Arātos

[670] Arātos, 1) A. aus Soloi in Kilikien, griech. Dichter, um 315–245 v. Chr., lebte meist am Hofe des Antigonos Gonatas von Makedonien, in dessen Auftrag er sein Hauptwerk, das astronomische Gedicht »Phaenomena«, über Sternerscheinungen, ohne eigne Kenntnis, nach den Werken des Eudoxos abfaßte. Obwohl der Originalität und des poetischen Schwunges entbehrend, fand das in einfachem, erhabenem Tone gehaltene, in bündiger, klarer Sprache und korrekten Versen geschriebene Gedicht im Altertum größte Anerkennung. Cicero, Cäsar Germanicus und Avienus übersetzten es. Von den zahlreichen griechischen Kommentaren (vgl. Maaß, Commentariorum in Aratum reliquiae, Berl. 1898) besitzen wir namentlich den des Hipparchos (s. d. 2). Neuere Ausgaben von Bekker (Berl. 1828) und Maaß (das. 1893); Übersetzung von J. H. Voß (Heidelb. 1824). Vgl. Maaß, Aratea (Berl. 1892).

2) Strateg des Achäischen Bundes (s. Achäer), geb. 271 v. Chr. in Sikyon, gest. 213, ward nach der Ermordung seines Vaters Kleinias durch den Tyrannen Abantidas vom siebenten Jahr an in Argos erzogen. 20 Jahre alt, vereinigte er sich mit andern Flüchtlingen aus Sikyon, um seine Vaterstadt von der Tyrannenherrschaft zu befreien. Der Plan gelang; doch[670] begegnete die Herstellung des innern Friedens sehr vielen Schwierigkeiten, daher ließ er Sikyon in den Bund der Achäer aufnehmen (251) und wurde 245 zu dessen Strategen erwählt. Glücklich in der Ausdehnung des Bundes, konnte er, ein besserer Politiker als Feldherr, den Spartanern, seinen Hauptfeinden, im Kampfe nicht standhalten und entschloß sich zu dem von seinen Gegnern ihm zu schwerem Vorwurfe gemachten Schritt, 224 den Antigonos Doson zur Hilfe gegen sie herbeizurufen und so den Bund unter makedonische Herrschaft zu bringen. Des Antigonos Nachfolger, Philipp III., ließ ihn wegen Mißhelligkeiten vergiften. Die Achäer aber feierten sein Andenken gleich dem eines Heros. Auch in der Literaturgeschichte machte sich A. einen Namen als Verfasser von (verlornen) »Denkwürdigkeiten«, die in mehr als 30 Büchern die Geschichte seiner Zeit und seines Lebens enthielten, von Polybios wegen ihrer Klarheit und Wahrheitsliebe sehr gerühmt und die Hauptquelle der Plutarchischen Biographie des A.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1905, S. 670-671.
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