Bartholomé

[407] Bartholomé, Paul Albert, franz. Bildhauer und Maler, geb. 1848 in Thiverval, bildete sich in Genf unter Barthelémy Menn, einem Schüler von Ingres, zum Maler aus, setzte dann seine Studien in Paris bei Gérome und auf der École des beaux-arts fort und trat zuerst im Salon von 1879 mit einem weiblichen Bildnis und dem Bild eines alten, im Schatten ausruhenden Provinzlers auf, worin er sich als Vertreter der damals aufkommenden Plein-air-Malerei zeigte. In dieser Richtung malte er, zumeist von Bastien-Lepage beeinflußt, bis 1886 noch eine Reihe von Bildern aus dem Landleben. Der 1887 erfolgte Tod seiner Frau führte jedoch einen völligen Umschwung in seiner Kunst herbei. Ohne fremde Anleitung versuchte er sich in der Bildhauerei, zunächst nur in der Absicht, der Toten ein Grabdenkmal zu errichten. Er schuf ein Bild Christi am Kreuze, der mit dem Ausdruck tiefsten Erbarmens auf die zu seinen Füßen ruhende Tote blickt. Aus dieser Arbeit erwuchs ihm der Gedanke, ein allgemeines Denkmal für die Toten zu schaffen, worin er die grausame Gewalt und Vernichtung des Todes in einer Reihe von Gestalten veranschaulichen wollte. Als das vollendete Werk 1895 im Salon erschien, beschlossen der Staat und die Stadt Paris auf gemeinschaftliche Kosten die Ausführung des Denkmals in Kalkstein für den Friedhof Père Lachaise. Die Einweihung des Monument aux morts erfolgte 1. Nov. 1899. B. hatte sich in der Bildung der Figuren vornehmlich an die nordfranzösischen und florentinischen Bildhauer des 15. Jahrh. angeschlossen, während er für die Architektur auf ägyptische Grabbauten zurückgriff. Im obern Teil des Aufbaues schreitet ein nacktes jugendliches Paar durch eine offene Tür der Grabesnacht zu. Zu beiden Seiten sind je sieben männliche und weibliche Figuren jeglichen Alters zu Gruppen vereinigt, die im Ausdruck ihres Schmerzes, ihrer Verzweiflung und Niedergeschlagenheit den »Protest der Menschheit gegen die Vernichtung« veranschaulichen sollen. Im untern Teil des Aufbaues ist der ewige Schlummer des Grabes durch die liegenden Gestalten eines Ehepaares mit einem Kinde zwischen ihm dargestellt. Hinter dieser Gruppe kniet der Genius des Lebens. Während der Arbeit an diesem Grabmal entstanden noch einige andre Werke, von denen besonders ein junges Mädchen, das sich sein Haar ordnet (1894, jetzt im Albertinum zu Dresden), und eine Gruppe von Adam und Eva nach der Vertreibung aus dem Paradies hervorzuheben sind.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1905, S. 407.
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