Heliopŏlis

[143] Heliopŏlis (»Sonnenstadt«), 1) altägypt. Stadt, 8 km nordöstlich von Kairo, deren Trümmer bei dem Dorfe Matarîje liegen; ägyptisch hieß sie Onu, hebräisch On. Der Lokalgott der Stadt war Atum (s. d.), der sich dort in einem Stier offenbarte; er wurde frühzeitig mit dem Sonnengott Re identifiziert. Schon in vorgeschichtlicher Zeit war H. eine der Hauptstädte des ägyptischen Reiches, und daher hat auch seine Priesterschaft einen großen Einfluß auf die Entwickelung der ägyptischen Religion gewonnen. Noch in griechischer Zeit standen die Priester von H. im Rufe großer Weisheit, Platon soll 13 Jahre lang ihr Schüler gewesen sein. Von dem dem Sonnengott geweihten Haupttempel der Stadt, »dem Hause des Rê«, der in der zwölften Dynastie (2000 v. Chr.) gegründet, im neuen Reiche nächst dem Amontempel der größte und reichste Ägyptens war, und dessen Hallen, Obelisken und Sphinxe noch Strabon gesehen hat, ist außer geringfügigen Trümmern nur noch ein großer, 20,27 m hoher Obelisk vorhanden, den Senwosret I. (Sesostris) errichtet hat. Auf diesen Sonnentempel bezieht sich auch die Weissagung des Jeremias (43, 13): »Er (Nebukadnezar) soll die Bildsäulen zu Beth Semes (Haus der Sonne) im Ägyptenlandzerbrechen.« In der Nähe die Sykomore, unter der die heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten gerastet haben soll. Hier erfochten Sultan Selim I. 1517 und Kléber 20. März 1800 Siege. Vgl. Bädekers »Ägypten«, S. 103 (Leipz. 1902). – 2) Stadt, s. Baalbek.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 9. Leipzig 1907, S. 143.
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