Ebersberg [2]

[341] Ebersberg, Ottokar Franz, unter dem Pseudonym O. F. Berg bekannter Wiener Theaterdichter,[341] geb. 10. Okt. 1833 in Wien, gest. daselbst 16. Jan. 1886 in einer Irrenanstalt, betrat nach beendeten Gymnasialstudien die Beamtenlaufbahn, gab dieselbe aber auf, um sich ganz der dramatischen Schriftstellerei zu widmen. Sein erstes Stück fiel in das Jahr 1854. Seitdem ließ er an anderthalb hundert Stücke (Lustspiele, Possen, Parodien etc.) nachfolgen, von denen manche über hundertmal, viele 20–60mal gegeben wurden. E. war ein frisches Talent, nicht wählerisch, aber derbkräftig und kannte namentlich die untern Volksschichten und Stände genau. Er liebte es, Zeitfragen zu behandeln, Schwächen zu geißeln, wobei es ihm mehr um den schlagbereiten Witz und die augenblickliche Wirkung, als um Wahrscheinlichkeit der Handlung zu tun war. Seine Erfindung bewährte sich oft so glänzend, daß selbst Berliner Bearbeitungen seiner Stücke durch Kalisch einen außerordentlichen Erfolg hatten. So wurde aus seinem »Ein Wiener Dienstbot'«: »Berlin, wie es weint und lacht«, das sich, wie sein bearbeitetes »Einer von unsere Leut'«, in Berlin jahrelang auf den Bühnen erhielt. Seine besten Stücke sind: »Die Pfarrersköchin«, »Die alte Schachtel«, »Verlassene Kinder«, »Die Probiermamsell«, »Der letzte Nationalgardist«, »Nemesis«, »Das Mäd'l ohne Geld«, »Der deutsche Bruder«, »Ein Wort an den Reichsrat«, »Der barmherzige Bruder«, »Eine resolute Person«. E. arbeitete auch in Gemeinschaft mit Anton Bittner (1820–80) und andern, gab Almanache und Kalender heraus und gründete 1859 das satirische Blatt »Tritsch-Tratsch« und nach dessen Eingehen (1862) den illustrierten »Kikeriki«.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 5. Leipzig 1906, S. 341-342.
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