Kürnberger

[862] Kürnberger, Ferdinand, Schriftsteller, geb. 3. Juli 1823 in Wien, gest. 14. Okt. 1879 in München, studierte in Wien Philosophie und wandte sich schon 1846 der Publizistik zu. Als Revolutionsflüchtling verließ er 1848 seine Vaterstadt, verweilte längere Zeit in München, kehrte 1859 nach Österreich zurück und ließ sich 1865 in Graz, 1867 in Wien nieder, wo er als Sekretär der Schiller-Stiftung fungierte, bis er 1877 seinen Wohnsitz von neuem in Graz nahm. Einen Namen erwarb sich K. zuerst durch den Roman »Der Amerikamüde« (Frankf. 1856, auch in Reclams Universal-Bibliothek), in dessen Hauptperson Nikolaus Lenau porträtiert ist. Zu gleicher Zeit versuchte er sich mit seinem »Catilina« (Hamb. 1855) als Dramatiker. Außerdem veröffentlichte er: »Ausgewählte Novellen« (Prag 1857); »Das Goldmärchen« (Wien 1857); »Novellen« (Münch. 1861–62, 3 Bde.); eine Auswahl seiner oft satirisch-politischen Feuilletons zur Geschichte Österreichs in den Jahren 1859–73 u. d. T.: »Siegelringe« (Hamb. 1874); den Roman »Der Haustyrann« (Wien 1876); »Literarische Herzenssachen. [862] Reflexionen und Kritiken« (das. 1877) sowie weitere »Novellen« (Berl. 1878). K. huldigte einer durchaus pessimistischen Weltanschauung, zeichnete sich aber als Kritiker durch Freimut und tiefes dichterisches Verständnis aus; seine Novellen sind zuweilen barock phantastisch, aber nicht ohne Kraft. Aus seinem Nachlaß gab W. Laufer einen Band »Novellen« (Stuttg. 1893) und K. Rosner den Roman »Das Schloß der Frevel« (Leipz. 1904, 2 Bde.) heraus; gesammelt erschienen noch »50 Feuilletons, mit einem Präludium in Versen« (Wien 1905).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 11. Leipzig 1907, S. 862-863.
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