Feldschmiede

[688] Feldschmiede, ein Schmiedeherd, der zwecks bequemer Ueberführung von einem Ort zum andern tragbar oder mit Laufrädern versehen ist, dient zum Erhitzen mäßig großer Schmiedestücke bei der Aufstellung von Maschinen sowie bei dem Verlegen von Gas- und Wasserröhren.

Die Feldschmiede von de Fries & Co. in Düsseldorf trägt auf einem einfachen eisernen, zuweilen auf kleinen Rädern stehenden Gestelle A (Fig. 1) die eiserne Herdplatte B mit der in dieser enthaltenen Feuergrube C und dem erforderlichen Eßeisen. Das Gebläse ist bei der dargestellten Feldschmiede ein kleiner Ventilator D, der von dem durch einen Tritthebel bewegten Schwungrade E durch einen Riemen angetrieben wird.

Statt des Ventilators wird auch wohl das Rootsche Gebläse (Fig. 2) angewendet. Die in dieser Figur dargestellte Schmiede wird von Hand angetrieben, ist bei geringem Gewicht von größter Leistungsfähigkeit und daher für Schiffswerften sowie auf Gerüsten gut zu verwenden. An allen diesen Schmieden befindet sich unter der Feuerschüssel ein Schieber zur Entfernung der Schlacken und zum Ablaufenlassen des Regenwassers. Damit letzteres nicht in das Gebläse eindringt, sind die Schieber nach jedesmaligem Gebrauch der Schmiede zu öffnen. Auch finden sich ältere Ausführungen mit einem kleinen mit Hand oder Fuß betriebenen Balgengebläse.

Fig. 3 zeigt eine Petroleumfeldschmiede zur Erhitzung von Röhren, Schmelzung von Blei u. dergl. für Gas- und Wasserwerke, Rohrleger u.s.w. Die Schmiede brennt ohne Docht mit gewöhnlichem Petroleum und erzeugt eine starke, langandauernde Hitze. Der Apparat ist so angeordnet, daß man zugleich Metall schmelzen und Röhren oder Lötkolben erwärmen kann. Der Transport von Kohlen und Holz wird hier vermieden. Der Petroleumverbrauch ist etwa[688] 300 g in der Stunde bei einem Druck von 1 Atmosphäre und 450 g in der Stunde bei einem Druck von 2 Atmosphären für einen Brenner.

Die in Fig. 4 dargestellte Feldschmiede ist eine eiserne fahrbare Schmiede mit Fußbetrieb von O. Lorentz jun., Berlin. Sie hat doppeltwirkendes »Orkangebläse«; ihre Druckleistungsfähigkeit beträgt bis etwa 1500 mm Wassersäule. Der Gebläsekessel ist luftdicht gelötet, die Innenkonstruktion aus Eisen mit Bronzeventil, das Windrohr aus Schmiedeeisen. Die Schmiede eignet sich besonders für ausgedehnte Reparaturwerkstätten bei Eisenbahn-, Telegraphen-, Kanal- und Wasserbauten.

Fig. 5 zeigt ebenfalls eine fahrbare eiserne Feldschmiede von O. Lorentz jun., Berlin, mit doppeltwirkendem »Orkangebläse« oder Hochdruckventilator. Sie hat Unterlegplatten für etwaige Schraubstöcke oder Rohrspanner, verschließbaren Werkzeugkasten und Werkzeugspind. Die letztgenannte Firma baut auch Zirkularblasebalgfeldschmieden (Fig. 6). Die Balgen sind aus Rindleder, gegen Witterungseinflüsse imprägniert und mit handgeschmiedeten Nägeln aufgezogen; die Balgen können auch mit einem eisernen Schutzmantel umgeben werden. Die Schmiede ist für Hand- oder Fußbetrieb eingerichtet. – Zwei Konstruktionen zusammenlegbarer Feldschmieden zeigen D.R.P. Nr. 123560 und 150186. Eine Feldschmiede, über deren Feuerherd ein aus mehreren kegelförmigen, drehbaren Blechmänteln bestehender Schornstein gestülpt wird, der durch seine Einstellung nach dem Winde eine Gebläsevorrichtung entlastet bezw. entbehrlich macht, zeigt D.R.P. Nr. 148685.


Literatur: Zeitschrift für Werkzeugmaschinen und Werkzeuge 1901 02, S. 58; 1902/03, S. 368; 1903/04, S. 293, 294, 323.

Dalchow.

Fig. 1., Fig. 2., Fig. 3.
Fig. 1., Fig. 2., Fig. 3.
Fig. 4., Fig. 5.
Fig. 4., Fig. 5.
Fig. 6.
Fig. 6.
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 3 Stuttgart, Leipzig 1906., S. 688-689.
Lizenz:
Faksimiles:
688 | 689
Kategorien:

Buchempfehlung

Stifter, Adalbert

Bunte Steine. Ein Festgeschenk 1852

Bunte Steine. Ein Festgeschenk 1852

Noch in der Berufungsphase zum Schulrat veröffentlicht Stifter 1853 seine Sammlung von sechs Erzählungen »Bunte Steine«. In der berühmten Vorrede bekennt er, Dichtung sei für ihn nach der Religion das Höchste auf Erden. Das sanfte Gesetz des natürlichen Lebens schwebt über der idyllischen Welt seiner Erzählungen, in denen überraschende Gefahren und ausweglose Situationen lauern, denen nur durch das sittlich Notwendige zu entkommen ist.

230 Seiten, 9.60 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Frühromantik

Große Erzählungen der Frühromantik

1799 schreibt Novalis seinen Heinrich von Ofterdingen und schafft mit der blauen Blume, nach der der Jüngling sich sehnt, das Symbol einer der wirkungsmächtigsten Epochen unseres Kulturkreises. Ricarda Huch wird dazu viel später bemerken: »Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.« Diese und fünf weitere große Erzählungen der Frühromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe ausgewählt.

396 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon