder Zinken, der Anspann- und eventuell der Transportvorrichtung. Ersterer ist aus Holz oder Eisen in verschiedener Grundform (Dreieck, Viereck, Kreis u.s.w.) hergestellt; an ihm finden die Zähne ihre Befestigung. Diese wechseln nach Material, Form und Gewicht. Je größer die Anzahl der Zähne, desto mehr Unterstützungspunkte erhält die Egge am Boden, desto seichter wird sie bei gleichem Gewicht eindringen. Für tiefe Bearbeitung werden Eggen mit nur wenigen Zähnen (ca. 12) gewählt, für seichte steigt die Zähnezahl bis zu 40. Die Einteilung der Zähne an der Egge soll so sein, daß zu beiden Seiten der idealen Zuglinie die gleiche Zahnzahl sich findet, daß jeder Zahn eine Spur für sich hinterläßt und die Spuren gleichweit voneinander entfernt sind (s. Fig. 3 und 6). Die Zähne, die gleichlang sein sollen, werden senkrecht oder in einem Winkel von 60–80° zum Rahmen eingesetzt, je nachdem sie eine mehr schneidende oder mehr ebnende Wirkung ausüben sollen. Man kann die Neigung der Zinken auch einstellen (Fig. 2, bei der gleichzeitig eine Fahr- und Reinigungsvorrichtung für die Zinken vorgesehen ist; letztere besteht darin, daß die Zinken durch Schlitze von lose beweglichen Abstreichern hindurchgehen, die sich beim Hochschwingen der Zinken auf diesen in Richtung nach der Spitze verschieben [Patent Groß & Co.]). Je nach Zweck und Boden wählt man das Gewicht mit 20–200 kg. Da sehr breite, starre Eggen sich den Bodenunebenheiten nicht gut anschmiegen, läßt man sie aus mehreren Teilen bestehen (zusammengesetzte und Gelenkeggen) oder man verbindet kleine dreieckige Eisenrahmen mit je drei Zinken unter sich beweglich (Gliedereggen).

Die drei- oder viereckige Krümmeregge (Fig. 1) ist besonders geeignet zur tiefen Bearbeitung schweren Bodens; für etwas seichtere und feinere Zurichtung dienen die zusammengesetzten Eggen in der Grundform der Howardschen Zickzackegge. Derselben ähnlich sind die Saateggen von Sack und die Laakesche Ackeregge von Groß & Co. (Fig. 3). Bei den[221] Gelenkeggen, die lieh unebenem Terrain sehr gut anpassen, können die Zinken zur Vermeidung der vielen Befestigungsschrauben und zur Erleichterung des Auswechselns und Schärfens derselben auf durchgehende Bolzen aufgeschoben und in ihrem seitlichen Abstande durch Rohrstücke gehalten werden. Die amerikanische Acme- oder Perfektegge (Fig. 5) soll die Arbeit von Walze und Egge verbinden. Mittels eines Hebels kann die Stellung der Stahlmesser mehr oder weniger steil gewählt werden, so daß die Egge tief schneidend oder planierend und seicht arbeitend wirkt. Bei den Federzahneggen (Fig. 4) werden die stark gekrümmten Zinken aus sorgfältig gehärtetem Bandstahl hergestellt. Die zitternde Bewegung derselben veranlaßt beim Arbeiten eine günstige Lockerung der Erdoberfläche. – Die Rundeggen besitzen ein kreisförmiges Eggenfeld, das in einem besonderen Rahmen derart schräg gestellt ist, daß nur die Zinken einer Seite in den Erdboden eingreifen und infolgedessen sich bei der Fortbewegung auch drehen. Bei den Scheibeneggen sind die Zinken durch etwas schräg gestellte, kreisrunde oder am Umfang gezahnte, um eine wagerechte Achse drehbare Scheiben ersetzt. Die Rolleneggen bestehen aus mehreren mit Zinken besetzten wagerechten Wellen. Zum Reinigen der Wiesen von Moos und Maulwurfshaufen sowie zum Unterbringen von Kompost und kurzem Dünger hat sich die Laakesche Gliederegge (Fig. 6 und 7) gut bewährt. – Die Preise schwanken pro Kilogramm Gewicht zwischen 0,45 und 1,20 ℳ. und die zulässigen Eggenbreiten für ein Pferd zwischen 0,5 und 1,8 m.


Literatur: Braungart, Die Ackerbaugeräte, Heidelberg 1881; Wüst, Landwirtschaftliche Maschinenkunde, Berlin 1889.

Wrobel.

Fig. 1.
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 2.
Fig. 3.
Fig. 3.
Fig. 4., Fig. 5.
Fig. 4., Fig. 5.
Fig. 6., Fig. 7.
Fig. 6., Fig. 7.
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 3 Stuttgart, Leipzig 1906., S. 221-222.
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