Ceres [2]

[843] Ceres, bei den Römern eine der griechischen Demeter nachgebildete Personifikation des Getreides. Der 496 v. Chr. bei einer Hungersnot auf Anordnung der Sibyllinischen Bücher in Rom eingeführte, allmählich über Italien verbreitete Kult war so griechisch, daß der 493 am Abhang des Aventin geweihte Tempel nach griechischer Weise und von griechischen Künstlern ausgeführt und der Dienst der Göttin von italischen Griechinnen in griechischer Sprache und mit völliger Anlehnung an die Sage der Demeter und der mit der italischen Libera gleichgesetzten Persephone versehen wurde. Die Göttin wurde vorzugsweise von den Plebejern verehrt. Ihr Tempel stand unter der Aussicht der plebejischen Ädilen, die als Aufseher des Kornmarktes bei demselben ihr Amtslokal hatten; die von ihnen auferlegten Strafgelder fielen dem Heiligtum zu, ebenso das Vermögen derer, die sich gegen plebejische Beamte vergangen hatten. An den Festspielen der C. (ludi Cereris oder Cerealia), die später vom 12.–19. April und zwar gleichfalls von den Ädilen gegeben wurden, bewirteten sich die Plebejer gegenseitig, wie an den Megalesien (s.d.) vom 4.–10. April die Patrizier. Ein andres Jahresfest wurde im August zur Feier der Wiedervereinigung der C. und Proserpina von den Frauen begangen, die in weißer Kleidung der Göttin die Erstlinge der Früchte darbrachten. Dazu kam noch seit 191 v. Chr. ein gleichfalls auf Anordnung der Sibyllinischen Bücher eingeführtes Fasten der C. (jejunium Cereris), ursprünglich alle fünf Jahre, später jährlich am 4. Okt. Über die bildlichen Darstellungen der C. s. Demeter.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 3. Leipzig 1905, S. 843.
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